Foto: © OMV Aktiengesellschaft

Tankkarten

Tankkarten für den Fuhrpark

Die Tankkarte – unverzichtbares Instrument in den meisten Firmen-Fuhrparks.

Inhaltsverzeichnis

von Frank Jung

Mit diesen Karten kann man fast nicht verlieren – Skat-Freunde würden es wohl als „Oma-Blatt“ bezeichnen. Aber es geht hier nicht um einen Grand mit Vieren und Pik-Flöte, es geht um Tankkarten. In den meisten Fuhrparks dürften sie längst ein unverzichtbares Instrument geworden sein.

Wozu Tankkarten im Fuhrpark?

Denn sie vereinfachen nicht allein die regelmäßigen Tankstopps für den Mitarbeiter im Dienstwagen, auch die Buchhaltung wird sich glücklich schätzen, wenn sie sich nicht durch Berge von Tankquittungen kämpfen muss, sondern bereits fein säuberliche Abrechnungen von den Kartenanbietern bekommt. Und nicht nur dies. Da die meisten Tankkarten-Anbieter außergewöhnlich hohe Durchschnittsverbräuche, die sogenannten Ausreißer, aufzeigen, wird auch eine missbräuchliche Verwendung der Karte deutlich erschwert. Kleines Beispiel: Das Oberlandesgericht Celle hatte einen Fall zu behandeln, bei dem sechs Angestellte eines Transportunternehmens mit den ihnen vom Unternehmen überlassenen Tankkarten fremde Lkw betankt und dafür von den jeweiligen Fahrern Geld bekommen. Anschließend reichten sie die Tankbelege bei ihrem Arbeitgeber ein, dem dadurch ein Schaden von insgesamt rund 37.500 Euro entstanden war. Mit Ausreißer-Funktion und einem aufmerksamen Fuhrparkmanager wäre es mit einiger Sicherheit nicht zu einem Schaden in dieser Höhe gekommen. Und inzwischen sind die Systeme so präzise, dass auch die zusätzliche Betankung des privaten Zweitwagens auffallen dürfte.

Was leisten Tankkarten?

Eieieiei – hier schwächelt das Online-Lexikon Wikipedia aber gewaltig: Wer dort den Begriff „Tankkarte“ eingibt, wird sofort zu „Flottenkarte“ weitergeleitet und findet dort lediglich ein paar dünne Zeilen. Nichts über das inzwischen so breite Leistungsspektrum.

Dies kann außer dem Bezug von Kraft- und Schmierstoffen sowie dem Einkauf im Tankstellenshop je nach Anbieter inzwischen folgende Services beinhalten:

  • Flexible Leistungsstufen

  • Tagesfestpreis für Kraftstoff

  • Ständiger Zugang zu aktuellen Kraftstoffpreisen

  • Strombezug

  • Tankkartenmanagement via Internet

  • 24h-Zugriff auf alle wichtigen Daten

  • Ausreißer-Reports

  • Online Auswertungen

  • Kartenverwaltung

  • Fahrer PIN für Flotten mit wechselnden Fahrern

  • Automatisierte Überwachung mit individuell festgelegten Kriterien

  • Benachrichtigung von Verstößen per SMS oder E-Mail

  • Verwaltung der Tankkartenlimits und Produktkategorie-Einstellungen

  • Kraftstoff-Verbrauchsanalyse

  • Elektronischer Rechnungsservice

  • Elektronische Transaktionsdaten

  • Apps für Handy und Tablet

  • Mobilitätsservice

  • Pannen- und Unfallhilfe

  • Zugang zu Parkhäusern

  • Elektronische Führerscheinkontrolle

  • Tunnel-, Maut- und Fährgebühren

  • Werkstatt- und Reifenservice

  • Teilnahme am Payback-System

  • Mehrwertsteuer- und Mineralölsteuer-Rückerstattungsservice

  • Summierung nach Kostenstellen

Welches sind die Voraussetzungen?

Der Unterschied zur privaten Tankkarte besteht meist darin, dass für die Flottenkarte eine gewerbliche Zulassung der Fahrzeuge gefordert wird. Darüber hinaus gibt es in den meisten Fällen eine Mindestabnahmemenge für Kraftstoff und der Mineralölanbieter behält sich vor, die Bonität seiner Kunden überprüfen zu lassen.

Welches sind die Vorteile und Nachteile für Mitarbeiter und Fuhrparkmanager?

Auch wenn sich das mit der Tankkarte verbundene Leistungsspektrum in den letzten Jahren immens erweitert hat, wie wir eben gesehen haben, so sind die Vor- und Nachteile der Plastikkärtchen weitgehend die gleichen geblieben. Halt, dies stimmt so nicht, denn die Nachteile aus der Anfangszeit, die vor allem in mangelnder Sicherheit lagen, sind inzwischen weitgehend ausgeräumt. Auch die Vorteile müssen an dieser Stelle nicht noch groß erörtert werden, denn das oben genannte Leistungsspektrum zeigt ganz deutlich auf, welche Erleichterung der Arbeit von Fuhrparkmanager und Verwaltung sich daraus ergibt.

Was geschieht bei Missbrauch der Tankkarte?

Ein Nachteil trotz inzwischen so genauer Ausreißer-Analysen bleibt natürlich die Fremdbetankung. Hier sollte man seine Mitarbeitern ganz ohne pauschale Vorverurteilung ruhig einmal die Konsequenzen vor Augen führen: Ist einem Firmenwagennutzer die missbräuchliche Nutzung seiner Tankkarte nachweisbar, so hat dieser in der Regel mit arbeitsrechtlichen, aber auch mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Die arbeitsrechtlichen Folgen sind bereits seit Jahren höchstrichterlich durch das Bundesarbeitsgericht (BAG) geklärt. Da es sich bei der Betankung von Privatfahrzeugen um ein zum Nachteil des Arbeitgebers begangenes Vermögensdelikt handelt, ist eine außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses gerechtfertigt. Eine vorherige Abmahnung ist nicht erforderlich. Dies entschied bereits das BAG am 17.Mai 1984 (2 AZR 3/83).

Welches sind die Anbieter?

Wer geglaubt hätte, der Markt für Tankkarten wäre eine relativ statische Angelegenheit, der täuscht sich gewaltig. Gerade bei den doch oft sehr spezifischen Angeboten für Fuhrparks ist immer Bewegung im Spiel. Wer die Entwicklung in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, dem wird diese Dynamik nicht verborgen geblieben sein. Da kommen zum Beispiel neue Anbieter ins Spiel, wie vor kurzem erst UTA, den man zuvor nur bei den Lkws auf dem Zettel hatte. Und das geht natürlich weiter bei immer ausgefeilteren Angeboten, die wir ja bereits erwähnt hatten.

Dies sind aktuell die Anbieter auf dem Markt für Tankkarten:

  • Aral

  • Avia

  • DKV

  • Eni (Agip)

  • Esso (Wex)

  • HEM

  • Jet

  • Logpay

  • Novofleet

  • Oil

  • OMV

  • Orlen (Star)

  • Shell

  • Total

  • UTA

  • Westfalen

Eine Übersicht zu den aktuellen Leistungen der einzelnen Anbieter finden sie hier

Wie sollte man vorgehen?

Wie viele anderen Dienstleistungen im Fuhrpark auch sind Tankkarten ein klassischer Fall für eine Ausschreibung. Zur ersten Orientierung des Marktes und Sondierung des Leistungsspektrums der einzelnen Anbieter dient unsere Übersicht LINK ZU TABS AUS 1-2 2018. Hat man die infrage kommenden Kandidaten eingegrenzt, so darf man je nach Fuhrparkgröße auch seine eigene ganz besonderen Anforderungen in das Pflichtenheft packen. Führen Sie mehrere Gespräche – eine Möglichkeit dazu bietet zum Beispiel auch das bfp-FORUM am Nürburgring. Binden Sie sich nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag an einen Partner, auch wenn Sie mit ihm zufrieden sind, sondern stellen Sie ihn und seine Leistungen regelmäßig dem Wettbewerb. Denn – auch dies haben wir schon gehört – der Markt hat sich in der Vergangenheit als äußerst dynamisch erwiesen: „Wie, dein Tankkartendienstleister überprüft auch Führerscheine???“ – hättest du dich mal genauer informiert….

Diskutieren Sie das Thema hier im bfp fuhrpark & management circle auf Xing mit uns!

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