Der erste elektrische Mittelklasse-Kombi für Europa kommt aus China. Mit dem ET5 Touring ist Nio Vorreiter im wichtigen Flottensegment.
Die Vorreiterrolle mögen sie bei Nio: Die Chinesen sind nicht nur die ersten, die auch in Europa flächendeckend Batteriewechselstationen (hier Swap Stations genannt) für ihre Modelle aufbauen wollen, jetzt kommen sie auch noch mit dem ersten vollelektrischen Mittelklasse-Kombi. ET5 Touring heißt der Newcomer, mit dem Nio in ein hierzulande noch komplett unbesetztes Segment vorstößt. Denn andere Elektro-Kombis fahren entweder eine Klasse darunter im Kompakt-Segment (MG 5, Opel Astra, Peugeot 308) oder haben – teils eine Klasse darüber – das Licht der Öffentlichkeit noch gar nicht erblickt (BMW i5, VW ID.7).
Seit August ist der ET5 Touring konfigurierbar, die ersten Auslieferungen sollen noch im vierten Quartal 2023 erfolgen. Damit folgt der Elektro-Kombi nur wenige Monate auf die Limousine, von der er sich naturgemäß am Heck unterscheidet, ansonsten aber komplett identisch vorfährt. Mit abfallender Dachlinie zählt der ET5 Touring definitiv zu den Sportkombis, und im Zusammenspiel mit seinen schmalen Rückleuchten – natürlich mit modischen Leuchtenband – drängt sich nicht nur ungefähr die Erinnerung an Jaguars dynamischen XF Sportbrake auf.
Trotz sportlicher Linien bietet der ET5 Touring – der wie andere Nio-Modelle auch mit gut verarbeitetem Interieur auffällt – auch auf der Rückbank genügend Platz. Weder Kopf- noch Beinfreiheit waren bei unseren 1,80-Meter-Testsitzern eingeschränkt. Lediglich der Fußraum unter den Vordersitzen war ein wenig knapp. Dass Nio mit seinem elektrischen Mittelklasse-Kombi keinen Kleintransporter auf die Räder stellen wollte, merkt man aber beim Kofferraumvolumen. 450 bis 1.300 Liter sind für Klasse und Größe kein Spitzenwert. Wobei man zur Ehrenrettung sagen muss, dass der ET5-Kofferraum im Standardformat 492 Liter Gepäck fasst, wenn man auch die Staufächer unter dem doppelten Ladeboden einrechnet.
Mit zwei Motoren und Allradantrieb fährt der ET5 auch als Kombi standardmäßig vor. Zusammen leisten der Induktionsmotor an der Vorder- und der Permanentmagnetmotor an der Hinterachse umgerechnet 492 PS. Die bringen den ET5 schnell auf Touren, subjektiv wirkt der Nio bei höherem Autobahntempo allerdings wenig elastisch. Was uns auf unserer Testfahrt positiv auffiel: das ET5-Fahrwerk. Während sein größerer Bruder ET7 mit Luftfederung in unserem Test bei höherem Autobahntempo stellenweise unsouverän abfederte, lag der Mittelklasse-Kombi auch auf schnellen Etappen satt auf der Straße.
Gefahren sind wir den ET5 mit dem größeren 100-kWh-Akku, und der soll laut WLTP für bis zu 560 Kilometer Fahrt reichen. Maximal 21,0 kWh Stromverbrauch je 100 Kilometer gibt Nio für den ET5 Touring mit großem Akku an. Und nach einem Blick auf die Verbrauchsanzeige des ET5 – die jedoch immer nur die letzten zehn oder 100 Kilometer Fahrt widerspiegelt – sind Werte von 20 bis 21 kWh durchaus realistisch.
Ist der 100-kWh-Akku leer, lädt der ET5 mit maximal 125 kW an der Schnellladeleistung. Das ist kein Spitzenwert im Premiumumfeld. Außerdem liegt die maximale Ladeleistung der kleineren 75-kWh-Batterie mit bis zu 140 kW über der des großen Akkus. Aber: Eigentlich setzt Nio ja eh darauf, dass seine Kundinnen und Kunden die Akkus an den Swap Stations tauschen. Davon gibt es derzeit bundesweit allerdings erst sieben Stück.
Zu haben ist der Nio ET5 Touring ab 39.916 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.). Und ist dabei praktisch voll ausgestattet. Immer mit an Bord des Elektro-Kombis sind die Nomi-Sprachsteuerung, 10,2-Zoll-Digitalinstrumente oder der 12,8-Zoll-Touchscreen. Über ihn lässt sich nicht nur das Infotainmentsystem bedienen, er dient auch zur Steuerung eigentlich analoger Aktivitäten wie der Verstellung der Außenspiegel oder des Lenkrads. Ebenfalls serienmäßig sind unter anderem
Dennoch macht Nio für den ET5 Touring auch die Optionsliste auf. Gegen Aufpreis gibt es unter anderem
Weder für Geld noch gute Worte allerdings gibt es Kombi-Gimmicks wie ein Gepäcknetz.
Und: So ganz fertig sind ET5-Interessanten auch nach Abarbeitung dieser Liste nicht. Denn das wichtigste im Auto fehlt dann immer noch, nämlich die Batterie. Sie ist nicht im Preis mit inbegriffen, sondern kostet 10.084 (75 kWh) oder 17.647 Euro (100 kWh) extra. Wir empfehlen allerdings, den Akku zu leasen. Das kostet 142 oder 243 Euro zusätzlich im Monat und ermöglicht die Nutzung der Swap Stations. Abgesehen davon bietet Nio auch den ET5 Touring im Abo an, dann selbstverständlich inklusive Batterie.






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