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E-Mobilität und viel mehr

IAA Nutzfahrzeuge 2018: Ort der Superlative

Bei der IAA Nutzfahrzeuge gaben sich Ende September die Branchengrößen die Klinke in die Hand. In Hannover war zu sehen, was morgen fährt.

Inhaltsverzeichnis

Von Dennis Gauert

Erstmals standen auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 nicht nur elektrifizierte Studien auf der Messe, sondern eine Reihe von leichten Transportern und auch Lkw, die mit Energie aus der Steckdose fahren. Mit dem Mercedes-Benz Concept Sprinter F-Cell und dem Volkswagen e-Crafter Hy-Motion stellten die großen Hersteller außerdem ihre Brennstoffzellentechnik für zukünftige Modelle zur Schau.

Ab 2019 kommen die ersten Rollouts von e-Crafter, e-Sprinter & Co. Die zeigten sich ziemlich geräumig – beide Hersteller haben versucht, möglichst geringe Einbußen bei Laderaum und Zuladung zu erreichen. Schließlich soll die Elektrifizierung im Vergleich zum Diesel nicht weniger Auto bedeuten.

IAA Nutzfahrzeuge: Die Elektro-Transporter surren heran

Weniger Reichweite bedeutet sie immerhin: Bis zu 150 (200) Kilometer Reichweite sind mit e-Sprinter, e-Vito und e-Crafter möglich. Die Zuladung beträgt 900 bis 1.000 Kilogramm. Der Crafter bietet als 3,5-Tonner ganze 10,7 Kubikmeter Ladevolumen und 970 Kilogramm Zuladung, in der 4,25-Tonnen-Variante sind 1720 Kilogramm Zuladung möglich. Und: Er darf als Stromer mit dem Führerschein der Klasse B gefahren werden.

Für den Sprinter stehen noch keine belastbaren Daten bereit, nach dem Blick ins Messefahrzeug dürften damit aber ähnliche Werte erreicht werden. Steuerbefreit sind beide Transporter bis zu zehn Jahre, die Einstiegspreise liegen bei etwa 70.000 Euro. Der China-Stromer Maxus EV 80 startet schon ab circa 48.000 Euro – Einbußen bei der Verarbeitungsqualität inklusive.

Gas Naturale aus Italien

In Italien zischt derzeit der Gashahn. Fiat und Iveco wollen sich auch in Deutschland für eine geeignete CNG-Infrastruktur und damit sinkende Gaspreise stark machen. Deshalb war bei FCA kein vollelektrischer Transporter auf dem Stand zu finden. Bei Iveco mussten die Diesel zusätzlich vor der Tür bleiben. Mit einem dieselfreien IAA-Stand und Partner Shell wollte der Nutzfahrzeughersteller auf sich und seine CNG- und LNG-Antriebe aufmerksam machen. Mi+drei Litern Hubraum und einem Drehmoment von 350 Newtonmetern stehen sie der Diesel-Konkurrenz im Segment der Transporter bis 3,5 Tonnen in nichts nach.

Stephane Gigou, Head of Brand Fiat Professional, gab Ausblicke auf Fiats zukünftiges Schaffen. Speziell hinsichtlich der Elektrifizierung zeigt sich Fiat anders als andere Hersteller: Bis Reichweiten von 300 bis 400 Kilometern möglich sind, wollen sich die Italiener nach eigenen Angaben nicht ins Geschäft stürzen. Der Diesel wird mit Harnstoff-Einspritzung und SCR-Katalysator weiter ein wichtiger Teil der Professional-Sparte bei FCA sein, CNG-Antriebe werden von dort vermehrt kommen.

Problematisch ist dabei nur die deutsche Infrastruktur. Im Vergleich zu den südlichen europäischen Ländern hinkt sie momentan stark hinterher. Auch bei der Steuer ist in Deutschland noch keine Entlastung für CNG und LNG vorgesehen.

Drei Zylinder und Range Extender

Für Aufsehen sorgte auch Ford. Die in Großbritannien gesteuerte Nutzfahrzeugsparte von Ford Europa kam mit einer eigentlich naheliegenden, aber dennoch einzigartigen Antriebslösung zur IAA. Mit dem Transit Custom PHEV (Plug-In Hybrid Electric Vehicle) steht vermutlich im Laufe des kommenden Jahres ein Mild-Hybrid im Transporter-Klassiker Transit zur Verfügung. Der 1.0-Liter-Dreizylinder-Benziner lädt während der Fahrt die Batterien eines Elektromotors, der die Reichweite auf mehr als 500 Kilometer erhöhen soll. 50 Kilometer rein elektrisches Fahren peilt Ford mit dem PHEV an.

Der Transporter der Ein-Tonnen-Nutzlast-Klasse bietet genauso viel Platz wie ein vergleichbares Diesel-Modell und kann lokal emissionsfrei gefahren werden. Zurzeit sind die Transporter im zwölfmonatigen Fahrversuch im Stadtverkehr von London unterwegs. Handwerker, Logistik-Dienstleister und Versorgungsbetriebe testen den Mild-Hybrid mit Telematik-Systemen. Nach der Auswertung soll die Serienproduktion des Transit Custom PHEV ab Mitte 2019 anlaufen.

Als Kompromisslösung bringt er genau dort Sicherheit, wo sonst nur ein Komplettumstieg geht. Und vollelektrische Wege geht Ford zusammen mit Streetscooter ja auch schon beim Transit.

IAA Nutzfahrzeuge: Opel ist wieder stark im Geschäft

Seit der PSA-Übernahme nimmt Opel wieder stark an Fahrt auf. Die EMP2-Plattform, auf der der Opel Combo, der Peugeot Partner und der Citroën Berlingo fußen, ist auch als Nutzfahrzeug ein Renner. Mit dem Combo Cargo stellte Opel auf der IAA seinen flinken Lieferwagen vor, der mit 21 Extras und Assistenzsystemen bietet, was man sonst nur in einem Familienauto findet. Smarte Features wie die Überladungsanzeige, das Design und das dynamische Fahrverhalten bei einer Tonne Zuladung und mindestens 4,4 Kubikmetern Ladevolumen bereiten Opel solide den Weg zurück ins Nutzfahrzeuggeschäft.

Dafür verlieh Chairman Jarlath Sweeney den International Van of the Year Award 2019 an PSA. Entgegen nahm ihn Philippe Narbeburu, aber auch Opel-Chef Michael Lohscheller strahlte angesichts der starken Entwicklung. Peugeot nahm den Preis das letzte Mal vor 21 Jahren für den Partner entgegen, zu Opel ging der Preis zuletzt 2002 für den Vivaro, der in Zusammenarbeit mit Renault entstand. Im Interview verriet Lohscheller, dass in Kürze eine Nutzfahrzeug-Plattform in Rüsselsheim entwickelt werden wird. Der Opel Combo wird außerdem bald als elektrifizierte Variante zur Verfügung stehen.

Modulare Pakete und Virtual Reality

Neben den innovativen Plattformen und Modellen waren die Neuigkeiten der Fahrzeugeinrichter gefragt. Sortimo, Bott und Aluca zeigten als feste Branchengrößen neu entwickelte Lösungen. Bei Sortimo war es das Regalsystem SR5: Durch die schmale Bauart ist es nun möglich, eine Europalette im Gang abzustellen, was dem Branchenfahrzeug viel Nutzbarkeit zurückgibt. Außerdem präsentierten die Schwaben um Geschäftsführer Reinhold Braun mySortimo. Über das neue Shopsystem ist ein breites Angebot an Dienstleistungen des Fahrzeugeinrichters als modulares Komplettpaket konfigurierbar.

Ähnlich aufgestellt ist Bott. Neben Branchenfahrzeugen auf Basis von Transportern bis eine Tonne Nutzlast hat Bott auch Streetscooter als Einrichtungsbeispiel im Programm. Hier präsentiert der Fahrzeugeinrichter ein Verstausystem mit Rollschienen zum leichten Be- und Entladen. Eine kleine Sensation war das VR-gesteuerte Wartungssystem der Gaildorfer, das sich speziell an Flottenkunden richtet: Mittels eines Multi-Sim-Transmitters ist es dem Kunden möglich, Reparaturanleitungen und Hinweise vom Backoffice direkt an den Servicemitarbeiter vor Ort zu schicken. Dabei wird das Gesehene per VR-Brille in Echtzeit an den Techniker übetragen, sodass er den Mitarbeiter live instruieren kann.

Elektrisches Lastenrad in Hannover

Jubilar Aluca brachte zur 25-jährigen-Firmengeschichte Foto-Illustrationen und eingerichtete Branchenfahrzeuge mit. Die Einrichtungen, die nur aus Aluminium gefertigt werden, richten sich nach individuellem Kundenwunsch. Als Blickfang war am Aluca-Stand ein elektrisches Lastenrad mit einem Anhänger für zwei große Frachtboxen zu entdecken. Das mit Gazelle entwickelte Lastenfahrrad mit Doppelquerlenkerachse fährt 25 km/h schnell und soll steuer- und führerscheinfreies Liefern im urbanen Raum ermöglichen.

Würth und Modul-System besannen sich auf die wesentlichen Kernstärken im Verstauen. Als Bonus bringt Würth ein digitales Bestellsystem mit Scanner auf den Markt. Damit kann Werkzeug per Knopfdruck vom Fahrzeug aus nachbestellt werden. Modul-System hatte eine längliche Dachbox dabei, die komplett wasserdicht ist und abgeschlossen werden kann.

Full Service für Flexibilität

Im Transportgeschäft ist die Auftragslage nicht immer konstant. So stellt sich für Fuhrparkmanager häufig die Frage, ob sich die Anschaffung eines weiteren Transporters überhaupt lohnt. Um mit einem kleineren Fuhrpark größere Aufträge stemmen zu können, ist es möglich, Rental-Angebote in Anspruch zu nehmen. MAN Financial Services stellte dazu sein Dienstleistungsprogramm vor.

Mit flexiblen Mietlaufzeiten, Telematik-Steuerung und Versicherungslösungen will MAN Full Service für den wechselnden Bedarf bieten. Mit der MAN Card will der Nutzfahrzeughersteller außerdem Abrechnungen vereinfachen und zusätzliche Services anbieten. Dazu gehört auch ein Mobilitätsservice sowie individuelle Preisvorteile beim Tanken. Konditionen können individuell nach Flottengröße und Bedarf verhandelt werden. Im Bereich Leasing sind von Kilometerleasing und Flexleasing bis zu Teilamortisation und Full Service viele Möglichkeiten gegeben.

Autonomie in den Startlöchern

Per App soll er bestellt werden können, bis zu zwölf Menschen können auf dessen Sitz- und Stehplätzen Platz nehmen, alternativ sind Cargo-Module möglich, um Güter zu transportieren: Die Rede ist vom Mercedes-Benz Vision Urbanetic. Die vollelektrische Studie, die durch ihr exzentrisches Design auffällt, beherbergt die komplette Antriebstechnik im Flachboden. Von einer Zentrale aus soll der Urbanetic – ähnlich dem Schienenverkehr – gesteuert werden. Sensoren sollen dafür sorgen, dass das Fahrzeug keinen unerwünschten Kontakt mit Hindernissen hat. Auch im Verteilerverkehr sind Einsätze denkbar: Hier könnte der Urbanetic automatisch bis zur Haustür fahren, die Kundenkommunikation könnte dabei über das Smartphone laufen.

Renault stellt mit dem EZ-Pro die Zukunftsvision eines vernetzten, vollautomatisierten Transportsystems vor. Die sogenannten Robopods können zu einem digital verbundenen Konvoi zusammengefasst werden. Im Leader Pod fährt ein Operator mit, der bei notwendigen Formalitäten während der Zustellung unterstützt. Die Pods sollen aber auch komplett unbemannt fahren können. Die Route der Konvois wird dabei mithilfe eines Systems geplant.

Hier werden auch Verkehrsaufkommen, aktuelle Sperrungen, Ampelschaltungen und weitere Bedingungen berücksichtigt, um Energie und Zeit zu sparen. Der Operator soll während der Fahrt Zeit haben, sich um Formalitäten und Kundenbenachrichtigungen zu kümmern. Mögliche erste Einsatzbereiche könnte die Frachtlogistik am Hafen oder Flughafen sein. Vielleicht steht bei der IAA 2028 ja schon ein autonomes Messetaxi bereit.

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