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Opel Chef Michael Lohscheller im Interview

"Der entscheidende Punkt war die Übernahme durch PSA."

Opel-CEO Michael Lohscheller im Interview mit bfp fuhrpark über Elektrifizierung in der Nutzfahrzeugbranche, den neuen Opel Combo und mehr.

Von Dennis Gauert

Opel hat im ersten Halbjahr 502 Millionen als Geschäftsergebnis eingefahren. Der Umsatz liegt bei zehn Milliarden Euro, was gute fünf Prozent Marge bedeutet. Noch kurze Zeit zuvor waren die Rüsselsheimer mit General Motors instabil und türmten 20 Milliarden Euro Verluste. Die Zusammenarbeit mit PSA hat zu sensationellen Steigerungen geführt.

Und nun greift Opel auch in der Nutzfahrzeugsparte neu an. Mit dem auf der EMP2-Plattform von PSA entwickelten Combo Cargo starten die Rüsselsheimer wieder durch. Dafür gewannen sie auch den Van of the Year Award 2019. Wir trafen Konzernchef Michael Lohscheller auf der IAA in Hannover und hatten die Gelegenheit, den seit einem guten Jahr amtierenden CEO zu den aktuellen Plänen zu befragen.

bfp: Wo stehen Sie aktuell mit dem Nutzfahrzeug-Geschäft?

Michael Lohscheller: Es ist der Start für uns, das Nutzfahrzeug-Geschäft richtig wiederaufzubauen. Wir werden auch bei der Elektrifizierung vorne mit dabei sein. In Summe haben wir eine Strategie, in der wir auf rein elektrifizierte Varianten gehen oder Plug-in. Bis 2024 ist das Portfolio komplett. Im Nutzfahrzeuggeschäft werden wir ab 2020 elektrifizierte Varianten anbieten und auch für den Combo wird es eine geben.

bfp: Wie ist Opels Rolle in Bezug auf Nutzfahrzeuge?

Michael Lohscheller: Was wir entschieden haben ist, dass wir die Entwicklungsarbeit für leichte Nutzfahrzeuge innerhalb des PSA-Konzerns übernehmen werden. Wir bauen eine eigene Nutzfahrzeugplattform. Das ist für uns eine super Nachricht aus mehreren Gründen. Einmal ist es so, dass wenn wir auf fremden Plattformen bauen, es nicht jeder im Unternehmen liebt.

Andererseits zeigt uns die eigene Entwicklung auch, wie viel Vertrauen wir innerhalb des Konzerns genießen. Und wir haben die Chance wieder groß ins Geschäft der leichten Nutzfahrzeuge einzusteigen. Die Plattform wird eine Konzernplattform sein.

bfp: Wie sollen sich die Verkaufszahlen entwickeln?

Michael Lohscheller: Das gesamte Nutzfahrzeuggeschäft wird bis 2020 um 25 Prozent wachsen. Wir brechen das nicht runter auf einzelne Fahrzeuglinien. Aber wenn Sie sich den alten Combo anschauen, wurden hier 22 bis 24 000 Einheiten pro Jahr verkauft. Das ist ein sehr geringer Anteil im Segment. Und insgesamt ist es bei uns so, dass wir deutlich weniger Nutzfahrzeuge als Pkw verkaufen. Das ist bei unseren Mitbewerbern oft umgekehrt.

Es sind also große Potentiale möglich, um den Bereich auszubauen. Das werden wir mit dem Combo tun. Die Combo-Produktion läuft im Moment im Vier-Schicht-System, weil die Nachfrage so hoch ist.

bfp: Was ist für Sie das größte Highlight am Combo?

Michael Lohscheller: In der Vergangenheit haben wir immer ein Nutzfahrzeug entwickelt und dann einen Pkw drangehängt. Das ist dieses Mal umgekehrt und wir bieten Qualitäten in einem Nutzfahrzeug, die es sonst nicht gab. Das größte Highlight ist aus meiner Sicht, dass wir es geschafft haben, ein Auto zu bauen, das sich wie ein Nutzfahrzeug beladen lässt und wie ein Pkw fährt. Wir haben hier den Komfort aus einem B-Segment-SUV vereint mit einer hohen Variabilität und Flexibilität. Das ist, finde ich, sehr gut gelungen. Sie verzichten auf nichts.

bfp: Was waren die entscheidenden Wendepunkte für Opel?

Michael Lohscheller: Der entscheidende Punkt war die Übernahme durch PSA. Das ist natürlich eine große Veränderung aber seitdem geht es steil bergauf. Wir sind Teil eines europäischen Champions, der auch im Nutzfahrzeugsegment stark ist. In der Vergangenheit haben wir versucht, Teillösungen mit GM zu erreichen, wir haben von Renault und Fiat gekauft, versucht Synergien mit Buick in China zu erreichen und ähnliche Versuche unternommen. Intellektuell ist das vielleicht richtig gewesen, aber insgesamt war es ein Puzzle aus Sachen, die nicht zusammenpassen.

Wir konzentrieren uns heute auf das, was wir können. Wir machen auch Benchmarking und teilen Kompetenzen innerhalb des PSA-Konzerns effektiv auf und konzentrieren uns darauf, dass wir Gewinn machen. PSA ist für uns der wirtschaftliche Wendepunkt.

bfp: Was können Sie zur Zukunft im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim sagen?

Michael Lohscheller: Wir haben in der Vergangenheit die Hälfte der Aufträge für Externe gemacht. Insgesamt sind es im Entwicklungszentrum 7000 Mitarbeiter. 3500 davon haben also direkt für Opel entwickelt. Wir haben jetzt den Vorschlag gemacht, dass 2000 Mitarbeiter zu Segula übergehen.

Das sind weniger als der frühere Anteil für Externe war. Diese Mitarbeiter haben nicht für Opel gearbeitet, sondern für externe Firmen. Der Opel-Stamm im Entwicklungszentrum wächst damit sogar. Viele verstehen diesen Zusammenhang nicht.

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