Mitsubishi baut sein Portfolio aus: mit dem neuen Colt auf Renault-Clio-Basis haben die Japaner endlich wieder einen Kleinwagen im Angebot.
Nach dem Beinahe-Aus auf dem europäischen Markt im Sommer 2020 startet Mitsubishi jetzt wieder richtig durch. Mit dem Kult-Klassiker Colt bringt der japanische Hersteller ab Oktober einen alten Bekannten zurück auf die automobile Bühne. Zuvor war der preiswerte Kleinwagen für neun Jahre aus dem Mitsubishi-Modellprogramm komplett verschwunden.
Jetzt startet die siebte Generation des auf 4,05 Meter angewachsenen Fünftürers – mit großer Unterstützung vom Allianzpartner Renault. Denn eigentlich ist der Mitsubishi Colt ein Renault Clio, und das sieht man ihm auch deutlich an. Bis auf den Kühlergrill und die Marken- und Modellbezeichnung sind die beiden baugleich, sie laufen im türkischen Renault-Werk in Bursa vom selben Band. Auch Antrieb und Technik sind identisch. Dem Franzosen wird gerade eine Modellpflege zuteil, die der japanische Bruder zum Marktstart direkt übernimmt. Punkten kann der Mitsubishi Colt mit einer üppigen Fünf-Jahres-Garantie (oder 100.000 Kilometer). Renault bietet für den Clio nur zwei Jahre, allerdings ohne Kilometerbegrenzung.
Der Colt sortiert sich im Mitsubishi-Portfolio zwischen dem 3,84 Meter langen Kleinstwagen Space Star und dem jüngst eingeführten, 4,23 Meter langen Mini-SUV ASX ein. Letzterer ist ein Zwillingsbruder des Renault Captur, er steht ebenfalls auf einer gemeinsamen Plattform der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz.
Drei Motorisierungen und vier Ausstattungslinien stehen für den gefällig gezeichneten Colt zur Wahl: im Basismodell werkelt ein 67 PS starker Einliter-Dreizylinder-Benziner ohne Turbounterstützung mit Fünfgang-Handschaltung, der auf dem deutschen Markt aber wohl nur eine untergeordnete Rolle spielen wird. Rund 40 Prozent werden sich für die entsprechende Turbovariante mit 91 PS und sechs Gängen entscheiden, schätzen die Marketing-Strategen von Mitsubishi.
Den größten Marktanteil traut Mitsubishi dem leistungsstärksten Colt zu. Der 143 PS starke, nicht extern aufladbare Vollhybrid kombiniert einen 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner ohne Turbounterstützung mit zwei Elektromotoren an der Vorderachse, die von einer 1,2-kWh-Batterie mit Energie versorgt werden. Ein automatisches Multi-Mode-Getriebe bringt die Kraft auf die Straße.
Der Vollhybrid, den Mitsubishi erstmals im neuen ASX eingesetzt hat, soll sich mit 4,2 bis 4,5 Liter Benzin nach WLTP-Norm begnügen. Wir werden das testen, sobald der Colt für eine erste Ausfahrt zur Verfügung steht. Mildhybride oder einen Plug-in-Hybrid wie im ASX gibt es für den Colt nicht, auch keinen Diesel.
Mit LED-Scheinwerfern, Licht- und Regensensor, Tempomat, Spurhalter, Verkehrszeichenerkennung und manueller Klimaanlage ist die Basis-Version bereits gut ausgestattet. Darüber rangiert die Linie Plus, die mit Klimaautomatik, Sitzheizung vorn, Rückfahrkamera und induktiver Lademöglichkeit für Smartphones aufwartet. Die zur Markteinführung und für die beiden stärkeren Motoren verfügbare Intro Edition hält auch Fernlicht- und Totwinkelassistent sowie einen 9,3-Zoll-Touchscreen bereit, während die Top-Ausstattung mit 10,25-Zoll-Farbdisplay, Ambientebeleuchtung, Bose-Sound-System und intelligentem Parkassistenten verwöhnt.
Die Passagiere haben genügend Platz im Colt, auch hinten gibt es dank 2,58 Meter Radstand ausreichend Beinfreiheit. Zwar ist recht viel Hartplastik verbaut und das Ambiente eher sachlich als verspielt, die Materialien wirken aber solide verarbeitet. Zahlreiche Fahrzeugfunktionen werden über den Touchscreen in der Mittelkonsole gesteuert, für die Klimatisierung sind die darunter angebrachten großen Drehregler zuständig, was wir begrüßen. Der Kofferraum fasst 391 Liter, das Gepäck muss allerdings über eine recht hohe Ladekante gewuchtet werden. Die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis 60:40 nach vorn umlegen, es entsteht eine leicht ansteigende Fläche.
Preise gibt es noch keine, auch nicht für den gelifteten Renault-Bruder, der bisher für mindestens 15.336 Euro (netto zzgl. USt.) angeboten wurde. Wir tippen auf wenigstens 16.000 Euro für den Colt.




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