Pflegedienste aus Heidelberg, Pirna und Troisdorf berichten über die sechs Vorteile von E-Bikes für Unternehmen und Mitarbeiter – und, wie sie mit dem einzigen Nachteil der innovativen Fahrräder umgehen.
E-Bikes liegen im Trend. Fast zwei Millionen Exemplare wurden 2020 in Deutschland gekauft. Auch mancher Pflegedienst sieht in E-Bikes eine Alternative zum Auto und erweitert die betriebliche Mobilität. „Wir waren von Anfang an begeistert,“ sagt Susanne Tittel, Pflegedienstleitung der Johanniter Sozialstation im sächsischen Pirna. Seit 2019 sind die Pflegekräfte ihrer Sozialstation auf dem E-Bike unterwegs, „weil man gerade in Pirna oft viel schneller unterwegs ist und keine Parkschwierigkeiten hat. E-Bikes sind ökonomisch, ökologisch, einfach innovativ.“
Das kann Alexandra Suarez-Arnold nur bestätigen. Sie spricht für den Heidelberger Pflegedienstleister „Frauen pflegen Frauen“, der schon seit 1995 ausschließlich Fahrrad und E-Bike einsetzt. Nach 25 Jahren zieht man dort ein durchgängig positives Fazit. „Unsere Erfahrungen sind sehr, sehr gut,“ sagt Alexandra Suarez-Arnold. „Wir sind hier im Stadtzentrum deutlich schneller unterwegs. Kein Stau-Stress, kein Ärger bei der Parkplatz-Suche, sondern wir fahren auf dem schnellsten Weg zu unseren Patientinnen.“
Beim ASB Troisdorf hat man aus der E-Bike-Mobilität eine Win-Win-Situation gemacht: „Unsere Pflegekräfte können mit dem E-Bike jeden Tag rund 30 Minuten Zeit gewinnen, und entsprechend früher nach Hause gehen,“ heißt es dort. Also alles super? Nicht ganz, denn trotz vieler positiver Rückmeldungen gibt es immer noch Vorbehalte bei einigen Pflegekräften.
Davon kann Marco Heise berichten. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Leipziger Herstellers Velosic, das sich auf Lastenräder für Liefer- und Pflegedienste spezialisiert hat. Bei seinen Gesprächen mit Pflegediensten stößt er immer wieder auf die gleichen Einwände, kaum bei den Leitungen, hauptsächlich bei den Pflegekräften. „Das eine Argument kommt immer wieder – das Wetter. ‚Was ist, wenn es kalt ist oder wenn es regnet’, wird dann immer gefragt.“ Seine Antwort: „Man muss nicht den gesamten Fuhrpark auf E-Bikes umstellen“. Er vermutet hinter den Gegenargumenten auch eine gewisse Veränderungsverweigerung: „Die Pflegekräfte sind halt an das eigene Auto gewöhnt.“
Auf das Wetter-Argument antwortet Alexandra Suarez-Arnold von „Frauen pflegen Frauen“: „Wir stellen Schutzkleidung, gute Schuhe, und, wenn es gar nicht mehr geht, alternative Angebote wie die Abo-Karte für den ÖPNV.“ Damit kommen ihre Pflegekräfte bestens zurecht.
Danilo Schulz von der Dresdner Geschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., die das Pirna-E-Bike-Projekt begleitet, sieht „wettermäßig“ schon Probleme: „In der ‚kalten Jahreszeit’ ist der Einsatz auf zwei Rädern etwas eingeschränkt. Hier muss man die zusätzliche Kleidung und Umzieh-Zeiten für einrechnen. In der Wohnung der Klienten ist es etwas hinderlich, Regensachen oder Wintersachen abzulegen, dies ist jedoch notwendig und gehört sich auch so. Die Wohnungen unserer Klientel bieten da nicht immer die entsprechenden Möglichkeiten.“
Auch wenn das Wetter beim E-Bike nicht immer mitspielt, Marco Heise hat viele gute Argumente für das E-Bike:
Bleibt das Wetter als einziges Gegenargument...
Autor: Hans-Georg Sausse