Foto: Andreas Lindlahr/Daimler AG

Erster Ausritt im Luxus-SUV

Mercedes GLE: wie ein elektrischer Reiter

Vielfahrer werden nicht nur die motorischen Qualitäten zu würdigen wissen – sondern vor allem auch die des Interieurs. Sogar Rodeo light ist möglich.

Von Timo Bürger

Amerikaner mögen es ja gerne big, Texaner bigger. Also ist es nur folgerichtig, dass Mercedes seinen neuen Fünf-Meter-SUV in diesem riesigen Bundesstaat der USA präsentiert; natürlich aber auch, weil der Mercedes GLE im nicht weit entfernten Tuscaloosa (Alabama) gefertigt wird.

Groß geht es auch im Inneren zu: Von nahezu gigantischen Ausmaßen ist das neue, gestochen scharf in die Windschutzscheibe projizierte Head-up-Display: Auf einer gedacht quadratischen Fläche von etwa 15 mal 45 Zentimetern werden die wichtigsten Informationen eingeblendet. Die Ausmaße des Displays mögen dem einen oder anderen vielleicht schon etwas viel des Guten sein.

Mercedes senkt das Niveau

Großes Kino ist hingegen das neue optionale Fahrwerk E-Active Body Control im Mercedes GLE. Die Besonderheit: Das System nutzt 48-Volt-Spannung und regelt die Feder- und Dämpferkräfte an jedem Rad individuell, laut Mercedes ein Alleinstellungsmerkmal. Im Zusammenspiel mit der Luftfederung Airmatic und der Kurvenneigefunktion "Curve" fährt sich der Zweitonner tatsächlich unkompliziert, moderat straff und komfortabel wie eine bestens austarierte Limousine.

Und noch eine Funktion macht richtig etwas her: der Freifahrmodus. Dabei lässt sich zum einen das Federniveau der einzelnen Räder individuell regulieren, zum anderen das Niveau der Karosserie anheben und absenken, um so (mehr oder eben weniger) Druck auf die Räder und damit verbundene Traktion zu erwirken.

Wer dieses Feature nutzt, kann sich aus misslichen Situationen (im Morast festgefahren, im Sand steckengeblieben) freischaukeln. Man kann diese Technik aber auch nutzen, um mit dem Fahrzeug in Schrittgeschwindigkeit zu hüpfen und zu hopsen, dass jedem texanischen Rodeo-Reiter der pure Neid ins Gesicht geschrieben steht. Diese Funktion benötigt man in der Praxis vermutlich selten, schindet aber mächtig Eindruck bei den Außenstehenden.

Behaglicher kann man wohl kaum sitzen

Zurück zum wirklich Nützlichen: Vielfahrer werden dankbar sein über die diversen Sitzangebote des Allradlers. Die Vordersitze erfreuen Rücken und Hinterteil serienmäßig mit elektrischer Verstellung von Länge, Höhe und Neigung des Sitzkissens, Neigung der Lehne, 4-Wege-Power-Lordosenstütze und Kopfstützenhöhe.

Wem das noch zu wenig Annehmlichkeit ist – bitteschön: Die Multikontursitze für Fahrer und Beifahrer im Mercedes GLE (Paket "Energizing Plus" für 4.075 Euro) umfassen Luftkammern in den Seitenwangen der Lehnen für besseren Seitenhalt und bieten etliche Massagefunktionen wie beispielsweise ein Hot-Stone-Massageeffekt, Sitzheizung und -belüftung. Eine Art Wellness-Thron, um es plastischer auszudrücken – fantastisch entspannend.

Wer will, kann auch selbst aktiv werden: Die "Energizing-Steuerung" im Mercedes GLE bietet drei Trainingsprogramme für Fahrer und Beifahrer – Muskelentspannung, Muskelaktivierung und Balance – mit jeweils mehreren Übungen. Die Druckpunkte der verschiedenen Massageprogramme könnten allerdings noch etwas kraftvoller sein – genauso wie die Intensität der Sitzventilation.

Platz und Variabilität in Hülle und Fülle

Auch die hinteren Passagiere genießen nicht nur aufgrund des um 80 Millimeter verlängerten Radstandes vorzügliche Platzverhältnisse. Drei Kindersitze können in Reihe zwei angebracht werden, zudem kann die zweite Sitzreihe vollelektrisch verstellt werden. Die beiden äußeren Sitze lassen sich zudem in der Länge um zehn Zentimeter verstellen. Auf Wunsch bietet Mercedes für die dritte Sitzreihe zwei weitere Sitze an.

Klasse Benziner und ein etwas schlapper Diesel

Ebenfalls mit 48-Volt-Technik kommt der Reihensechszylinder im Mercedes GLE 450 4Matic zum Einsatz. 367 PS und 500 Newtonmeter maximales Drehmoment (weitere 250 Newtonmeter Drehmoment sowie 22 PS Leistung per EQ Boost abrufbar) sind bestens geeignet, den Zweitonner souverän nach vorne zu treiben – eine Empfehlung.

Eine ähnlich gute Wahl ist für Diesel-Fans der 330 PS starke PS starke Sechszylinder im GLE 400d 4Matic. 330 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment lassen weder auf dem Datenblatt und erst recht nicht in der Realität Zweifel an der Performance aufkommen. Wer sich allerdings für den GLE 300d 4Matic (245 PS und 500 Nm Drehmoment) entscheidet, muss doch fehlendes Temperament in Kauf nehmen: der Motor macht zuweilen einen etwas angestrengten Eindruck.

Fazit Mercedes GLE

Groß, luxuriös, bequem und technisch absolut auf der Höhe der Zeit – das ist der neue Mercedes GLE. Mindestens 65.807 Euro (für den Vierzylinder-Benziner) Euro müssen in das Sternen-SUV investiert werden. Spielt die Car Policy mit, macht man nichts verkehrt. Fazit: Eine große Nummer, aber keinesfalls zu dick aufgetragen.

Technische Daten Mercedes GLE 450 4Matic

  • Fünftüriger, fünfsitziger SUV

  • Länge / Breite / Höhe (in mm): 4.924/1.947/1.772

  • Radstand (in mm): 2.995

  • Wendekreis (in M): 12,0

  • Motor/Getriebe: R-Sechszylinder, 2.999 ccm Hubraum, 9Gang-Automatik 9G-TRONIC. Allrad

  • Leistung: 270/367 kW/PS bei 5.500-6.100 U/min

  • Drehmoment: 500 Nm bei 1.600-4.500 U/min

  • Beschleunigung 0-100 km/h: 5,7s

  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

  • Verbrauch (NEFZ, kombiniert): 9,4-8,3

  • CO2-Emissionen: 214-190 g/km

  • Kofferraumvolumen: 630 - 2.055 l

  • Leergewicht: 22.220 kg

  • Tankinhalt: 85l

  • Preis Mercedes GLE: ab 72.649,50 Euro

Vorstellung

Mercedes-Benz CLS: Design 2.0

Der Mercedes CLS kommt nun in der dritten Generation: Die Zeit der Ecken, Kanten und Sicken neigt sich bei Mercedes dem Ende zu.

Zweirad- gegen Allradantrieb

Restwertprognosen: Vier gewinnt meist nicht

Je nach Einsatzort kann der Allradantrieb für Flottenfahrzeuge sinnvoll sein. Wie wirkt sich diese Ausstattung bei Limousinen auf den Restwert aus?

Highend-Dienstwagen

Für Top-Management und sehr Reiche

Neue Highend-Dienstwagen werden zur PS-starken Versuchung für Inhaber und Top-Executives – Neid bleibt die höchste Form der deutschen Anerkennung.

Restwertprognosen

Restwertprognosen Luxusklasse: Der Panamera ist das Maß der Dinge

In der Luxusklasse wird mit Autos viel Geld verdient, aber auch verloren. Obwohl der Porsche Panamera das wertstabilste Modell ist, verliert man 53.500 Euro.