Interview

Citroen: „Wir setzen beim Diesel auf Transparenz“

Interview mit dem deutschen Citroen-Chef Wolfgang Schlimme über die Diesel-Krise und was Fuhrpark-Manager künftig von seiner Marke erwarten können.

Diesel-Krise und Elektromobilität, die hausinterne Konkurrenz durch die neuen Marke DS und neue Herausforderungen durch das autonome Fahren – im Interview spricht Wolfgang Schlimme, Geschäftsführer von Citroën Deutschland, mit uns über die aktuellen Themen und wie seine Marke mit ihnen umgeht.

BFP: Herr Schlimme, um mit einem unangenehmen Thema zu beginnen: Der Diesel gehört zur Kernkompetenz des Autokonzerns PSA. Und der steht gerade gehörig unter Druck. Ein Problem für Citroën?

Schlimme: Nein, das ist für uns kein unangenehmes Thema - ich freue mich sogar über die Frage! Wir sind ehrlich, unsere Diesel sind sauber. PSA führte als erster SCR-Katalysatoren ein. Unsere neuen Modelle schaffen die Norm Euro 6d-Temp, bei der die Emissionen im Realbetrieb gemessen werden. Wir setzen gegenüber unseren Kunden auf Transparenz, was wir zusätzlich noch mit der gerade angekündigten Veröffentlichung der NOx-Emissionen unter realen Fahrbedingungen unterstreichen.

Aber Diesel gelten mittlerweile generell als dreckig - können die Kunden überhaupt noch differenzieren?

Schlimme: Leider wird in der öffentlichen Diskussion derzeit einiges vereinfacht. Aber unsere Händler sind Experten, sie erklären den Kunden die Details. Sie haben natürlich recht, dass Diesel zu unserer Kernkompetenz gehört, unser Benziner-Anteil liegt trotzdem bei über 60 Prozent.

Trotzdem lässt es sich nicht verleugnen, dass Diesel-Fahrzeuge einem höheren Wertverlust unterliegen, als es der Käufer mal kalkuliert hat. Wenn er einen Diesel bei einem Händler in Zahlung geben will, bekommt er wohl deutlich weniger dafür als gedacht?

Schlimme: Natürlich sinken die Preise, aber einen echten Einbruch der Gebrauchtwagenpreise können wir nicht feststellen. Dass es jetzt manchmal etwas länger dauert, bis ein Diesel vom Hof geht, ist klar. Unsere Händler haben ein sehr gutes und persönliches Verhältnis zu unseren Kunden. Man findet immer eine Lösung.

Citroen hat ja auch drei reine Elektro-Fahrzeuge im Markt. Beflügelt die Dieselkrise die Nachfrage?

Schlimme: Die Nachfrage wächst zweifellos, auch wenn das nicht zwangsläufig etwas mit dem Diesel zu tun hat.

Typische Kunden? Die gibt es nicht.

Wer sind die typischen Kunden?

Schlimme: Den typischen Kunden gibt es ja nicht. Für den Kauf von Elektrofahrzeugen gibt es eine große Bandbreite an Gründen und Einsatz-Möglichkeiten. Unser Berlingo Electric beispielsweise ist sehr beliebt im städtischen Auslieferverkehr.

Bei wem zum Beispiel?

Schlimme: Ganz stark bei Floristen – Blumen und Umweltschutz, das passt sehr gut zusammen. Aber auch Kommunen, Stadtwerke, Unternehmer mit ökologisch orientierten Produkten zählen dazu. Der kleine C-Zero dagegen ist als Zweitwagen für den Stadtverkehr beliebt. Da probiert man das eher mal aus als beim Erst-Fahrzeug.

Wer also einen C5 hat, stellt sich dazu noch einen C-Zero vors Haus?

Schlimme: Das bleibt nicht unbedingt in der Familie. Wir haben beim C-Zero auch viele Kunden, die von anderen Marken kommen, die aber so ein Auto eben nicht anbieten.

Und wie schnell können Sie die beliefern? Die Wartezeiten auf ein Elektro-Auto sind ja unglaublich, offenbar haben die Hersteller die Nachfrage unterschätzt?

Schlimme: Wir nicht. Den Berlingo Electric bekommen Sie in drei bis vier Wochen, den C-Zero immerhin im Spätsommer - bei Fahrzeugen aus dem Vorlauf geht es auch schon mal schneller.

Und dann haben Sie ja noch den ungewöhnlichen E-Mehari, eine Art offenen Elektro-Buggy. Wer kauft so etwas?

Schlimme: Einerseits natürlich Autovermieter, die ungewöhnliche Modelle für Hochzeiten oder ähnliches im Angebot haben. Aber wir haben beispielsweise auch einen Privatkunden, der seinen Mehari am Ferienhaus stehen hat. Da kann er in Ruhe laden, und am Wochenende bei schönem Wetter geht's auf Tour.

Hoffentlich ohne plötzlichen Regen – das Dach ist eine ziemliche Fummelei?

Schlimme: Wir bringen jetzt eine Version mit Hardtop, die ist dann absolut wetterfest.

Citroen sind praktisch, aber schön.

Der E-Mehari ist ja ein schönes Beispiel dafür, dass Citroën auch für außergewöhnliches Design steht. Nun gibt es eine neue Marke bei PSA, nämlich DS, die genau das übernehmen soll. Wird es bei Citroën künftig fehlen?

Schlimme: Auf keinen Fall! DS ist als Premiummarke ganz anders positioniert. Wir werden nach wie vor praktische, aber schöne Autos anbieten, und diese beispielsweise auch in vielen lustigen Farben, die zu einer Edelmarke wie DS gar nicht passen. Nehmen Sie den neuen C3 Aircross, der das boomende Segment der kleinen, wendigen SUV bedient. Oder bald den C5 Aircross. Sind diese Autos etwa langweilig? Die sind doch toll!

Sind Citroën- und DS-Händler identisch?

Schlimme:Wir haben bereits mehr als 30 DS-Händler, das sind bislang ausschließlich auch Citroën-Partner. Aber das wird sich künftig etwas lockern.

Kann der Kunde künftig im selben Showroom Citroën- und DS-Modelle direkt vergleichen?

Schlimme: Da gibt es zwei Konzepte. Kleinere Partner haben einen DS-Salon, also einen Shop im Shop. Die großen Händler betreiben eigenständige DS-Shops.

Beiden Marken gemein ist, dass sie beim Thema "Autonomes Fahren" nicht unbedingt die technologische Führerschaft innehaben?

Schlimme: Ach ja? Haben Sie es in einem aktuellen Modell mal ausprobiert?

Ja, in einem DS 7 Crossback. Er mahnt schon ziemlich schnell dazu, das Lenkrad wieder zu übernehmen.

Schlimme: Weil es derzeit so noch sicherer ist. Wir treiben das Thema voran, aber Sicherheit hat absolute Priorität.

Trotzdem: Wie wollen Ihre Händler einen Mercedes-Kunden von DS überzeugen - oder einen bisherigen VW-Fahrer von Citroën?

Schlimme: Mit dem Fahrkomfort! Der ist typisch für Citroën, Und wir stellen ihn viel stärker in den Vordergrund als bisher. Unser neuer Claim heißt: "Comfort is the new cool."

(md/MID)

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