Nachhaltige Mobilität am Arbeitsplatz: Das Future Mobility Lab der Uni St. Gallen untersucht, wie Unternehmen und Mitarbeitende den Wandel der beruflichen Mobilität gestalten.
Die berufliche Mobilität steht vor einer Zeitenwende: Mit mehr Home-Office, Dienstfahrrädern und Elektroflotten gestaltet sich der Arbeitsweg anders als je zuvor. Das Future Mobility Lab (FML) des Instituts für Mobilität der Universität St. Gallen (IMO-HSG) hat in einer umfangreichen Studie untersucht, wie Unternehmen in Deutschland und der Schweiz auf die Mobilitätswünsche ihrer Mitarbeitenden reagieren und welche Trends sich für 2024/25 abzeichnen. „Gegensätze ziehen sich an“ – dieses Motto scheint auch auf die aktuelle Mobilitätslandschaft zuzutreffen: Arbeitgeber müssen die Balance finden zwischen dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und der Nachfrage nach flexiblen Mobilitätsangeboten. Dr. Philipp Scharfenberg, Vize-Direktor des Instituts, betont: „Nachhaltige Arbeitswege sind in Zeiten des Fachkräftemangels wichtiger denn je. Sie erhöhen die Attraktivität des Arbeitgebers und helfen gleichzeitig, CO₂-Emissionen zu senken.“
Die quantitative Befragung von 618 deutschen und 365 Schweizer Arbeitgebern zeigt: Fast 60 % der Unternehmen befinden sich in einem Transformationsprozess ihrer Mobilitätsangebote. Besonders in Deutschland treibt der Fachkräftemangel die Veränderung voran, wobei 78 % der Arbeitgeber den Druck spüren, attraktiver für potenzielle Mitarbeitende zu werden. Was tun sie konkret? Top-Maßnahmen sind:
Dennoch fehlt vielen Arbeitgebern der Überblick, was die Belegschaft tatsächlich möchte. Nur 43 % haben detaillierte Einblicke in die Mobilitätspräferenzen ihrer Mitarbeitenden.
Die Mitarbeitenden in Deutschland und der Schweiz, die in der Studie befragt wurden, wünschen sich mehr Mobilitätsangebote vom Arbeitgeber – und das nicht nur als „Goodie“, sondern als festen Bestandteil des Vergütungspakets. Vor allem die jüngere Generation zeigt großes Interesse:
Die Analyse zeigt, dass die Vorlieben der Arbeitnehmenden in beiden Ländern größtenteils ähnlich sind. Während in Deutschland Diensträder hoch im Kurs stehen, bevorzugen die Schweizer eher lokale Tarif-Angebote im öffentlichen Verkehr. Hier zeigt sich: Es braucht maßgeschneiderte Angebote, um die unterschiedlichen Mobilitätskulturen zu bedienen.
Das Future Mobility Lab wagt auch einen Blick in die Zukunft. Innovative Konzepte wie Vehicle-to-Grid (V2G), bei denen Elektroautos ins Stromnetz einspeisen, könnten bald Teil des beruflichen Mobilitätsangebots werden. Auch das Wohlfühlkonzept im Fahrzeug selbst gewinnt an Bedeutung: Hier geht es nicht nur um Komfort, sondern um die Integration moderner Technologien, die das Arbeiten unterwegs angenehmer gestalten.
Dr. Philipp Scharfenberg fasst zusammen: „Die Studie zeigt, dass Arbeitgeber und Mitarbeitende bereit sind, neue Wege zu gehen. Die Nachfrage nach nachhaltigen und flexiblen Mobilitätslösungen wird in den kommenden Jahren weiter wachsen.“
Das Pre-Report des FML gibt einen klaren Diskussionsimpuls: Unternehmen, die bei der Gestaltung ihrer Mobilitätsangebote zukunftsorientiert handeln, werden im Wettbewerb um Talente und Fachkräfte klar im Vorteil sein. Die finale Studie „Berufliche Mobilität neu gestalten“, die im Frühjahr 2025 erscheint, verspricht tiefergehende Einblicke und konkrete Handlungsempfehlungen. (ja)