ChatGPT im Auto ist schon fast Standard. Doch KI kann viel mehr, wie uns Toyota-KI-Entwickler Avinash Balachandran verrät – von Fahrassistenz bis zur Zukunftsvision.
Künstliche Intelligenz (KI) revolutioniert die Fahrzeugentwicklung und hilft der Autoindustrie, Effizienz und Produktivität zu steigern. Dank KI-basierter Systeme lassen sich Millionen von Sensordaten blitzschnell verarbeiten und nutzen, was enorme Kostenvorteile bringt. Besonders bei der Abstimmung von Assistenzsystemen ist KI der entscheidende Faktor. Ohne diese Technologie wäre autonomes Fahren undenkbar. Dr. Avinash Balachandran, Vizepräsident der Abteilung Human Interactive Driving am Toyota Research Institute (TRI) im Silicon Valley, erklärt uns im Gespräch die Chancen und Herausforderungen der KI-Entwicklung in der Automobilindustrie.
Wenn wir darüber nachdenken, wie wir immer sicherere und intelligentere Autos bauen können, die auch noch Spaß beim Fahren machen, ist KI ein unglaublich nützliches Werkzeug. KI ist beispielsweise in der Lage, den Fahrer in schwierigen Situationen zu unterstützen.
Ein gutes Beispiel ist das Fahren auf vereister Straße. Wenn ein Fahrzeug auf eine Eisfläche trifft und ins Schleudern gerät, ist es für einen durchschnittlichen Fahrer schwierig, diese plötzliche Situation sicher zu bewältigen. Unsere Forschung integriert dabei die Fähigkeiten eines Experten in unsere KI und ermöglicht es ihr, ein Fahrzeug zu steuern, wenn es ins Schleudern gerät.
Für die Zukunft stellen wir uns vor, dass diese Technologie dem Fahrer helfen kann, schwierige Situationen durch passive Interaktionen wie Lichter, Geräusche usw. zu bewältigen und durch aktive Lenk-, Gas- und Bremseingriffe die Sicherheit des Fahrzeugs zu gewährleisten. Unser Ziel ist es immer, den Fahrer zu unterstützen. Während wir also wie viele andere Unternehmen am autonomen Fahren forschen, finden wir auch innovative Wege, KI zu nutzen, um den Fahrern zu helfen, die Fahrsicherheit zu erhöhen.
Wir erforschen verschiedene Möglichkeiten, wie KI den Fahrern helfen kann. Dazu gehören:
1) Die Arbeit an vollautomatischen Systemen, wo sie sinnvoll sind.
2) Ergänzung traditioneller Systeme wie der Stabilitätskontrolle. Zum Beispiel können wir die Technologie des autonomen Driftens nutzen, um den kontrollierbaren Bereich des Fahrzeugs in unseren Stabilitätskontrollsystemen zu vergrößern.
3) Schaffung neuer Erfahrungen, die unseren Kunden einen zusätzlichen Nutzen bringen. Unser Projekt Driving Sensei am Toyota Research Institute (TRI), eine Art Fahrschule mit KI-basierter Fahrerunterstützung, ist ein Beispiel dafür, dass KI nicht nur dazu dient, den Fahrer in einer sicherheitskritischen Situation zu unterstützen, sondern auch dazu, dass der Fahrer durch sinnvolle Interaktionen mit der KI seine Fahrkünste verbessert und beherrscht.
Einige unserer Fahrzeuge nutzen KI bereits in erheblichem Umfang. Unter der Bezeichnung T-Mate hat Toyota Systeme entwickelt, die den Fahrer in verschiedenen Verkehrssituationen unterstützen und damit die Fahrsicherheit verbessern. Beispielsweise nutzt T-Mate KI bereits für verschiedene Fahrerassistenz- und Einparkhilfefunktionen.
Wir arbeiten mit mehreren Unternehmen an automatisierten L4-Robotaxi-Diensten. Das automatisierte Fahren der Stufe 5, bei dem vollständig selbstfahrende Fahrzeuge überall, für jeden und zu jeder Zeit verfügbar sind, stellt eine große Herausforderung dar. Vor allem, wenn es darum geht, in naher Zukunft sowohl sicher als auch wirtschaftlich zu arbeiten. Daher investieren wir auch in die Entwicklung von Lösungen, bei denen KI den menschlichen Fahrer unterstützt und nicht nur ersetzt.
Das muss sie sicherlich nicht. Da die KI immer leistungsfähiger wird, können wir davon ausgehen, dass die Interaktion zwischen Fahrern und KI-gesteuerten Fahrzeugen zunehmen wird. Da das Empfinden des Fahrspaßes von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, ist es unser Ziel bei Toyota, maßgeschneiderte KI-Lösungen für den einzelnen Fahrer bereitzustellen, damit jeder den größten Nutzen aus seinem Fahrerlebnis ziehen kann.
Tomas Hirschberger/SP-X