Das Hamburger Stadtplanungsbüro Elbberg ist viel unterwegs – ohne eigene Autos. Mitinhaber Gerd Kruse bevorzugt das stationäre Cambio-Carsharing.
Von Christian Frederik Merten
Ein eigener Fuhrpark? Oder eigene Pool-Fahrzeuge? Das sind Mobilitätslösungen, die für Gerd Kruse, Mitinhaber des Hamburger Stadtplanungsbüros Elbberg, nicht in Frage kommen. Elbberg unterstützt Städte und Gemeinden in Norddeutschland bei der Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten und plant Anlagen für erneuerbare Energien wie Wind- und Solarparks. Dafür sind Kruse und sein Planungsteam häufig unterwegs: "Tagsüber zu Besprechungen mit Behörden, abends oft zu Sitzungen der Gemeinden." Außerdem kartieren die Landschaftsplaner des Unternehmens regelmäßig Grundstücke, auf denen eine Bebauung geplant ist. "Die müssen wir mit Blick auf geschützte Tier- und Pflanzenarten oft monate- oder manchmal jahrelang beobachten", so Kruse. Diese Touren führen immer wieder 100 bis 150 Kilometer vor die Tore der Hansestadt.
Viel Bewegung also im Elbberg-Team, das zwar nur fünf Gehminuten von der nächsten U-Bahn-Station entfernt arbeitet, für das öffentliche Verkehrsmittel aber nicht immer in Frage kommen. Wie also erreichen die Hamburger ihre Ziele, die oft auch außerhalb Hamburgs im ländlichen Raum liegen? Kruse hat die klare Antwort: "Bereits seit dem Jahr 2000 sind wir Carsharing-Kunde."
Gestartet ist das Unternehmen bei Stattauto. Mittlerweile setzt es hauptsächlich auf Cambio. Die Bremer sind seit Anfang der 2000er-Jahre aktiv und stellen in Hamburg derzeit 150 bis 160 Fahrzeuge an 80 Stationen zur Verfügung. Eine der Stationen mit zwei Fahrzeugen befindet sich direkt in der Tiefgarage unter Elbbergs Büros.
Carsharing ist für Kruse die optimale Mobilitätslösung, wenn es um Autos geht. In seiner beruflichen Laufbahn gab es zwar Zeiten, in denen er Dienstwagennutzer war. Aber er sagt: "Für 400 Euro Leasingrate im Monat sind Sie noch keinen Kilometer gefahren, im Carsharing legen wir für dieses Geld 1.600 Kilometer zurück." Außerdem vermeide er im Vergleich zum eigenen Fahrzeug auch weiteren Aufwand: "Wenn Sie Carsharing nutzen, sparen Sie sich auch Zeit und Geld für Werkstattaufenthalte und die Parkplatzsuche oder -miete und können in Phasen mit weniger Fahrten die Fixkosten sofort auf null senken."
Cambio ist der Haupt-Carsharing-Partner Elbbergs. Für 80 bis 90 Prozent ihrer Carsharing-Fahrten nutzen die Stadtplaner den fast ausschließlich stationsbasiert operierenden Anbieter. Allerdings gibt es auch Kundenbeziehungen zu Flinkster und Greenwheels. "Für Städte, in denen Cambio nicht vertreten ist und in denen wir auf Dienstreisen automobil bleiben müssen", erklärt Kruse.
Kruses wichtigste Anforderung an einen Carsharing-Partner: "Verfügbarkeit." Die sieht er bei Cambio als absolut gegeben an, dass er kein Auto buchen könne, komme so gut wie gar nicht vor. In seltenen Fällen gibt es kein Fahrzeug, wenn er sehr kurzfristig eine längere Buchung vornehmen möchte. Aber selbst dann, so Kruse, gebe es meistens eine Lösung: "An einer der drei Stationen im fußläufigen Umkreis gibt es eigentlich immer Autos."
24 Cent pro Kilometer zahlt Elbberg im Schnitt, wobei längere Fahrten mit wenig Standzeiten am günstigsten sind. "Ich hätte früher nie gedacht, dass man so günstig Auto fahren kann", sagt Kruse. "Preislich ist Cambio unschlagbar." Die Kosten hängen natürlich ab vom gewählten Tarif. Bei Cambio nutzt Elbberg den Profi-Tarif. Er setzt sich zusammen aus einer monatlichen Grundgebühr in Höhe von 17,25 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) sowie 1,72 Euro je Fahrtberechtigtem. Aber: "Die Fixkosten sind gedeckelt", sagt Cambio-Geschäftsführerin Bettina Dannheim: "Es werden maximal die Kosten für elf Fahrberechtigte in Rechnung gestellt." Dazu kommen dann die variablen Gebühren, die sich tageszeit- und fahrzeugklassenabhängig unterscheiden. Hier hat Cambio zeit- und kilometerabhängige Gebührenmodelle geschaffen. Möglich ist außerdem die Reduzierung der Selbstbeteiligung im Schadenfall.
Aber auch über den Profi-Tarif hinaus bietet Cambio – nicht nur – Geschäftskunden in einigen Punkten besondere nicht-monetäre Konditionen an. "Wer bestimmte Fahrzeuge, zum Beispiel Transporter, in wiederkehrenden zeitlichen Slots buchen möchte, kann das tun", erklärt Dannheim. Außerdem gibt es für Mitarbeiter, deren Arbeitgeber den Profi-Tarif nutzen, die Möglichkeit, eigene Verträge zu den günstigen Konditionen im Tarif Profi-Privat abzuschließen. Probleme mit der Versteuerung eines geldwerten Vorteils gibt es nicht. Bettina Dannheim erklärt: "Durch den zusätzlichen Vertrag mit separater Rechnungsstellung bauen wir eine komplett eigenständige Kundenbeziehung auf."
Auch Gerd Kruse nutzt diese Möglichkeit für sein Team: "Als Goodie, günstige Mobilität durch das Unternehmen zu erhalten." Denn viele der Elbberg-Mitarbeiter besitzen gar kein eigenes Auto, da sei ein solches Modell durchaus ein Mittel zur Mitarbeiterbindung. Nicht in Anspruch nimmt er dagegen die Möglichkeit, Cambio-Fahrzeuge mit einem Firmenlogo zu beschriften. Technisch funktioniert das über Magnet-Folien, die vor der Fahrt ans Fahrzeug angeheftet und nach Fahrtende wieder abgenommen werden. "Diese Art Werbung für das eigene Unternehmen ist möglich, allerdings nur nach Vorgabe spezieller Folien", sagt Dannheim. Man wolle vermeiden, dass nicht geeignete Magnetfolien die Fahrzeuge beschädigen.
Danach gefragt, was er sich zusätzlich zum bestehenden Angebot von seinem wichtigsten Carsharing-Partner wünsche, sieht Gerd Kruse keine wirklichen Optimierungspotenziale. Vielleicht hier und da ein emotionaleres Fahrzeug, ansonsten laufe alles reibungslos. E-Fahrzeuge würde er ebenfalls nicht ablehnen, zählt damit aber laut Bettina Dannheim nicht zur Mehrzahl der Cambio-Kunden: "Wenn an einer Station Verbrenner und Elektroautos zur Wahl stehen, buchen die Kunden heute in der Regel eher den Verbrenner."
Ein Carsharing nach dem Free-Floating-Prinzip wie bei Sharenow käme für Kruse übrigens überhaupt nicht in Frage: "Wir bewegen uns fast immer außerhalb der von den Anbietern definierten innenstadtnahen Geschäftsgebiete", so der Stadtplaner. "Wenn Sie ein Auto dort längere Zeit abstellen, kostet Sie das bei den gängigen Minutentarifen ein Vermögen." Bei abendlichen Sitzungen von Gemeinderäten oder Vogel- und Fledermauskartierungen, die auch abends oder über Nacht stattfinden, käme dann also noch ein beachtlicher Betrag zusammen. Bei Cambio zahlt Kruse pro Nachtstunde von 23 bis sieben Uhr dagegen lediglich 43 Cent.