Die Klimaanlage im Auto ist eine eigentlich unverzichtbare (Sonder-)Ausstattung. Sie ist längst nicht nur eine Frage des Komforts.
Von Sabine Neumann
Schiebedach, Klimaanlage und getönte Scheiben – so wünschen sich Dienstwagennutzer die Sommerausstattung ihres Firmenwagens. Aus Sicht des Fuhrparkmanagers fällt die Antwort auf die Frage nach der richtigen Sommerausstattung jedoch schon beim Thema Klimaanlage deutlich komplexer aus.
Auch wenn es an dieser Stelle außer Zweifel steht, dass in den meisten Car Policys eine Klimaanlage zur Grundausstattung eines Firmenwagens gehört – es ist längst nicht in jeder Branche so. Selbstverständlich ist dieses hitzesenkende Equipment aber nicht.
Gemäß § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbschG) ist der Arbeitgeber zwar verpflichtet, auch für Arbeitsplätze im Außendienst auf Kraftfahrzeugen eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Und in der muss auch auf mögliche Gefährdungen durch zu hohe Temperaturen im Fahrzeuginneren eingegangen werden.
Stellt man dabei fest, dass es in dieser Hinsicht eine gesundheitsgefährdende Belastung gibt, dann ist man nach § 3 ArbSchG verpflichtet, erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu treffen. Eine der Maßnahmen zur Vermeidung von Gesundheitsgefahren könnte also die Anschaffung von Fahrzeugen mit Klimaanlage sein.
Unter § 7 der DGUV Vorschrift 70 (bisher: BGV D 29) "Fahrzeuge", wird für Fahrzeuge mit einem geschlossenen Führerhaus aber lediglich eine Belüftung und Beheizung gefordert.
Doch ganz abgesehen von Gesetzen und Vorschriften ist es natürlich auch im eigenen Interesse, das Dienstwagennutzer möglichst fit, konzentriert und entsprechend aufmerksam mit den Fahrzeugen unterwegs sind.
Bei einer hohen Innenraumtemperatur steigt laut einer Untersuchung des TÜV jedoch das Crashrisiko signifikant an: bei 35 Grad Celsius Innentemperatur reagiert man um 20 Prozent langsamer als bei 25 Grad Celsius, etwa so, als hätte man 0,5 Promille Alkohol im Blut.
Opel-Sprecher Axel Seegers sieht nur Vorteile in der Anschaffung von Klimaanlagen und Co: "Diese Optionen tragen zur Gesundheitserhaltung, täglichen Fitness und dem Wohlbefinden bei und fördern somit die Arbeitsleistung des Mitarbeiters, als auch die Aufmerksamkeit während der Autofahrt."
Bei den flottenrelevanten Fahrzeugen Astra und Insignia gehört diese Sonderausstattung bereits ab Werk mit an Bord.
In 70 Prozent der Fälle entscheiden sich Kunden des Kompaktwagens sogar für eine Klimaautomatik (390 Euro) beziehungsweise buchen gleich das so genannte Komfort-Paket (990 Euro ab dem zweiten Ausstattungsniveau inklusive unter anderem Frontkamera, Sitzheizung, beheizbarem Lenkrad und Licht-Ausstattung) oder wählen grundsätzlich eine Linie in der die höherwertige Klimatisierung Lieferbestandteil ist. Beim Insignia liegt der Anteil bei 85 Prozent.
Autobauer wie Mercedes oder Volvo bieten ergänzend eine Drei-Zonen-Variante an, bei der auch die Reisenden im Fond ihre Temperatur selber regeln können.
Die Klimaanlage filtert auch belastende Stoffe aus der Luft heraus. Die Palette reicht von einem einfachen Innenraumfilter über den in den meisten Modellen verwendeten Partikel-/Aktivkohlefilter oder so genannten Allergiker-Filtern bis hin zu so komplexen Systemen wie dem so genannten "Volvo CleanZone" Luftreinigungssystem.
"Durch den erstmals im XC90 eingesetzten Filter dringen 70 Prozent weniger Feinstaubpartikel mit einer Größe von weniger als 0,4 Mikrometern ins Auto – ein wichtiger Schritt, denn bereits Partikel mit einer Größe von weniger als zehn Mikrometern lösen Studien zufolge eine Reihe von Gesundheitsproblemen aus, darunter Atembeschwerden und Lungenerkrankungen", erklärt Peter Mertens, Senior Vice President Research & Development Volvos.
Keine Technik kommt jedoch ohne entsprechende Wartung aus. Einige Hersteller bezeichnen Filter zwar als „wartungsfrei“, bei anderen gilt die Empfehlung den Innenraumfilter entweder nach 15.000 oder nach 30.000 Kilometern auszutauschen.
Opel liefert bei seinem Klimaanlagen-Check ein Garantie-Zertifikat mit, empfiehlt ebenfalls eine Klimaanlagenreinigung – idealerweise mit einem System namens „airco well“ von Tunap – und den Austausch des Partikelfilters gegen einen Aktivkohlefilter.
Allerdings sind Reinigung und/oder Wartung nur selten – wie beispielsweise bei Hyundai – Bestandteil des normalen Serviceumfangs, sondern muss vom Kunden gesondert beauftragt werden. Sprich, es fallen zusätzliche Kosten an.
Deren Umfang ist abhängig von den individuell vereinbarten Konditionen mit der Vertragswerkstatt. Dennoch sei in diesem Zusammenhang der Klimaanlagen-Check von Mazda erwähnt, bei dem die Anlage gegen nur 14,95 Euro auf mögliche Probleme untersucht.
Bei einer freien Werkstatt wie ATU kostet der Wechsel des Filters sowie das Auffüllen mit Klimamittel etwa 70 Euro.
Folgenden Leistungen sollten in dem Service (am besten im Frühjahr durchführen) enthalten sein:
Kleiner Tipp für die nächste Unterweisung der Dienstwagennutzer: Da Gerüche aus der Klimaanlage durch Bakterien und Pilze verursacht werden, raten die Experten in den Werkstätten von Bosch Car Service, die Anlage fünf Minuten vor dem Ende jeder Fahrt auszuschalten. Weil keine Luft mehr angesaugt wird, kann kaum Feuchtigkeit im System zurückbleiben und die Entstehung der Parasiten wird gehemmt.
Und noch ein weiterer Aspekt gilt es bei der Anschaffung von Sommerausstattung zu beachten: Leasingrate beziehungsweise Restwert. Im Allgemeinen werden Sonderausstattungen ab Werk bis auf wenige Ausnahmen bekanntermaßen immer restwertrelevant gerechnet.
Das heißt, dass die Ausstattungen immer den gleichen prozentualen Restwert wie das Fahrzeug haben. Darunter fallen auch die Klimaanlage, wärmedämmendes Glas oder ähnliches. Damit erhöhen diese Ausstattungen den Gesamtfahrzeugrestwert und haben somit auch einen Einfluss auf die Leasingrate.
Hyundai oder Opel sehen die Sache aber durchaus differenzierter:
Bleibt abschließend die Frage, wie man als Fuhrparkmanager mit Mitarbeitern umgeht, die derart spezifische Wünsche an ihr Fahrzeug haben. Fiat-Sprecher Sascha Wolfinger: "Wir empfehlen unseren Kunden unseren neuen Business Line Modelle, die sowohl ein Mehrwert bieten und gleichzeitig einen hohen Kundenvorteil beim Listenpreis und damit auch in der Versteuerung haben." So einfach kann man das Thema also auch sehen.