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Mobilität

Vernetzt, informiert und effektiv

Die Mobilität der Zukunft ist digital vernetzt: Passgenaue Lösungen werden helfen, die Effizienz von Verkehrs- und Logistikprozessen zu erhöhen.

Inhaltsverzeichnis

von Wolfgang Schäffer

Immer mehr Fuhrparkbetreiber machen sich Gedanken über nachhaltige Mobilität, die sie über Vernetzung, Elektromobilität oder auch Carsharing umsetzen wollen. Und das ist keine so ferne Zukunftsvision: Moderne Fahrerassistenzsysteme unterstützen das Fahren schon heute. Sie helfen etwa beim Abbiegen, beim Spurhalten, bei Notbremsungen, bei Nachtfahrten oder Müdigkeit, sorgen so für ein deutliches Plus an Sicherheit. Navigationssysteme sind inzwischen so weit entwickelt, dass sie Verkehrslageinformationen in Echtzeit für angepasste Routenempfehlungen nutzen. Das spart Zeit - wichtig für Vielfahrer, um Termine einhalten oder Ware so pünktlich wie möglich liefern zu können. Mit der fortschreitenden Kommunikation der Fahrzeuge untereinander (Car2Car), mit der Infrastruktur und Informationsanbietern (Car2X oder V2X bei einer Vernetzung über Funktechnologie, die auf dem heutigen W-Lan-Standard aufbaut) werden weitere Sicherheits- und Komfortfunktionen im Angebot sein.

Wer kommuniziert mit wem?

Fahrzeuge kommunizieren künftig also wechselseitig mit Ampeln, Verkehrszeichen, Verkehrszentralen und anderen Verkehrsteilnehmern. In Echtzeit sind so Warnungen vor Gefahrenquellen (Glatteis, Stauende, Hindernisse auf der Fahrbahn) möglich. Die so optimierten Informationen über das Verkehrsaufkommen, verbunden mit zuverlässigen Prognosen, machen es möglich, Staus besser zu umfahren. Car2Car-Kommunikationstechnologien zeigen auf Autobahnen schon dann eine staureduzierende Wirkung, wenn nur 15 Prozent aller Fahrzeuge damit ausgestattet seien. Bei einem Ausstattungsgrad von 30 Prozent könne das Maximum an Effektivität erreicht werden. Diese Schwarmintelligenz können einen Beitrag zur Optimierung von Verkehrsflüssen leisten: 20 Prozent der Staus, die durch Überlastung entstehen, könnten in Zukunft so verhindert werden – davon geht der Stauforscher Michael Schreckenberg aus.

Wie suche ich einen Parkplatz?

Selbst die Suche nach freien Parkplätzen ist machbar. Hier läuft bei BMW im Rahmen der Real Time Traffic Information bereits das Projekt On-Street-Parking. Mit Echtzeit-Informationen wird dabei außer dem staufreien Fahren auch das gezielte Suchen nach einem Stellplatz in innerstädtischen Ballungsräumen unterstützt. Der inzwischen für alle aktuellen BMW-Modelle verfügbare digitale Service On-Street-Parking-Information nutzt ebenfalls intelligente Vernetzung, um aus aktuellen und historischen Daten die Wahrscheinlichkeit eines freien Stellplatzes am Straßenrand zu errechnen. Dieser Service steht in einer permanent wachsenden Zahl von Städten zur Verfügung. Seit Juli 2017 sind das in Österreich Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg sowie in den Niederlanden Amsterdam, Rotterdam und Utrecht.

Wer macht die ersten Schritte?

Zudem baut der Autobauer aus München das Konnektivitätsangebot seiner Fahrzeuge weiter aus. „Car Data“ heißt ein neuer Service für Kunden der Marke. BMW-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer sagt dazu: „Unsere BMW Connected-Drive-Kunden können künftig neue, innovative und maßgeschneiderte Services von Dritten schnell und problemlos in Anspruch nehmen. Der Schutz der Fahrzeugdaten gehört dabei zu unserem Verständnis von Premium beim hochvernetzten Fahrzeug. Damit geben wir den Kunden die Möglichkeit zu entscheiden, was mit den Daten passiert.“ Um BMW Car Data nutzen zu können, ist ein BMW mit eingebauter SIM-Karte erforderlich. Derzeit erfüllen etwa 8,5 Millionen Fahrzeuge der Marke diese Voraussetzung. Wenn der Kunde im Connected-Drive-Portal seinen BMW registriert hat, kann er künftig auch ohne zusätzliche Kosten BMW Car Data nutzen.

Das System greift dabei auf vom Fahrzeug erzeugte Daten zu. Das sind zum Beispiel Zustandsdaten, wie der Kilometerstand, nutzungsbasierte Daten, wie der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch, oder Ereignis-Daten, wie ein automatischer Service-Call. Ein Teil davon wird in Form von sogenannten Telematik-Daten verschlüsselt über die fest eingebaute Sim-Karte ausschließlich an sichere BMW-Server übertragen. Von dort aus können Service-Anbieter nach Einwilligung des Kunden diejenigen Daten verschlüsselt beziehen, die sie für bestimmte Dienstleistungen benötigen.

Service-Anbieter, zum Beispiel Werkstätten, Versicherungen oder Flottenmanager, können sich - gegen ein Entgelt - bei BMW Car Data registrieren. Sofern der Kunde eine bestimmte Dienstleistung in Anspruch nehmen will und der Weitergabe seiner Telematik-Daten aktiv zugestimmt hat, erhalten die anfragenden Unternehmen die für die Dienstleistung notwendigen Daten verschlüsselt über das sichere Backend bei BMW. Auf Basis dieser Informationen sind maßgeschneiderte, datenbasierte und innovative Service-Angebote möglich. Die BMW Group ist den Worten Schwarzenbauers zufolge der erste Automobilkonzern, der diesen Service einführt und damit schon heute im Sinne der für 2018 geplanten EU-Datenschutz-Grundverordnung handelt.

Was macht Mercedes?

Mercedes hat seit April dieses Jahres eine neue Konnektivitätsdienstleistung für Unternehmensfuhrparks im Angebot. „Mit dem neuen Angebot Connect Business adressieren wir in Ergänzung zu den bekannten Mercedes Me-Connect-Diensten das Segment der Flotten- und Geschäftskunden und rücken deren spezifische Anforderungen in den Mittelpunkt“, sagt Franz Reiner, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Bank und im Vorstand von Daimler Financial Services, wo die eigens gegründete Mercedes-Benz Connectivity Services GmbH angesiedelt ist.

Fuhrparkmanager können ihre Flotte im webbasierten Connect-Business-Portal verwalten und erhalten einen detaillierten Überblick über alle relevanten Fuhrparkparameter. Mithilfe von intelligenten Analyse- und Reporting-Tools rund um die statischen und dynamischen Fahrzeugdaten könnten die Fahrzeuge bedarfsgerecht statt modellbezogen gesteuert werden. So seien beispielsweise Wartungsarbeiten vorausschauend zu planen, um Ausfallzeiten zu reduzieren. Connect Business biete Karten- und GPS-basierte Funktionen an, die ein effizientes Einsatz- und Auftragsmanagement ermöglichen. Geographische Bereiche können mittels sogenanntem „Geofencing“ abgesteckt werden. Die App für Android und iOS gehört zum Dienst Digital Driver’s Log und kann parallel zur bestehenden Mercedes-Me-App genutzt werden. Der Dienst biete Fahrern ein automatisiertes digitales Fahrtenbuch und schütze die Privatsphäre der Nutzer, indem diese jederzeit in den Privatfahrtmodus wechseln können. Während im privaten Modus keine Positionsdaten übertragen werden, erhält der Fuhrparkmanager bei geschäftlichen Fahrten eine höhere Transparenz.

Was ist p-W-Lan von Volkswagen?

Die Marke Volkswagen – und damit sicher nach und nach auch alle Konzerntöchter - lässt in Zukunft an ebenfalls die Fahrzeuge untereinander kommunizieren. Deshalb wird 2019, dem Einführungsjahr des Golf VIII, eine Volumen-Modellreihe serienmäßig mit p-W-Lan als weitere Kommunikationstechnologie ausgestattet. P-W-Lan hat die Autoindustrie standardisiert und in internationalen Märkten getestet. Herstellerübergreifend sollen so ausgewählte verkehrsrelevante Informationen entweder von Fahrzeug zu Fahrzeug oder zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktrur ausgetauscht werden. Der Datentransfer läuft innerhalb von Millisekunden mit dem direkten Umfeld, so dass der Erfassungsbereich der Fahrzeuge um mehrere hundert Meter vergrößert wird.

Das System kann innerhalb der Systemgrenzen erkennen, ob es potentielle Gefahren im Verkehr gibt - etwa dann, wenn ein Auto eine Notbremsung vornimmt oder die Sensorik des Fahrzeugs eine glatte Straße erkennt. Innerhalb von wenigen Millisekunden können diese Informationen an die Umgebung weitergegeben werden, so dass andere Verkehrsteilnehmer auf diese riskanten Situationen angemessen reagieren können.

Da die Wirksamkeit durch eine Vielzahl von Nutzern steigt, ist Volkswagen in Projekten mit Behörden, Verkehrsministerien und Partnern der Automobil- und Verkehrsindustrie aktiv, um die Verbreitung der Technologie bis zur Serieneinführung weiter zu steigern. So sollen auch Baustellenfahrzeuge, Rettungswagen, Pannendienste, Polizei und Feuerwehr mit dieser Technik ausgestattet werden. Johannes Neft, Leiter der Aufbauentwicklung bei VW Pkw sagte dazu kürzlich in einem Interview: „Wichtig ist eine im Markt durchgängig eingesetzte Technologie, die von so vielen Herstellern und Partnern wie möglich eingesetzt wird.“

Wer arbeitet noch an der vernetzten Mobilität?

Aber es sind nicht nur die Autokonzerne, die sich intensiv um die Vernetzung der Fahrzeuge bemühen. Telematik-Unternehmen oder Fullservice-Leasinganbieter arbeiten schon seit langer Zeit an dieser Thematik und bieten gerade für Flottenkunden die unterschiedlichsten Pakete an. Zeitgemäße Mobilität dreht sich um weit mehr als nur um klassische Dienstwagen. Gefragt sind flexible Angebote, die auch andere Mobilitätsoptionen mit einbeziehen oder Mitarbeiter ohne Dienstwagenberechtigung zur Verfügung gestellt werden können.

Fuhrparkmanager profitieren von vernetzten Lösungen, da sie dadurch den administrativen Aufwand reduzieren, die Flotte gleichwohl zielgenauer und effizienter steuern können. Das bedeutet auch, alle zur Verfügung stehenden Mobilitätskonzepte in die Planungen einzubeziehen, sie möglichst geschickt miteinander zu kombinieren. Flugzeug, Zug, Schiff, Lkw, Transporter, Pkw, Lastenfahrrad oder in noch etwas entfernterer Zukunft der Lieferroboter und die Drohne sind bei einer bestmöglichen Vernetzung logistisch immer besser zu verzahnen. Das ist ebenso ökonomisch wie ökologisch.

Dass die fortschreitende Digitalisierung der maßgebliche Treiber ist, um die logistischen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, daran besteht kein Zweifel. Wichtig aber bei allen Entwicklungen ist, die Datensicherheit und den Datenschutz des Einzelnen zu gewährleisten. Nur so kann auf Dauer Vertrauen in die digitale Vernetzung der mobilen Welt geschaffen werden.

Die Verbesserung des Verkehrsflusses senkt die Emissionen deutlich. Dies gilt sowohl für den Individualverkehr als auch für den Güterverkehr. Ein zusätzlicher volkswirtschaftlicher Nutzen für Deutschland von 4,9 Milliarden Euro pro Jahr wird nach einem Bericht des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) erwartet (Effizienzgewinne, geringere Umweltbelastungen). Eine bessere Prozesstransparenz ermöglicht es, Störungen in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Darüber hinaus können die gesammelten Daten genutzt werden, um vorausschauend Prozesse vom Versand bis zur finalen Auslieferung zu optimieren.

Mobilität kann so noch sicherer werden. Prognosen zufolge können durch neue Technik und Vernetzung jährlich bis zu 6,5 Milliarden Euro der volkswirtschaftlichen Kosten von Verkehrsunfällen vermieden werden. Weniger Unfälle zahlen sich auch in den einzelnen Unternehmen gleich vielfältig aus. Nicht nur, dass es Einsparungen bei den Reparatur- und -Ausfallkosten der Fahrzeuge gibt. Vor allem auch die Mitarbeiter sind am Arbeitsplatz Auto sicherer unterwegs und sind einem geringeren Verletzungsrisiko ausgesetzt. Damit kommen sie vermutlich entspannter beim Kunden an und sind dort leistungsfähiger.

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