Zur Nutzfahrzeugmesse in Karlsruhe fuhren Telematik-Profis mit Lösungen für ein zeitgemäßes Fuhrparkmanagement vor. Softwareschmieden verweben Vernetzung, Datenanalyse und Echtzeitkommunikation, um bei den Kunden Prozesse zu verbessern – und deren Mitarbeiter zu motivieren.
Außendienstunternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Routenplanung effizienter zu gestalten. KI-gesteuerte Optimierung ist das Gebot der Stunde. Auf der Nutzfahrzeugmesse Nufam zeigten unter anderem Arealcontrol und Webfleet, wie ihre Lösungen durch Mustererkennung Prozesse verbessern können: Ulric E.J. Rechtsteiner zeigte in Halle 3 des Karlsruher Messezentrums, wie die Telematikplattform „All You Can Fleet“ Echtzeitdaten analysiert und so die besten Routen ermittelt. Dies führt dem Geschäftsführer von Arealcontrol zufolge zu einer beschleunigten Disposition und der verbesserten Tourenführung. „Früher beschränkten sich Telematiksysteme auf Standortverfolgung und einfache Berichte, moderne Lösungen bündeln Daten aus verschiedenen Quellen und schaffen Mehrwert“, erklärt Rechtsteiner. So erlaubt die im Fahrzeug verbaute Telematikeinheit den Zugriff auf CAN-Bus-Daten. Predictive Analytics ermögliche es, potenzielle Störungen im Voraus zu erkennen und darauf zu reagieren.
Ein paar Stände weiter ist das Software-Tool „Webfleet Fleet Advisor“ Gesprächsthema: Webfleet hat als Tochtergesellschaft von Bridgestone Flottenmanager im Visier. Als neuste Unterstützungsleistung soll das KI-gestützt den Kunden-Fuhrpark analysieren und in Echtzeit auf wichtige Kennzahlen zugreifen. Dabei gebe „Webfleet Fleet Advisor“ nicht nur Dateneinblicke, sondern auch Tipps zur Verbesserung. Dies soll die Entscheidungsprozesse im Flottenmanagement vereinfachen und beschleunigen, heißt es. Auch am Stand von GPSoverIP/ GPSauge standen Themen wie Fuhrparksteuerung und Flottentelematik im Fokus. Key-Account-Managerin Kerstin Kirchner präsentierte das Produkt GPSauge MI6 PRO als „neue universelle Telematiklösung“. Die Hardware zeichne sich durch einfachen Einbau, die kompakte Bauweise und die Funktionsvielfalt aus. Auch die Unterfranken verknüpfen hier Ortung mit den verknüpften Fahrzeugdaten und stellen auf dieser Grundlage ein leistungsfähiges Flottenmanagement in Aussicht. Das GPSauge MI6 PRO arbeitet auf der Basis des patentierten GPSoverIP-Protokolls und gewährleistet die Datenübermittlung auch in Gebieten mit geringer Bandbreite, heißt es.
Der Fahrermangel ist in der Transportbranche eine große Herausforderung. Laut Angaben von Samsara fehlen in der EU, Norwegen und Großbritannien über 233.000 Fahrer. Bei vielen Speditionen und Fuhrparkbetreibern geht es somit darum, Mitarbeiter zu finden und zu binden. Der US-Dienstleister setzt auf einen fahrerzentrierten Ansatz, bei dem Manager gute Leistungen direkt erkennen und belohnen können. Studien zeigten, dass Mitarbeiter, die Anerkennung erhalten, weniger kündigen und Unternehmen mit engagierten Mitarbeitern weniger Sicherheitsvorfälle haben. Die Telematik-Lösung von Samsara nutzt laut Eigenaussage Echtzeitdaten und KI-gestützte Einblicke, um „Muster bei sicherem Tempo, konzentriertem Fahren, Tachografen-Einhaltung und Kraftstoffeinsparung“ zu erkennen. Fuhrparkleiter können über die „Samsara Driver App“ Anerkennung aussprechen und insofern motivieren. Gemäß Anbieter gehört die DHL zu den Nutzern und konnte durch die „Förderung einer positiven Fahrerkultur“ Unfallkosten und Fahrerfluktuation reduzieren. Das Ziel des Anerkennungsprogramms ist es, die Mitarbeiterzufriedenheit zu fördern und die Sicherheit zu erhöhen. Es gehe darum, sicherheitsrelevantes Fahrverhalten zu erkennen, zu dokumentieren und zu stärken.
Auch die PersoFleet GmbH arbeitet eigenen Angaben zufolge mit einem Bonussystem: Das Unternehmen aus Wilnsdorf bietet eine Software-as-a-Service-Plattform für das digitale Fuhrpark- und Personalmanagement. Die App eigne sich besonders für kleine und mittelständische Fuhrparks. Die wichtigsten Funktionen umfassen digitale Abfahrtskontrollen, Unfall- und Schadensmeldungen mit Foto-Upload und Echtzeit-Dokumentation, digitale Fahrzeug- und Personalakten mit integriertem Dokumentenmanagement, zentrale Kontaktverwaltung und ein „Schwarzes Brett“ mit Push-Nachrichten sowie ein Bonussystem zur Motivation der Fahrer. PersoFleet ermöglicht eine effizientere Verwaltung der Flotte und verbessert die Transparenz der Prozesse. PersoFleet wurde in Zusammenarbeit mit Speditionen und einem ADAC-Abschleppdienst-Partner entwickelt. Ab 2026 sollen automatische Übersetzungen mit DeepL in zahlreichen Sprachen verfügbar sein.
Nicht immer verhalten sich professionelle Fahrer am Steuer aber vorbildlich. Auch das müssen Flottenmanager erkennen und gegebenenfalls sanktionieren. Die AddSecure GmbH hat in diesem Zusammenhang die Einführung des Safety Score-Index bekannt gegeben. Das Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr ergänzt die Video-Telematik-Lösung sowie das Programm zur Flottenverwaltung „FleetVision“ und dokumentiert Ereignisse, wie Müdigkeit, Ablenkung oder plötzliches Bremsen, in dynamischen Berichten, wie es heißt. Diese Berichte seien auf der AddSecure-Softwareplattform zugänglich und sollten Flottenmanagern helfen, riskantes Fahrerverhalten zu erkennen und im Bedarfsfall „gezielte Unterstützung“ zu leisten. Die Safety Score-Service umfasst Dashboards im Webportal von AddSecure, die Flottenbewertungen und Einzelbewertungen für jeden Fahrer bieten. (mas)