Der Xpeng G6 will mit reichlich Technologie, schnellem Laden und Vollausstattung in Serie auf dem deutschen Automarkt punkten. Schafft er das? Wir konnten das neue SUV-Coupé von Xpeng bereits fahren.
E-Autos chinesischer Automobilhersteller sind in Deutschland eine Randerscheinung und können sich gemessen an den aktuellen Zulassungszahlen auf dem heiß umkämpften deutschen Pkw-Markt noch lange nicht durchsetzen. Die neueste Veröffentlichung des Kraftfahrtbundesamtes spricht für sich; praktisch keine einzige chinesische E-Auto-Marke ist, gemessen an den Neuzulassungen, auch nur annähernd signifikant vertreten. Und dennoch macht der chinesische Autobauer Xpeng mit seinem Xpeng G6, einem SUV-Coupé, im August den nächsten Schritt auf dem deutschen Markt, mit reichlich Technologie und dem Ziel von 3 Prozent Segmentanteil. Wir konnten das chinesische SUV-Coupé G6 auf einer kurzen Probefahrt jetzt schon testen.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts? Genau! Ähnlich wie im Tesla Model Y ist auch im Cockpit des Xpeng G6 nicht viel zu sehen. Das Design folgt ganz dem Anspruch der Marke, wonach unter anderem „High-Tech“ im Vordergrund stünde. In haptisch übersetzt heißt das wohl: wenige Knöpfe oder Hebel rund ums Lenkrad, dafür ein zentraler Touchscreen mit knapp 15 Zoll und eine Sprachsteuerung, die über die Formel „Hey Xpeng“ gestartet wird. Hinzu kommt noch ein 10,2-Zoll-Display direkt vor dem Fahrer, das wichtige Fahrinformationen anzeigt.
Das Infotainmentsystem des Xpeng G6 läuft auf dem Betriebssystem Xmart OS und dient als Steuereinheit der Komfortfunktionen und Fahrerassistenzsysteme. Auch eine App mit Basis- und Premiumfunktionen gibt`s, mit der z. B. Fenster oder der Kofferraum geöffnet werden können. Generell soll künftig von jedem Fahrersitz der Bordcomputer aktiviert und mit Anweisungen gefüttert werden können. Zur Überwachung der Umgebung sind außerdem zahlreiche Radare und ein Dutzend Kameras verbaut. Letztere projizieren die Umgebung unverzüglich auf das zentrale Display im Cockpit, sollte es rundum mal eng werden. Grundsätzlich fährt das SUV-Coupé also mit jeder Menge Technologie vor. Und Technologie als „Game Changer für die Mobilität der Zukunft“, wie es in der Modellpräsentation heißt, soll es sein, die die Fahrerinnen und Fahrer vorantreibt.
Während die Konfigurationsliste bei anderen Automobilherstellern noch vergleichsweise lang ist, wirbt Xpeng im nun vorgestellten G6 damit, auf Optionen oder Ausstattungspakete zu verzichten. Das heißt: Bis auf eine Anhängerkupplung und individuelle Lackierungen gegen Aufpreis soll der Xpeng G6 ohne Pakete auskommen, ohne Aufpreis, sprich Vollausstattung in Serie. Darunter fallen unter anderem der zentrale 15-Zoll-Touchscreen, Assistenz- und Komfortfunktionen, verstellbare sowie beheizbare Sitze vorn und hinten, ein Audiosystem mit 18 Lautsprechern und 50 Watt-Induktionsladestationen für Smartphones im Cockpit zwischen Fahrer und Beifahrer. Auch Serie ist im G6 ein Panorama-Glasdach, eine Wärmepumpe und Hinterradantrieb, Allradantrieb kann mit der größten Batterie kombiniert werden.
Außentürgriffe sind in die Türen eingelassen. Damit ergibt sich eine glatte Fläche. Von außen lassen sie sich mit wenig Druck aus ihrer Einkerbung lösen, von innen sind die Türen über einen Knopf zu öffnen. Stauraum bietet der Kofferraum mit einem Volumen von 571 Litern und 1.374 Litern bei umgeklappten Rücksitzen. Einen Frunk besitzt der G6 hingegen nicht.


Unsere Probefahrt führte uns ab dem Xpeng Center Utrecht in Breukelen teilweise über die Autobahn, maßgeblich aber durch Vororte und über Landstraßen in und um Utrecht. Die Länge des Xpeng G6 und der Radstand von 2,89 Metern kommen dem Fahrkomfort zugute. Auch die Beinfreiheit profitiert. Vorne als Fahrer oder hinten als Passagier, im chinesischen SUV-Coupé sitzt es sich bequem, mit guter Beinfreiheit und das bei einer Körpergröße von 1,87 Metern mit daran angepassten Fahrersitz. Sowohl vordere als auch hintere Sitze sind beheizbar. Interessant für die (extreme) Langstrecke: Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich so einklappen, dass sich eine fast ebene Liegefläche ergibt. Ein Handschuhfach gibt es nicht, dafür ist aber noch Platz in dem Raum unter der Armlehne.
Das 15-Zoll-Display lässt sich intuitiv bedienen. Über dieses können zahlreiche Funktionen angesteuert werden, wie z. B. das Navigationssystem oder Fahrassistenzsysteme. Gut ist, dass letztere leicht auffindbar sind und bei Bedarf einfach ausgeschaltet werden können. Wie Regler auf einem Smartphone lassen sie sich mit einem „Wisch“ ausschalten. Auch die Klimatisierung lässt sich über den Touchscreen regulieren. Diese Funktion ist ohne weiteres nutzbar, da sie in keinem Untermenü versteckt ist, und in Form von kleinen Pfeilen mit Temperaturanzeige immer präsent auf der linken Bildschirmseite angezeigt wird.
Natürlich testeten wir auch die Sprachsteuerung, die über die Formel „Hey Xpeng“ initiiert werden kann. Allerdings zeigte sie noch ein paar Schwächen auf. So forderten wir den Bordcomputer über Sprachbefehl (auf Englisch wohlgemerkt, ein Update auf die deutsche Sprache soll Ende des Jahres „over-the-air“ folgen) beispielsweise dazu auf, das Fenster der Beifahrertür zu öffnen. Das funktionierte auch gut. Selbiges gelang auch, als wir das Fenster der linken hinteren Beifahrertür öffnen wollten. Nur schloss der Bordcomputer selbiges Fenster nicht, als wir ihn dazu aufforderten und das, obschon der Computer die Worte wahrgenommen hatte. Das konnte man über eine kleine Textanzeige im oberen linken Teil des zentralen Displays einsehen. Generell fanden wir es mit der Zeit ein wenig nervig, immer wieder den Befehl „Hey Xpeng“ wiederholen zu müssen, um die Sprachsteuerung zu aktivieren, insbesondere dann, wenn die Befehle unmittelbar aufeinander folgten.
Schließlich beendeten wir unsere Fahrt nach 105 Minuten und legten dabei eine Strecke von gut 77 Kilometern zurück. Dabei ergab sich ein durchschnittlicher Verbrauch von 13,1 kWh/100km. Laden soll die kleinste Version des Xpeng G6 (RWD Standard) an der Schnellladestation mit bis zu 215 kW. RWD Long Range und AWD Performance sollen mit bis zu 280 kW laden können. Außerdem soll an der elektrischen Zapfsäule der Akku innerhalb von maximal 15 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden. Von 10 auf 80 Prozent sollen es weniger als 20 Minuten sein. Das konnten wir auf unserer kurzen Probefahrt allerdings nicht prüfen.
Der G6 von Xpeng ist mit einer Batterie mit 66 kWh und 435 Kilometer WLTP-Reichweite erhältlich oder mit einer Batterie mit einer Nettokapazität von 87,5 kWh und 550 Kilometern (RWD Long Range) bis 570 Kilometer (für AWD Performance) WLTP-Reichweite.





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