Fahrbericht

Schönling für Führungskräfte

Audis neues Viertürer-Coupé kommt mit neuem Design, neue Antrieben, neuem Interieur - und weckt Begehrlichkeiten bei Führungskräften und User-Choosern.

Mit dem ersten A7 Sportback hat Audi einst all jenen eine verlockende Offerte gemacht, denen Limousinen zu bieder, Kombi zu nutzlastig und Coupés zu wenig businesstauglich waren. Der A7 kam an, wirkte er doch schnittiger als der etwa wuchtig geratene Klassengründer Mercedes CLS. Seine führende Position im Segment hat der A7 bis heute nicht geräumt – der CLS und auch das deutlich teurere BMW 6er Gran Coupé folgen mit einigem Abstand. Da aber das bessere des guten Feind ist und ein Generationswechsel in der Baureihenfamilie Audi A6 ansteht, zu der der A7 trotz aller Marketing-Bemühungen der Ingolstädter zweifelsfrei zählt, rollt im März die zweite Generation zu den Händlern.

Exterieur: Auf den ersten Blick nur schwer vom Vorgänger zu unterscheiden

Ohne eingehende Produktkenntnis könnte es für Interessierte dort allerdings schwierig werden, den neuen A7 auf den ersten Blick zu erkennen. Denn die Silhouette gleicht vollständig der des Vorgängers. Doch laut Audi wurde kein Blechteil übernommen. Die Haube ist stärker profiliert, hat jetzt ausgeprägte Powerdomes. Die Kotflügel sind breiter und konturierter. So will man der Quattro-Technik optisch mehr Ausdruck verleihen. Und seitlich fällt das hintere Seitenfenster auf. Es läuft weiter aus als zuvor und knickt nicht mehr nach oben ab. Insgesamt steht der neue A7 breiter und sportlicher auf seinen bis zu 21 Zoll großen Rädern.

Interieur: Alles neu – und zwar vollständig und umfassend

Evolution außen, Revolution innen. Nach dem Einsteigen eröffnet sich eine neue Cockpitwelt, durch und durch digital. Schalter und Knöpfe haben bis auf ein paar Reste ausgedient. Die neue Art der Bedienung übernimmt der A7 – wie auch der im nächsten Monat präsentierte neue A6 – im Wesentlichen aus dem Flaggschiff A8. Fast alles läuft über Touchscreens oder Sprache. Auch das viele Jahre verbaute MMI-System und das kleine schwarze Pad auf der Mittelkonsole haben ausgedient. Die Zukunft heißt Wischen und Zoomen mit den Fingern, wie man es von Tablet-PC, iPad oder Smartphone gewohnt ist.

Hohes Ablenkungspotenzial – da helfen viele Fahrassistenten

Während der Fahrt allerdings erfordert jede Art der manuellen Bedienung auf den Displays eine gute Treffgenauigkeit. Und dies bedeutet in der Regel Ablenkung vom Verkehr. Aber hierzu stehen ja mehr als drei Dutzend Assistenzsysteme, gebündelt in drei Paketen, in der Preisliste. Sie übernehmen im A7 einen Großteil der stupiden Dinge wie beispielsweise Kolonnenverkehr oder Stop-and-go, helfen die Spur zu halten, lesen Verkehrsschilder, sehen im Toten Winkel, achten auf Querverkehr, erkennen Fußgänger und lösen gegebenenfalls eine Vollbremsung aus.

Fahren: Geschmeidig und komfortabel und wieder mit V6-TFSI

Man darf aber auch ganz nach altem Schema selbst fahren, selbst Gas geben, bremsen und lenken. Das geht sogar äußerst geschmeidig und komfortabel, woran mehrere Faktoren Anteil haben: eine steifere Karosserie, ein neues Fahrwerk, eine bessere Geräuschisolierung und ein wunderbarer V6-TFSI in Kombination mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. TFSI? Richtig, es gibt den A7 wieder mit einem Dreiliter-Benziner. Audi hatte dieses Aggregat im Vorgängermodell wegen zu geringer Nachfrage für den europäischen Markt im letzten Produktionsjahr eingestellt. Jetzt leistet der V6 250 kW/340 PS und liefert eine Menge Fahrspaß. Wer nicht vor einem zweistelligen Verbrauch zurückschreckt, tut sich mit diesem Motor einen großen Gefallen.

Über 80 Prozent der A7-Kunden entscheiden sich dennoch für den Diesel. Eine durchaus vernünftige Wahl, zumal der V6-TDI 210 kW/286 PS leistet und mächtige 620 Newtonmeter Drehmoment zu den Rädern schickt, dabei aber deutlich weniger verbraucht als der Benziner. Auf unserer Testfahrt waren es acht Liter. Der TFSI schafft locker zwölf.

48-Volt-Bordnetz – Hybridisierung mit Starter-Generator

Selbstverständlich bleibt es nicht bei diesen beiden Motoren, die Audi zur Markteinführung anbietet. Den Dreiliter-Diesel wird es später im Jahr einmal in schwächerer Ausprägung mit 170 kW/231 PS und in stärkerer (als Bi-Turbo) mit zirka 250 kW/340 PS geben. Ebenso zum Einsatz kommen noch Zweiliter-Vierzylinder als Diesel und Benziner. Allen Motoren gemeinsam ist die Hybridisierung. Bei den Sechszylindern übernimmt dies ein 48-Volt-Riemen-Starter-Generator (RSG). Bei den Vierzylindern ist es eine abgespeckte Version mit zwölf Volt. Der RSG ist fürs „Segeln“ und für Start-Stopp zuständig und soll helfen, rund 0,7 Liter Sprit pro 100 Kilometer zu sparen.

Mehr Radstand ergibt etwas mehr Platz

Mit einer Länge von 4,97 Metern behält der neue A7 die Größe seines Vorgängers. Dessen Radstand war allerdings drei Zentimeter kürzer, so dass die Gäste im Fond nun ein wenig mehr Platz für die Beine haben. Zusätzlich haben die Entwickler die Rücksitze ein Stück weiter hinten platziert, ohne dabei aber das Volumen des Kofferraumes zu mindern. Es bleibt bei 535 Litern. Liegen die Lehnen flach, passen bis zu 1.390 Liter unter den Heckdeckel des A7 und machen das Fließheckmodell zum Kleintransporter. Warum man allerdings den Klappmechanismus nicht, wie heute in dieser Klasse fast überall üblich, vom Kofferraum aus bedienen kann, wissen wohl nur die Audi-Ingenieure.

Stolzer Aufpreis zur Limousine

Rund 7.000 Euro. Das ist die Summe, die Kunden für den A7 gegenüber einem identisch ausgestatteten A6 aufbringen müssen. Beide Modelle teilen sich die gleiche technische Basis. Selbst die Armaturenbretter wären austauschbar. Design und Lifestyle kostet halt. Der A7 Sportback als V6-TDI beginnt bei 66.300 Euro. Für den V6-TFSI verlangt Audi mindestens 67.800 Euro. Nach oben sind wenig Grenzen gesetzt. Die Preisliste bietet eine enorme Auswahl an zusätzlichem Luxus und Komfort.

Kurzcharakteristik

Wann kommt er: März 2018

Warum: Weil der Wagen eine prima Kombination aus Eleganz, Sportlichkeit und Funktionalität bildet.

Warum nicht: Weil man Autos mit kleinem Kofferraumdeckel generell nicht mag.

Was sonst: Mercedes CLS, BMW Sechser Gran Coupé, BMW Sechser GT.

Was kommt noch: 2018 sollen noch der 2.0 TFSI und 2.0 TDI sowie der V6-Diesel mit 170 und 250 kW folgen. 2019 ist mit einem Plug-in-Hybrid zu rechnen. Audi Sport wird erneut einen S7 und RS7 auf die Räder stellen.

Malte Dringenberg / SP-X

Technische Daten:

  • Fünftürige, fünfsitzige Fließhecklimousine mit Allradantrieb

  • Länge: 4,97 Meter

  • Breite: 1,91 Meter

  • Höhe: 1,42 Meter

  • Radstand: 2,93 Meter

  • Kofferraumvolumen: 535 bis 1.390 Liter

3,0-Liter-Sechszylinder-Turbobenziner (TFSI)

  • Leistung: 250 kW/340 PS

  • Maximales Drehmoment: 500 Nm bei 1.370-4.500 U/min

  • Beschleunigung 0-100 km/h: 5,3 s

  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

  • Durchschnittsverbrauch: 6,8 l/100 km

  • CO2-Ausstoß: 154 g/km

  • Abgasnorm: Euro 6

  • Preis: ab 67.800 Euro

3,0-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel (TDI)

  • Leistung: 210 kW/286 PS

  • Maximales Drehmoment: 620 Nm bei 2.250-3.000 U/min

  • Beschleunigung 0-100 km/h: 5,7 s

  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

  • Durchschnittsverbrauch: 5,5 l/100 km

  • CO2-Ausstoß: 142 g/km

  • Abgasnorm: Euro 6

  • Preis: ab 66.300 Euro

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