Foto: Daimler AG

Zukunft des Autofahrens

Teil 4: Wer baut was?

Vor wenigen Wochen hat General Motors mit einem beschleunigten Zeitplan angekündigt, wann man mit autonom fahrenden Robocabs auf den Markt kommen will.

Die Rede ist jetzt von 2019. GM hatte bereits 2016 das Roboterwagen-Startup Cruise Automation übernommen und gibt nun Vollgas. Man erwartet einen riesigen Markt von mehreren hundert Milliarden Dollar bis zum Jahr 2025 und will deshalb ganz früh dabei sein. Der GM-Finanzchef prognostiziert Gewinnspannen von 20 bis 30 Prozent, also deutlich mehr als bei aktuellen Modellen. Zur Entwicklung und Erprobung nutzt GM über 50 rein elektrische betriebene Chevrolet Bolt EV, die auf ihrem Dach Kameras und Sensoren tragen.

VW zeigt bereits ein City-Taxi ohne Fahrer

Während GM zum Design und zur Technik seines künftigen Robocabs noch nichts verrät, hat Volkswagen bereits eine Studie vorgestellt. Der Sedric („Self Drinving Car) hatte auf dem Genfer Automobilsalon Anfang 2017 Premiere. VW bezeichnet die Kiste auf Rädern als „konkreten Ausblick“ zum autonomen Fahren auf Level 5. Der Sedric fährt also auch ganz allein, sprich leer ohne Passagiere, und natürlich vollelektrisch. Als Basis nutzt er den modularen Elektrobaukasten (MEB). Ab 2021 erwartet VW die ersten selbstfahrenden Mobile auf den Straßen der großen Metropolen.

Billiger unterwegs dank Autonomem Fahren?

Eine weitere Robo-Taxi-Studie aus Deutschland zeigte Daimler mit dem Smart vision EQ fortwo auf der IAA im Herbst 2017. Der elektrische Zweisitzer soll autonom auf Level 5 fahren und steht für einen interessanten Carsharing-Ansatz. Im Gegensatz zu aktuellen Autos aus der car2go-Flotte muss der Kunde kein freies Fahrzeug suchen, sondern der vision EQ findet selbstständig den Fahrer, der via Smartphone seinen Bedarf gemeldet hat. Bei ausreichender Stückzahl und Nutzung werden solche Robocabs, die quasi ständig im Einsatz sind, die Parkplatzsituation in Städten spürbar verbessern. Zum Termin der Realisierung heißt es: „Mit der nötigen intelligenten Infrastruktur rücken solche Konzepte in greifbare Nähe“.

Die Verkehrsleitzentrale schwebt in der Cloud

Eine „intelligente Infrastruktur“ wird möglicherweise für alle künftigen Robo-Taxis, egal von welchem Hersteller, eine zwingende Voraussetzung. Auch die Entwickler des autonomen Fahrens bei Audi sprechen von einer „Car-to-Infrastructure“-Kommunikation, die ähnlich einer Flugüberwachung, wie wir sie heute aus der Luftfahrt kennen, für eine Zuordnung des Verkehrsraums und für eine Warnung bei drohenden Gefahren sorgt. So könnten Robo-Taxis von außen gesteuert Verkehrsstörungen umfahren und Staus aktiv vermeiden bevor sie überhaupt entstehen. Forscher im Bereich der Künstlichen Intelligenz sehen eine solche Infrastruktur nicht in einer Verkehrsleitzentrale, sondern eher in einer Art Cloud. Enorme Rechnerleistungen machen dann jedes einzelne Fahrzeug zum selbstlernenden und frei kommunizierenden Teil eines Schwarms, eines intelligenten Schwarms.

Auch chinesische Hersteller drängen in den neuen Markt

Aktuellster Beitrag zum Thema Mini-Taxis ist der Reds EV Prototype von Redspace. Die Marke gehört zur chinesischen Hi-Tech Group Corporation, die unter anderem elektrische Nutzfahrzeuge baut. Der Reds kommt aus dem Studio des ehemaligen BMW Design-Chefs Chris Bangle. Er ist kaum länger als ein Smart und wird noch als viersitziger BEV (Batteriebetriebenes Elektrofahrzeug) zum Selbstfahren vorgestellt. Doch offensichtlich haben die Macher des Reds bereits an den Einsatz als autonomes Fahrzeug gedacht, denn sie sprechen davon, dass das ultrakompakte City-Format natürlich für den Einsatz als selbstfahrendes Mobil sinnvoll ist.

Daten-Sammler könnten kostenlose Robo-Taxis anbieten

Ganz gleich welcher Hersteller in den nächsten Jahren das erste Robo-Taxi bringt, der Zeit- und Wettbewerbsdruck sind riesig. Branchenkenner prophezeien schon jetzt einen intensiven Preiskampf, der die Old-School-Industrie überraschen und aushebeln könnte. Ein kleiner elektrischer Zwei- bis Viersitzer mit Radnabenmotoren, einer Höchstgeschwindigkeit von 80 bis 100 km/h sowie einer Reichweite von rund 200 Kilometer muss nicht teuer sein. Vielleicht bleibt der Preis sogar deutlich unter 10.000 Euro. Oder möglicherweise platziert ein Internet-Riese seine Robo-Taxis kostenfrei in den Innenstädten, weil er so an die Daten der Nutzer kommt, die dann natürlich während der Fahrt via Display mit Werbespots gefüttert werden.

(Thomas Wüsten/AutoAmbition)

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