Die EU erwäge ab 2027 eine 75 prozentige und ab 2030 eine 100 prozentige E-Quote für Firmenflotten. Der BBM warnt vor Zwang, Infrastrukturdefiziten und Eingriffen in die Wirtschaftsfreiheit und fordert Dialog statt Reglementierung.
Laut einem Bericht der Automobilwoche erwägt die EU-Kommission, eine verbindliche Elektro-Quote von bis zu 75 Prozent ab 2027 und 100 Prozent ab 2030 für Unternehmensfuhrparks einzuführen. „Ohne Rücksicht auf Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit oder Realitätssinn“, sagt Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Betriebliche Mobilität (BBM). Dieser Vorstoß kommt einer Vorverlegung des allgemeinen Verbrenner-Verbots durch die Hintertür gleich – mit massiven Auswirkungen auf tausende Unternehmen in Europa.
Statt auf gezielte Förderung und partnerschaftliche Lösungen zu setzen, soll der Wandel zur Elektromobilität durch Reglementierung erzwungen werden. Auch wenn sich die Kommission bisher nicht konkret zu den Plänen äußert, stehen sie drohend im Raum. Dabei leisten Unternehmen bereits überproportional ihren Beitrag zur Elektrifizierung: Laut Daten von DAT und KBA entfallen heute schon weit über 60 Prozent der Elektro-Neuzulassungen auf den gewerblichen Bereich. Wer jetzt weitere Fortschritte will, muss Unternehmen unterstützen – nicht bevormunden. Sollte der EU-Plan umgesetzt werden, wäre das ein massiver Eingriff in die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit von Unternehmen ist nicht nur innovationsfeindlich, sondern auch realitätsfern. Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein der Mobilitätswende, aber kein Allheilmittel, das überall und jederzeit funktioniert. Gerade in ländlichen Regionen, bei speziellen Einsatzprofilen oder unzureichender Ladeinfrastruktur stößt sie schnell an Grenzen.
Auch von Seiten der Politik vorgeschlagene Maßnahmen wie beschleunigte Abschreibungen greifen viel zu kurz. Wer wirklich beschleunigen will, muss endlich die Ladeinfrastruktur in Unternehmen fördern und die Qualifizierung der Mobilitätsverantwortlichen ernst nehmen. Dass sich NGOs wie Transport & Environment (T&E) über zwei Millionen zusätzliche E-Autos durch die geplante Quote freuen, ist verständlich – doch wer trägt die Folgen? Einnahmeausfälle von geschätzt 7 bis 8 Milliarden Euro jährlich bei Mineralöl-, Lohn- und Umsatzsteuern sind keine Bagatelle. Dieselben Organisationen, die sonst lautstark das angebliche „Dienstwagenprivileg“ kritisieren, nehmen diese fiskalischen Folgen plötzlich billigend in Kauf – getreu dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Dass T&E für diese einseitige Sichtweise auch noch mit erheblichen EU-Mitteln gefördert wird, lässt tief blicken. Brüssel sollte lieber auf den Dialog mit der realen Wirtschaft setzen als auf ideologisch motivierte Lobbygruppen. Für eine erfolgreiche Mobilitätswende braucht es Zusammenarbeit, nicht Zwang. Der BBM steht dafür bereit. (red)