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Vorteile für Fuhrparkmanager

Wie sich mit Telematik Kosten und Zeit sparen lassen

Über Telematik wird schon seit vielen Jahren diskutiert. Jetzt aber erlebt das Thema durch die fortschreitende Digitalisierung eine ganz neue Dynamik.

Inhaltsverzeichnis

Von Alfons Wolf

Big Data, Digitalisierung, Telematik: Drei Begriffe, die bei nahezu jedem Fuhrparkverantwortlichen auf der Agenda stehen – kombiniert mit Datenschutz und dem neuen Schreckgespenst – der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die Ende Mai in Kraft tritt. Leuchtende Augen sind zu sehen, wenn man Flottenmanager über die Möglichkeiten und potenziellen Einsparungen berichten hört.

„Moderne Kraftfahrzeuge sind fast rollende Computer mit weit mehr als 50 Steuergeräten und einer Rechnerleistung von 20 hochmodernen PCs“, sagte Michael Velte, Vorstandsvorsitzender des Verbands markenunabhängiger Fuhrparkmanagementgesellschaften, schon vor ein paar Jahren bei der Vorstellung der VMF-Telematikstudie.

Telematik: vier Erfolgsfaktoren

Das ist heute nicht anders. Es sei die große Herausforderung, die daraus gesammelten Datenmengen zum Nutzen aller Beteiligten zu verwenden. Velte fasste als Ergebnis der Studie, die das Fraunhofer Institut im Auftrag des VMF durchgeführt hatte, vier Erfolgsfaktoren zusammen, die durch den Ausbau der Telematik nutzbar würden: Sicherheit des Fahrens, innovative Fahrerservices, höhere Wirtschaftlichkeit und neue Fuhrparkservices.

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Etwas Kritik wird laut, wenn es um die unüberschaubare Vielfalt der Anbieter und die fehlende Systemkonformität vieler Telematikangebote geht. Es seien oft hervorragende Einzellösungen, die aber mit anderen Systemen nicht kompatibel, also nicht zu koppeln seien, kritisiert ein Entscheider.

Wie viele Fuhrparks setzen Telematik ein?

Bis zum Jahr 2020 sollen 90 Prozent der Fahrzeuge, die mit einer entsprechenden Plattform ausgerüstet sind, vernetzt sein. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Untersuchung von Machina Research vor drei Jahren. 2015 lag der Ist-Stand bei weniger als 10 Prozent. Da hat sich etwas getan, allerdings ist die Durchdringung noch weit von 90 Prozent entfernt.

Die Investitionsanstrengungen der Unternehmen sind bei dem Thema ungleich verteilt: Während fast die Hälfte der Großflotten ab 100 Fahrzeugen Telematik einsetzt, sind es bei kleineren Flotten nur gut 10 Prozent.

„Bessere Disposition der Fahrzeuge“

Marc Möller, Leiter Vertriebsaußendienst Deutsche Bahn Connect GmbH, ist überzeugt vom Nutzen der Dienste: „Telematikanwendungen können den Fuhrparkverantwortlichen wichtige Informationen bereitstellen, mit denen sie ihren Fahrzeugpool effizienter steuern und die Kosten optimieren können. Hierzu gehört nicht nur die bessere Disposition der Fahrzeuge, sondern auch eine schnelle Information zu Schäden am Fahrzeug und deren Ausmaß sowie die Aufzeichnung der Fahrten in Form eines elektronischen Fahrtenbuchs.“ Durch die Fahrtenbücher könnten Vielfahrer mit einem hohen Anteil an dienstlichen Fahrten beispielsweise mehr als 5.000 Euro im Jahr gegenüber der Ein-Prozent-Versteuerung einsparen.

„Car Policy der Fahrzeugflotte optimieren“

Matteo Carlesso, Geschäftsführer von Car Mobility, ergänzt: „Mit verschiedenen Telematikfunktionen und der daraus resultierenden Transparenz können Flottenleiter unnötige Standzeiten und Kosten reduzieren und die Car Policy der Fahrzeugflotte optimieren.“ Außerdem weist er auf die Entwicklungsperspektiven der Fuhrparks hin, denn auf Basis einer Echtzeit-Fahrtenanalyse lässt sich auch herausfinden, ob sich Elektrofahrzeuge in den Fuhrpark integrieren lassen.

Dank Telematik immer mit richtigem Reifendruck unterwegs

Ein sehr praktisches Anwendungsbeispiel der Telematik ist der Reifendruck: Dieser wird vom Nutzer nicht selten nur nachlässig geprüft. Eine automatische Meldung an das System bei falschem Reifendruck kompensiert dieses Versäumnis und verhindert damit einen erhöhten Spritverbrauch: Das sind nach Angaben des TÜV Süd bei 0,2 Bar zu geringem Druck bis zu fünf Prozent Sprit im Stadtverkehr; 0,5 Bar kosten schon einen Liter pro 100 Kilometer und gefährden zudem die Sicherheit bei höheren Geschwindigkeiten.

In die gleiche Richtung – sprich Fuhrparkkostensenkung – denkt Sixt Leasing: Dort stehen Telematik-basierte Fahrzeugortung, Negativbeschleunigungsmessung und Risikoprofileinschätzung der Fahrer hoch im Kurs.

Der Geschäftsführer der ALD Auto Leasing und Vorstandsmitglied des VMF, Karsten Rösel, sieht auch die Verwaltung von Wartungs- und Reparaturarbeiten oder die Stilllegung des Fahrzeugs bei Diebstahlverdacht als sehr nützliche Unterstützung bei der Fuhrparkverwaltung.

Die Telematik hilft aber nicht nur, wenn das Fahrzeug schon gestohlen ist, sondern wirkt allein schon durch ihren flächendeckenden Einsatz abschreckend.

Aber auch für ganz andere Unternehmensbereiche kann die Telematik nützlich sein: Mittels der Ortung kann das System eine Besuchszeit beim Kunden automatisch eintragen und abrechnen. In diesem Falle wäre es eine Unterstützung des Vertriebs und nicht des Fuhrparkmanagements.

Gründe für die Nutzung von Telematik gibt es viele. Ihre von den Fuhrparkmanagern zugemessene Relevanz zeigt aber deutliche Unterschiede in Europa.

Telematik: Status quo in Deutschland und Europa

Vorreiter bei der Verbreitung der Telematik ist das technikaffine Deutschland nicht. So sieht Vinzenz Pflanz, Senior Vice President Group Sales bei der Sixt SE, zwar, dass Telematiklösungen in der Bundesrepublik eine wachsende Rolle im Fuhrparkmanagement spielen, aber er bemerkt dazu auch: „Bei schweren Lkw sind diese Systeme bereits voll etabliert, in der Serviceflotte halten sie sukzessive Einzug. Im europäischen Ausland, insbesondere in Zentral- und Osteuropa, sind hier bereits zahlreiche Flotten leichter Nutzfahrzeuge eingedeckt.“

Das hat sicherlich auch mit der geringeren Aufgeschlossenheit der deutschen Fuhrparkmanager zu tun, von denen nur 17 Prozent Kostensenkungspotenzial in der Technik sehen. Bei ihren Kollegen im europäischen Ausland sind es hingegen stolze 38 Prozent.

Datensicherheit und Datenschutz: verschiedene Konzepte

Gründe für die Vorbehalte kann man im hohen Anteil der in Deutschland auch privat genutzten Dienstwagen sehen. Nutzer und Betriebsräte wehren sich oft gegen die Datenaufzeichnung. Ähnliche Reserviertheit findet sich aber auch bei neuen Antrieben und beim autonomen Fahren.

So ist es nur verständlich, dass Marc Möller von der Deutsche Bahn Connect ausführt, dass beim Einsatz von Telematikanwendungen dem Datenschutz und der Datensicherheit höchste Priorität zukommt. Niels Rathsmann, Director of Sales und Mitglied der Geschäftsleitung von Enterprise in Deutschland, unterstreicht, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen und Fragestellungen im Hinblick auf Datenschutz und Datenhoheit vollständig geklärt sein müssen, um schließlich wertvolle Effizienzsteigerungen zu erreichen.

Das Telematiksystem von Car Mobility packt dieses Problem mit einer skalierbaren Konsenslösung an: Fuhrparkmanager, Fahrer und die Arbeitnehmervertretung können gemeinsam entscheiden, wer in welcher Detailtiefe Informationen über Kraftstoffverbrauch, Fahrstil oder Ort des Fahrzeugs einsehen kann.

Eine andere Lösung besteht darin, dass den Fahrern ihre Datenhoheit dadurch belassen wird, dass sie die übermittelten Daten selbst freigeben oder auf Privatfahrt umstellen können. Schon heute lohnt sich vorsichtiges Fahren bei den Versicherungen: Wer bereit ist, seine Daten anonymisiert an diese zu übermitteln, und entsprechend fährt, erhält je nach erreichtem Score vorteilhaftere Prämienmodelle. Das Risikoprinzip schafft damit Kostensenkung und Gerechtigkeit.

Telematiksysteme wie eCall können Leben retten

Bei allen Vorbehalten wird aber leicht übersehen, dass in Zukunft die Telematik dem Fahrer vielleicht sogar das Leben retten könnte: Sie kann Notfallmanagementsysteme aktivieren, die im Fall eines Unfalls die Initiative ergreifen, das Fahrzeug lokalisieren und mit diesen Daten die Rettungskräfte herbeirufen. Das Notrufsystem eCall ist seit April 2018 Pflicht bei jeder neuen Typzulassung; es muss in der Europäischen Union also spätestens verbaut sein, wenn ein neues Modell zugelassen werden soll. Und zwar unabhängig von Hersteller, Modell oder Preisklasse.

„Für uns bedeutet eCall, dass wir unserer Vision Zero, also einer Mobilität ohne Verkehrstote und Verletzte, einen großen Schritt näher kommen, da Hilfe bei einem Unfall automatisch zum Ort des Geschehens kommt. Indem die Telematikeinheit auch für andere Anwendungen wie Echtzeit-Informationen von vernetzten Fahrzeugen über Verkehrsfluss oder potenzielle Gefahren genutzt wird, können Unfälle zudem sogar aktiv vermieden und Staus minimiert werden“, sagt der Leiter der Continental-Geschäftseinheit Infotainment & Connectivity, Johann Hiebl.

Neben der Datenschutzproblematik sehen einige bei der Telematik noch weitere Nachteile. Einer der wichtigsten ist sicherlich das steigende Komplexitätsniveau der Fahrzeugtechnik: Die Störanfälligkeit steigt tendenziell.

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