Wohin bewegt sich die betriebliche Mobilität? Fragen dazu beantwortete die erste Nationale Konferenz für betriebliche Mobilität in Hannover.
Direkt weiter ging es im Anschluss an das bfp FORUM: Erstmals trafen sich Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortliche am 8. und 9. September in Hannover zur Nationalen Konferenz für betriebliche Mobilität. Organisiert vom Bundesverband betriebliche Mobilität (BBM) in Kooperation mit dem bfp Verlagshaus Schlütersche Verlagsgesellschaft, fokussierten sich die Key Notes, Vorträge, Workshops und Best Practices des Events komplett auf ganzheitliche Unternehmensmobilität der Zukunft.
Jeweils eine Key Note bildete den Einstieg in die Konferenztage. Am ersten Tag rief Stephan A. Jansen, Stiftungsprofessor für urbane Innovation, Mobilität, Gesundheit und Digitalisierung an der Berliner Universität der Künste, das Publikum dazu auf: „Bewegt Euch. Selber!“ So lautete auch der Titel seines Vortrags, in dem er mit Blick auf die Mobilitätswende mehr als nur eine Antriebswende, sondern vielmehr eine Verhaltenswende aller Beteiligten forderte.
Die Key Note des zweiten Tags hielt Christian Grotemeier, Professor für Mobilitätsmanagement an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden. „Mobilitäts- und Flottenmanagement in bewegten Zeiten: Was können wir wissen und was hoffen“ lautete der Titel seines Vortrags und ähnlich wie Jansen setzte auch Grotemeier auf das Fahrrad als wichtigen Beitrag für die urbane Mobilität der Zukunft. Die Verkehrswende verglich er mit einer Reise im ICE: Auch im Inneren des Schnellzuges würden Reisende gar nicht mitbekommen, mit welch rapider Geschwindigkeit sie unterwegs seien.
Passende Einleitungen also für die weiteren inhaltlichen Beiträge, darunter die Vorstellung der Ergebnisse des aktuellen bfp Mobility BAROMETERs 2022 durch die bfp-Chefredakteure Clemens Noll-Velten und Christian Frederik Merten. Zuvor aber teilte Olga Nevska, Geschäftsführerin Telekom Mobility Solutions, mit dem Publikum ihre Erfahrungen bei der Transformation einer der größten Unternehmensflotten Deutschlands zu einem innovativen Mobilitätsanbieter. Nachhaltige Mobilität muss für Nevska grün, sicher und effizient sein und einheitlichen Zugang ermöglichen. „Wir müssen noch viel mehr intermodalen Verkehr schaffen, bei dem verschiedene Dienste vernetzt werden und mehrere Verkehrsträger ineinandergreifend zum Einsatz kommen“, so Nevska in Hannover. Sehr gute Mobilitätsangebote seien auch deshalb so wichtig, „weil uns bewusst sein muss, dass sich das Verhalten der Pendler nicht von heute auf morgen ändern wird.“ Und das vor dem Hintergrund, dass Nevska dem Weg von und zur Arbeit große Relevanz für die Mobilitätswende große Relevanz beimisst: „Der Pendelverkehr (Commuting) ist der größte Treiber von Mobilität und somit für den CO2-Ausstoß.“
Um das Thema Vernetzung ging es auch im Best Practice von Christoph Carnier, Senior Director Travel, Fleet & Events bei Merck, zum Thema „Fuhrpark- und Travelmanagement unter einem Dach - Warum das sinnvoll ist!“. Carnier forderte am ersten Konferenz-Tag: „Wir müssen noch viel stärker versuchen, Synergien zu nutzen, weil wir letztlich ähnliche oder sogar manchmal die gleichen Ansprechpartner haben.“ Er zeigte auf, wie eine Greenfleet Policy und eine effizientere Nutzung des Flottenpools unter einen Hut zu bringen sind: zum Beispiel durch die Nutzung der Bahncard 100, die bessere Nutzung von Leasingrückläufern, neue Mobilitätskonzepte, weniger CO2-Ausstoß sowie das gemeinsame und synergetische Denken der eigentlich eigenständigen Bereiche Travel und Flotte.
Um möglichst effiziente Mitarbeitermobilität ging es auch bei Carolina Plawky, Professional Corporate Project Managerin bei Hays und Lofino-CEO Susanne Hammes. Konkret stellten beide die Einführung eines Mobilitätsbudgets bei Hays vor. „Dienstwagen hatten bisher immer einen hohen Stellenwert“, so Plawky. „Immer mehr Beschäftigte sagen jedoch: Ein netter Benefit, den ich aber gar nicht mehr richtig nutzen will oder kann.“ Die Bedürfnisse der Dienstwagenberechtigten lauteten vielmehr: Individualität, Flexibilität und zunehmend Nachhaltigkeit. Faktoren, die in einem Mobilitätsbudget zusammenfließen.
Die steuerliche Perspektive eines Mobilitätsbudgets beleuchtete in Hannover Steuerberaterin Isabel Schneider. Vielschichtig und auch etwas kompliziert sei das Mobilitätsbudget aus steuerlicher Sicht, machte sie gleich zu Beginn klar. Auch wenn es auf den ersten Blick recht einfach wirke. Als erstes gelte es zu klären, wie dieses Goodie zu bewerten sei. Als Gehalt, Lohn oder Sachbezug? Dann gebe es verschiedene Bemessungsgrenzen. So dürften 10.000 Euro pro Mitarbeiter nicht überschritten werden und von 200 Euro gewährtem Mobilitätsbudget müssten 140 Euro versteuert werden. Da bliebe nicht viel übrig. Bei 400 Euro halte der Fiskus bis 220 Euro die Hand auf. Und eigentlich würden nur wirklich klimaneutrale Maßnahmen steuerlich freigestellt werden. Hoffnungen, dass sich an der Komplexität aus Steuersicht schnell etwas ändern könnte, zerschlug Schneider aber schnell: „Steuerlich vereinfachte Bewertungen wie zum Beispiel in Belgien wird es bei uns noch Jahre hinweg nicht geben. So etwas kommt bestimmt nicht vor 2025/2026, eher wird es noch zehn oder elf Jahre dauern.“
Nicht zum Thema Steuern, sondern zur Pendlermobilität äußerte sich auf der Nationalen Konferenz für betriebliche Mobilität Luca Nitschke vom Institut für sozial-ökologische Forschung. Er stellte das Projekt Pendellabor vor, das der Fragestellung nachgeht, wie nicht-nachhaltiges Pendeln verträglicher und im Einklang mit einer Mobilitätswende organisiert werden kann. Beispielregion des interdisziplinären Teams aus Wissenschaftlern und Praxisakteuren ist die Stadtregion Frankfurt Rhein-Main. Ziel des Projekts ist es, eine ganzheitliche Perspektive auf das Pendeln zu entwickeln. „Pendeln hat nicht nur gesundheitliche und umweltrelevante Nachteile“, so Luca Nitschke, „sondern in erheblichem Maße auch für das familiäre Beziehungsgefüge.“ Veränderungspotentiale für nachhaltige Pendlermobilität stecken seiner Meinung nach beispielsweise in der Ausweitung hybrider Modelle wie Home-Office- und Co-Working-Büro-Angeboten, in der Erhöhung der Zeitsouveränität und dem Auf- und Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur.




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