Interview mit Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Betriebliche Mobilität (BBM).
Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbands Betriebliche Mobilität (BBM), erläutert, warum Unternehmen einen Wandel von der klassischen Car-Policy hin zu einer umfassenden Mobility-Policy in Betracht ziehen sollten. Besonders Themen wie Nachhaltigkeit verlangen immer häufiger nach alternativen Mobilitätsformen.
Marc-Oliver Prinzing: Auch eine Car-Policy sollte regelmäßig auf den Prüfstand gestellt werden. Wir sind heute von völlig neuen Möglichkeiten umgeben – vom Dienstrad-Leasing über Mobilitätsbudgets bis hin zum Deutschlandticket. Die Mobilitätsbranche verändert sich rasant. Unternehmen sollten erkennen, dass ein Konzept, das sich ausschließlich auf Dienstwagen stützt, nicht mehr zeitgemäß ist. Bedarfsgerechte, flexible und nachhaltige Lösungen werden zunehmend wichtiger.
Prinzing: Das Dienstwagenrecht ist häufig vertraglich festgehalten und kann nicht einfach abgeschafft werden. Das bringt rechtliche und kommunikative Herausforderungen mit sich. Viele Mitarbeitende müssen sich zuerst an neue Konzepte gewöhnen und von den deren Vorteilen überzeugt werden. Der Schlüssel liegt im Miteinander: Jeder Mensch im Unternehmen muss für sich selbst schauen, welche Mobilitätsformen er benötigt und wie flexibel er sich aufstellen möchte. Die Chancen liegen auf der Hand – Mobilität im Unternehmen kann in Zukunft individueller und gerechter gedacht werden.
Prinzing: Die Verantwortung für den Erfolg liegt vor allem bei der Geschäftsführung, die als gutes Beispiel vorangehen sollte. Das Personal muss erkennen, warum der Schritt hin zur Mobility-Policy sinnvoll oder sogar notwendig ist und wo die Chancen und Vorteile liegen. Die Einbindung der Mitarbeitenden ist wichtig, denn Entscheidungen von oben herab werden wenig Anklang im Unternehmen finden. Konzepte zur Mobilität dürfen weder zu komplex noch zu allgemein erarbeitet werden. Bedürfnisse unterscheiden sich je Region, Unternehmensgröße und Bereich stark. Was beispielsweise in Berlin funktioniert, kann auf der Schwäbischen Alb völlig unpraktisch sein.
Prinzing: Die Mobility-Policy hat einen enormen Einfluss auf diese Themen. Ein solches Konzept aufzustellen, bedeutet für viele Unternehmen erstmal, sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Mobilität trifft viele Bereiche, wie etwa HR oder Facility Management. Die Policy wird also zum zentralen Thema des Unternehmens und fördert den internen Austausch aller Mitarbeitenden. Auch der wirtschaftliche Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Ein passendes Mobilitätskonzept senkt Kosten, steigert die Effizienz und stärkt die Arbeitgeberattraktivität. Eine durchdachte Mobility-Policy bietet also langfristigen Mehrwert und zeigt nach innen und außen, wofür das Unternehmen steht.
Live erleben können Sie Marc-Oliver Prinzing am 25. und 26. November auf der Nationalen Konferenz für Betriebliche Mobilität (NaKoBeMo) in Heidelberg.