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Interview mit Versicherern

Flottenversicherungen: "Partner mit echtem Mehrwert"

Im Interview mit bfp sprechen Versicherungsexperten über Transparenz, individuelle Kundenbetreuung sowie Themen und Produkte der Zukunft.

Von Sabine Neumann

Matthias Küchemann ist Leiter Motor Underwriting Germany, HDI Global SE (HDI)

Dr. Tönnjes Freerk Eller ist Abteilungsleiter Kraftfahrt Gewerbe bei der VHV

Daniel Hecht ist Leiter Produkt- und Portfoliomanagement Flottenversicherung bei der Allianz Versicherungs-AG

Ralph Feldbauer ist Chef-Riskmanager / Riskmanagement-Flotten bei der Allianz Versicherungs-AG

bfp: Bei einer Flottenversicherung ist der Versicherungsbeitrag zwar wichtig. Wichtig ist aber das Gesamtpaket aus Versicherungsschutz, Beitrag, Schadensservice, Schadenmanagement, etc. Wie sieht das Gesamtpaket bei Ihnen aus? Mit welchen Leistungen unterstützen Sie Fuhrparks?

Matthias Küchemann: Unseren Kunden ist es wichtig, dass wir ihnen als Partner mit einem echten Mehrwert zur Seite stehen. Ein ausgezeichnetes Schadenmanagement und Schadenprävention sind das Eine, schlanke Prozesse und volle Transparenz das Andere. Für alle diese Themen steht HDI Global SE.

Dr. Tönnes Freerk Eller: Bei der VHV bieten wir unseren Kunden eine Analyse der Ist-Situation in Bezug auf Schadenhäufigkeit und Schadenhöhe, eine Darstellung der Zusammenhänge zwischen Schäden und Schadenursachen basierend auf den vorhandenen Organisationsstrukturen, sowie Tipps zum Personalcoaching und technischer Fahrzeugausstattung.

Darüber hinaus bieten wir die Beratung, Umsetzung und Begleitung der Maßnahmen – zum Beispiel Theorie- und Praxisschulungen, Bewerberauswahl, Unfallursachen-Analysegespräche - an. Durch diese Maßnahmen lässt sich nicht nur das Preis-/Leistungsverhältnis optimieren, sondern auch das individuelle Deckungskonzept für den Kunden.

Mit unseren Flotte-GARANT-Tarifen bieten wir des Weiteren unter anderem eine Leistungs-Update-Garantie an. Damit sind die Einzelverträge mit der Einführung neuer allgemeiner Kraftfahrtversicherungsbedingungen (AKB) oder neuer Produktgenerationen auf dem aktuellsten Stand und Fuhrparkbetreiber bekommen die aktuellsten Leistungen.

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Ralph Feldbauer: Eine gute Absicherung sollte nicht nur auf Struktur und Risiken eines Fuhrparks Rücksicht nehmen, sondern zudem über den eigentlichen Versicherungsbereich hinaus helfen, unnötigen Verwaltungsaufwand, Schäden und zusätzliche Ausgaben zu vermeiden. Darüber hinaus sollte sich dann der Versicherungsschutz den individuellen Risiken des Fuhrparks anpassen.

Jeder Fuhrpark hat grundsätzlich andere Ausgangssituationen für einen optimalen Versicherungsschutz und andere Parameter. Eine individuelle Beratung ist hier sicher zielführend. Wir bieten deshalb eine kostenlose 24-h-Hotline, die Organisation von Soforthilfe im Schadenfall und einen Schaden-Assistenten zur Schadenhöhenfeststellung (App) für das Handy. Auf Wunsch bieten wir auch Unterstützung bei der Steuerung in Werkstattnetze mit kostenlosen Zusatzleistungen sowie ein Pre-Loss-Risk-Management für Großflotten.

bfp: Mit Standardprodukten ist es bei der Versicherung einer Flotte meist nicht getan. Auf welche Faktoren kommt es Ihnen bei der individuellen Analyse besonders an?

Küchemann: Der gesamte Fuhrpark wird im Hinblick auf das Schadengeschehen analysiert, um den Ursachen gezielt mit Schadenverhütungsmaßnahmen entgegenzuwirken und die Schadenhäufigkeiten zu reduzieren.

Eller: Die VHV ist in jedem Fall daran interessiert, das Deckungskonzept im Sinne des Kunden gesamtheitlich zu optimieren. Hierzu überprüfen wir regelmäßig die Notwendigkeit vorhandener Deckungsbausteine. Die Zielgruppentarifierung nach der Fuhrparkgröße hat sich hierbei bewährt.

Darüber hinaus schätzen wir einen partnerschaftlichen und transparenten Umgang zwischen Fuhrparkbetreibern, Vermittlern und Versicherern. Dies ist die Basis für eine langfristige, zufriedenstellende Geschäftsbeziehung. Schließlich lassen sich im direkten Dialog Auffälligkeiten in der Vergangenheit und künftige Deckungsbedarfe zielführend besprechen sowie bessere Prognosen für den zukünftigen Schadenverlauf treffen.

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Daniel Hecht: Für das Tarifgeschäft ist im Kleinflottenmodell insbesondere die SFR-Struktur prämienrelevant. Relevant für den optimalen Versicherungsschutz sind insbesondere auch Informationen darüber, wie unsere Kunden Ihre Fahrzeuge einsetzen. Daraus ergeben sich meist besondere Anforderungen an den Versicherungsumfang. Für unser Stückpreismodell muss immer der Schadensverlauf des Vorversicherers vorgelegt werden.

Feldbauer: Wichtig ist uns im Rahmen eines professionellen Riskmanagements die Analyse zu Fuhrparkzusammensetzung und Schadenverlauf sowie Auswertungsmöglichkeiten zu Schadenquoten, Einzel- und Großschadenlisten, alle relevanten und präventiv interessanten Unfallparameter; insbesondere die Schadenfrequenzen und die besonderen Schadenschwerpunkte nach Höhe und Frequenz zum individuellen Fuhrparkrisiko.

bfp: Gibt es aktuelle Produkte, die für den Fuhrpark besonders interessant sind?

Küchemann: Neben den klassischen Sparten wie Kfz-Haftpflichtversicherung und Kfz-Kaskoversicherung bieten wir weitere Leistungsbausteine zur individuellen Absicherung des Fuhrparks an. Darüber hinaus stehen für volle Transparenz Onlinelösungen zur Verfügung, die es unseren Kunden ermöglichen, Reportings zu erstellen, Daten zu verwalten und das Fuhrparkgeschehen immer im Blick zu haben. Unser primäres Ziel ist es, dass der Fuhrpark unserer Kunden immer einsatzbereit ist.

Eller: Flottenbetreiber wünschen sich ein individuelles Konzept, welches für ihren Bedarf optimiert ist. Dabei geht es nicht nur um Deckungen, sondern auch um prozessuale Sondervereinbarungen, um den Verwaltungsaufwand beim Kunden zu minimieren. Und das insgesamt zu einem im Marktvergleich möglichst günstigen Preis.

Bei der VHV geben wir unser Bestes, ein gesamtheitliches Angebot zu unterbreiten, das diesen individuellen Kundenbedürfnissen entspricht. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die bereits o.g. Zielgruppentarifierung nach Fuhrparkgröße. Dabei berücksichtigen wir den Wunsch nach optimierter Deckung – je nach konkreter Fuhrparkzusammensetzung teilweise auch Mischformen von Tarif- und Stückbeitragsgeschäft.

Nach unserer Erfahrung nimmt mit zunehmender Größe die Tarifrelevanz ab und der Anteil an Stückprämien-Risiken steigt, auch um die Verwaltung für den Versicherungsnehmer möglichst schlank zu gestalten.

Hecht: Wir haben Tarife für Kleinflotten (3-14 Fahrzeuge), Fuhrparks von 15- 49 Fahrzeuge und ab 50 Fahrzeugen. Alle Tarife können individuell an den Kunden angepasst werden.

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bfp: Wie gehen Sie mit dem Thema Elektrofahrzeuge um?

Küchemann: Bei der Kalkulation von alternativen Antrieben sind zusätzlich Risikoinformationen nötig. Grund dafür ist die Risikoerhöhung durch den Einsatz von Akkumulatoren und den höheren Grundwert der Fahrzeuge. Über unsere allgemeinen Kfz-Bedingungen können Akkumulatoren mitversichert werden.

Darüber hinaus kann der Akkumulator gegen jede Beschädigung, Zerstörung, Verlust oder Totalschaden, durch Ereignisse wie zum Beispiel Überspannungsschäden durch Blitz, Tier Biss und Diebstahl des Ladekabels, versichert werden.

Eller: Der Anteil von Elektro-Pkw in Deutschland ist auch infolge des Dieselskandals erheblich angestiegen, liegt aber mit circa zwei Prozent Marktanteil aktuell immer noch auf einem geringen Niveau.

Zum 01. Januar 2018 hat sich der Anteil an Elektro-Pkw laut Kraftfahrt-Bundesamt auf 53.861 Fahrzeugen von insgesamt ca. 46,5 Millionen Pkw erhöht. Der Bestand der Hybridautos – inklusive Plug-ins - ist auf 281.129 Fahrzeuge ebenfalls deutlich gewachsen.

Wir gehen davon aus, dass die Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen weiter steigen werden und dass diese im Zuge höherer Reichweiten und einer besseren Infrastruktur auch in Flotten mehr an Bedeutung gewinnen werden.

Zurzeit spielen Elektroautos in Flotten noch eine untergeordnete Rolle. Die meisten unserer Kunden verfügen – wenn überhaupt – nur über vereinzelte E-Fahrzeuge.

Die Anschaffungskosten für ein Elektroauto sind sehr hoch. Gerade deswegen sollte man auf die Vollkaskoversicherung nicht verzichten, mit der auch der Akku als Herzstück des E-Fahrzeugs mitversichert ist. Dabei ist es irrelevant, ob die Batterie geleast oder Eigentum des Versicherungsnehmers ist.

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bfp: Welche Themen bestimmen Ihres Erachtens nach in puncto Versicherung die Zukunft?

Küchemann: Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und mit Blick auf autonomes Fahren werden wir uns als Versicherer sowohl im Bereich der Vertragsgestaltung als auch in der Schadenabwicklung mit geänderten Haftungen, alternativen Risikotransfers etc. beschäftigen.

Eller: Neben der in der Antwort auf die vorangegangene Frage bereits besprochenen Elektrifizierung des Automobils spielen ausgefeilte Fahr- und Assistenzfunktionen eine immer wichtigere Rolle bei der Entlastung des Fahrers und der Vermeidung von Unfällen.

Durch die zunehmende Vernetzung bietet die in modernen Fahrzeugen teilweise bereits vorhandene Sensorik viel Potential für die Schadenprävention, automatisierte Schadenabwicklung und individuelle, nutzungsgerechte Versicherungslösungen – insbesondere für unsere Gewerbekunden. Gleichzeitig erhöht sich der durchschnittliche Schadenbedarf, weil im Schadenfall immer mehr und immer teurere Technik mit ersetzt werden muss.

Feldbauer: Das Thema mit dem größten Potential für den Fuhrparkbetreiber ist die Konzentration auf die aktive Schadensprävention. Kfz-bedingte Schadensereignisse "passieren" nie einfach so, sondern sie werden immer "verursacht". Und die professionelle Analyse der eingetretenen Schäden mit dem Fokus auf die Vermeidbarkeit und zukünftigen Handlungsansätzen für den Fahrer, die Organisation oder die Unterstützung durch Technik ist die beste Investition in die Optimierung des Schadensmanagement.

Das genau zeigen unsere Erfahrungen über das präventive Riskmanagement im Fuhrpark. Künftig wird die Schadensprävention noch mehr auf die Kombination vorhandener Fuhrparkdaten aufbauen. Hier sehen wir enorme Handlungsansätze und Hebel zur Sicherheitserhöhung aber auch zur Kostenreduktion.

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