Roland Meyer, Geschäftsführer von Leaseplan Deutschland, über die aktuelle Situation der Elektromobilität in Deutschland, aktuelle Trends der betrieblichen Mobilität, die Herausforderungen für Fuhrparkverantwortliche – und wie Leaseplan darauf reagiert.
Verbrennerverbot ab 2030, lange Wartezeiten und Lieferschwierigkeiten für Elektro-Firmenwagen, zögerlicher Ausbau der Ladeinfrastruktur: Die kosten- und ressourcenoptimale Ausrichtung der Flotte stellt Mobilitätsverantwortliche vor viele Herausforderungen.
Wir sprachen mit Leaseplan Deutschland-Geschäftsführer Roland Meyer über die aktuelle Situation für Fuhrparkverantwortliche – und wie Leaseplan darauf reagiert.
Roland Meyer: Im Wesentlichen lassen sich alle Mega-Trends, die wir momentan im Bereich der betrieblichen Mobilität beobachten, unter der Formel „mehr Flexibilität“ zusammenfassen. Das betrifft zum einen natürlich die Art, wie Fahrzeuge angetrieben werden – Stichwort: Elektro und alternative Antriebe - aber auch die Art, wie Firmenwagen angeschafft werden – Stichwort: vom Eigentum zu Nutzung - und zuletzt natürlich die Art, wie sie genutzt werden.
Meyer: Zum einen haben wir ganz offensichtlich das Themenfeld Antriebe. Wir beobachten, dass eine Zero Emission Mobility - politisch gefördert - zum neuen Standard in den Fuhrparks wird. Das ist ein sehr deutlicher Trend und wir sehen tatsächlich eine immens wachsende Bereitschaft, was die Umstellung auf vollelektrische Firmenwagen betrifft. Wir bieten Hybride und Plug-In-Hybride zwar noch im Portfolio an – aber sie liegen nicht mehr im Trend und werden von Unternehmen kaum mehr nachgefragt. Fast alle Unternehmen wollen ihre Geschäftsaktivitäten, die Produktion, aber eben auch die betriebliche Mobilität, komplett auf CO2-Neutralität umstellen und suchen nach einer praktikablen Lösung. Die Infrastruktur dafür ist mittlerweile bei Weitem nicht mehr so schlecht, wie es in der öffentlichen Diskussion oft behauptet wird: Man kommt mit einem E-Auto mittlerweile recht problemlos durch ganz Deutschland. Das hilft auch Unternehmen beim Umstieg auf die CO2-Neutralität.
Meyer: Das ist richtig, allerdings verzeichnen wir auch hier einen Wandel. In diesem Kontext gewinnen dann auch Abo-Car oder Langzeitmiet-Modelle an Bedeutung, weil man dadurch erstens Elektro-Fahrzeuge unverbindlich testen kann, bevor man sich für 36 oder 48 Monate an ein Leasing-Auto bindet. Gerade im Segment flexibler, kürzerer und individueller Mobilitätsmöglichkeiten hat sich in den letzten Monaten die Angebotsvielfalt deutlich erhöht. Und zweitens gewinnt man so als Unternehmen auch die Möglichkeit, in Krisen flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen, wie etwa steigende Kraftstoff- und Energiekosten, Spardruck oder wachsende Homeoffice-Anforderungen, zu reagieren. Dazu kommt: Auch wenn stellenweise Vorbehalte gegenüber Elektrofahrzeugen bestehen, wenn jemand ein E-Fahrzeug einfach mal zwei Wochen oder drei Wochen probeweise fährt, hat der Tester sich schnell daran gewöhnt. Da gibt es dann auch eigentlich keine Rückgabewünsche mehr.
Meyer: Tatsächlich ist die betriebliche Mobilität von heute deutlich durchdachter, intelligenter und datenbasierter. Dabei hilft die Digitalisierung enorm, in dem sich etwa CO2-Ausstoß-, Nutzungs- und Verbrauchsdaten, aber auch Routen gezielt auswerten und optimieren lassen. Und zum anderen ist auch das Bewusstsein für Mobilität ein anderes geworden: Mobilität wird heute deutlich bewusster genutzt als noch vor wenigen Jahren. Als Leaseplan Deutschland fahren wir bereits seit fast drei Jahren elektrisch, angefangen in der Geschäftsleitung bis hin zum Vertreib. Mittlerweile haben wir unsere Car Policy auf „rein elektrisch“ oder, für Vielfahrer, auch mit einer Diesel-Option umgestellt. Bei knapp 100 Fahrzeugen, die wir intern umgestellt haben, gibt es nur noch zwei Diesel.
Meyer: Je früher Fuhrparkverantwortliche ihren Fuhrpark elektrifizieren, desto besser: Denn, auch aufgrund des zu erwartenden Produktangebotes ab 2030, gehen wir davon aus, dass die Hersteller emissionsfreie Fahrzeuge in ihrem Portfolio bereits heute priorisieren und zukünftig noch stärker priorisieren werden. Dennoch können die Lieferzeiten für einige neue elektrische Firmenwagen recht lang sein. Das führt verständlicherweise zu gewissen Frustmomenten. Während wir im Zuge der Corona-Krise einen deutlichen Trend zur Verkürzung der Leasinglaufzeiten beobachten konnten, haben wir nun den gegenteiligen Effekt: Als Reaktion auf die Marktengpässe werden die Leasingzeiten wieder verlängert.
Meyer: Natürlich wird allgemein empfohlen: In der aktuellen Situation hilft nur weit vorausschauende Planung und eine frühzeitige Bestellung. Doch das bringt Flottenverantwortliche und Firmenwagenfahrer auch wenig weiter. Unseres Erachtens ist es ein sehr pragmatischer Ansatz, zu sagen: „Dann erweitern wir eben die Markenauswahl in unserer Car Policy.“
Meyer: Wir haben auf diese Entwicklung bereits sehr frühzeitig und proaktiv reagiert. Zum einen haben wir schon früh – teilweise vor über 18 Monaten - umfangreiche Elektrokontingente vorgeordert. Und zum anderen haben wir uns strategisch gut aufgestellt: Wir haben die E-Fahrzeuge, die wir vermieten, auch alle gekauft, weil eine Fremdanmietung deutlich schwieriger und teurer für unsere Kunden wäre.
Meyer: Wir haben uns einiges vorgenommen für die kommenden Jahre. Zum einen wollen wir unsere Kundenflotte bis 2030 auf Netto-Null-Emissionen umstellen. Zum anderen wollen wir in den Kerngeschäftsfeldern weiter deutlich wachsen. Dabei konzentrieren wir uns auf bereits jetzt sehr erfolgreiche Segmente:
Darüber hinaus ist es ein wesentlicher Bestandteil der Strategie, unsere Mitarbeiter und uns als Unternehmen auf die sich verändernde Arbeitswelt vorzubereiten Wir binden dabei unsere Kolleginnen und Kollegen eng mit ein. Es macht Spaß zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln und wie schnell wir Veränderungen annehmen und umsetzen können. Hier wollen wir auch zukünftig eine Vorreiterrolle spielen, indem wir auf Veränderungen nicht nur reagieren, sondern sie aktiv mitgestalten. Bereits vor der Corona-Pandemie haben wir beispielsweise Büro- und Homeoffice Ausstattung, mobiles Arbeiten mit MS Teams und anderen Systemen gelauncht.
Meyer: Schon heute haben wir mit unserer Lean-Autovermietung ein sehr starkes Angebot für die Langzeitmiete. Unser Abo Car-Angebot ist das erste Autoabo, soweit ich das in Deutschland kenne, das sich rein auf den B2B-Prozess im Fuhrpark fokussiert. Das, was wir in unserem Kerngeschäft: dem Autoleasing betreiben, können wir eins-zu-eins jetzt auch im Autoabo abbilden. Das heißt, alle Vorgaben, die sich aus der Car Policy eines Unternehmens ergeben – der Auswahlprozess, die CO2-Vorgaben, Verbrauch und Kosten - werden in unserem Autoabo-Fahrzeugangebot abgebildet. Entsprechend der Unternehmensstruktur werden etwa Fahrerdaten und Nutzergruppen inklusive Referenzraten oder Budgetgrenzen sowie definierte Ein- und Ausschlüsse von Fahrzeugen und Fahrzeugkriterien hinterlegt. Selbst die Abbildung von Kostenstellen und Fahrerbeteiligungen ist möglich. Damit unterstützt Leaseplan Unternehmen, die ihre geltenden Fuhrparkregelungen auch beim Autoabo anwenden wollen. Das neue Angebot richtet sich insbesondere an Firmen und Organisationen, die einen flexiblen Fuhrpark bei hoher Mitarbeiterzufriedenheit benötigen. Durch feste und kurze Laufzeiten von nur sechs Monaten bietet Abo Car eine hohe Flexibilität aufgrund kurzer Vertragsbindung. So können Unternehmen schnell auf Marktveränderungen reagieren und erhalten kurzfristig die Möglichkeit zur Reduktion ihrer Flotte ohne Zusatzkosten. Dazu kommt als weiterer Wettbewerbsvorteil: Zeitgemäß stehen für Fuhrparkverantwortliche und Fahrer im Abo Car Onlineshop eine große attraktive Auswahl vorkonfigurierter und schnell verfügbarer Fahrzeuge mit umfassender Businessausstattung zur Verfügung.
Meyer: Beratung und Service sind bei uns vollumfänglich. Wir bieten etwa über Partnerschaften eine Ladelösung für zuhause an – insbesondere, wenn es um die Umstellung auf elektrische Car Policys geht. Dabei übernehmen wir den gesamten Prozess – bis hin zur intelligenten Abrechnung. Aber wir bieten auch Beratung für die Bürogebäudeinfrastruktur: Wie viel Kapazität wird benötigt, wie viel elektrische Last ist noch übrig und welche Ladelösung passt optimal an diesen Standort? Wenn wir beispielsweise das bei uns in Düsseldorf betrachten, hat unser Gebäude rund 150 Kilowattstunden übrig. Das hört sich jetzt viel an, bedeutet aber: 15-mal lediglich 10 kW und schon bin ich in der Lastenspitze. Wir haben in unserer Tiefgarage aber 26 Ladesäulen, die sich intelligent steuern. Noch nicht so intelligent, dass das System entscheidet, wer zuerst und wer zuletzt losfahren muss, aber immerhin so intelligent, dass die verfügbare Kapazität auf die anliegenden Fahrzeuge aufgeteilt wird. So lässt sich sicherstellen, dass gerade im Büro, wenn die Fahrzeuge acht Stunden stehen, jedes Auto geladen werden kann.