Smartphones-Apps machen das Leben leichter und halten zunehmend Einzug in die Dienstwagenwelt. Ein Blick auf ausgewählte Hersteller-Angebote.
Ohne sie läuft heute gar nichts mehr: die kleinen, digitalen Helferlein namens Apps (von Applikation). Immer stärker bestimmen Apps auch das Flottengeschäft. Wer fährt wie, mit welchem Fahrzeug, mit wem wohin und warum? Wann ist die nächste Inspektion fällig, steht der nächste Wartungstermin an, läuft der Leasing-Vertrag aus? Typische Fragen, die sich Flottenverantwortliche täglich stellen. Und dabei sind Routenplanung, Fahrzeugwäsche oder die Erfassung von Tankbelegen noch gar nicht berücksichtigt.
Alles Themen, die sich unter den Schlagworten Disposition, Organisation, Administration, Effizienz und Wirtschaftlichkeit zusammenfassen lassen – Schlagworte, die die Kernbereiche im operativen Geschäft eines jeden Fuhrparks, egal ob groß oder klein, umreißen und erahnen lassen, welcher beträchtliche Aufwand hinter dieser komplexen Aufgabe steht. Da kommen digitale Helfer wie die Apps gerade recht. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hat sich bfp FUHRPARK & MANAGEMENT deshalb die App-Angebote ausgewählter Hersteller und Importeure angeschaut und sie in puncto Funktionalität und Services unter die Lupe genommen.
Seit 2017 bietet die Marke mit den vier Ringen die „My Audi“-App an. Sie bündelt sämtliche Dienste und Services von Audi Connect und vernetzt sie mit dem Fahrzeug. Die Struktur führt über drei Hauptpunkte (Fahrzeug, Navigation, Menü) zu verschiedenen Unterpunkten wie Information (Profilverwaltung, Statusreport, Benachrichtigungen) oder Media (Twitter, Napster, News). Unter dem Menüpunkt Navigation kann zudem eine Funktion gerade bei auswärtigen Terminen sehr nützlich sein. À la Google Maps führt sie den Anwender beispielsweise aus seinem Hotelzimmer zum einige Straßen entfernt liegenden Dienstwagen, verbindet sich im Auto automatisch mit dem Bordsystem und überträgt das Ziel vom Smartphone auf das Navi-Display.
Neben den üblichen Standards sind in der „My Audi“-App auch Fahrtenbuch, Service-Historie oder Echtzeitinformationen (Tankfüllstand, Reichweite, Servicetermine, Warnmeldungen) jederzeit über die App abrufbar. Besonderheit für Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos: der e-Tron-Routenplaner. Dieses Tool zeigt die bestmögliche Strecke samt Ladepunkten an. Clou: Die Ladeplanung passt sich während der Fahrt den vorherrschenden Gegebenheiten an. Zudem sollen auch Ladeleistung, aktuelle Belegung und mögliche Defekte der Station angezeigt werden.
Die „My BMW“-App bietet über die gängigen Standards hinaus ausstattungsabhängig zusätzliche Funktionen. Das sind zum Beispiel die Fahrzeugortung oder Aufnahmen der Fahrzeugumgebung (Remote 3D View). Außerdem lassen sich auch Dienste von Amazon Alexa integrieren. Ganz frisch hinzugekommen und laut BMW erstmals im Automobilbau verfügbar ist die digitale Reifendiagnose mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI). Durch einen cloudbasierten Algorithmus sollen jetzt Reifenfülldruck-Verluste deutlich schneller erkannt werden. Vorhersagen zu Reifenverschleiß, Restlaufzeit und Erreichen der Mindestprofiltiefen sollen ebenfalls möglich sein.
Weitere Neuheit in der „My BMW“-App: der sogenannte „Remote Theft Recorder“. Lösen Auto-Diebe Alarm aus, zeichnen die Fahrzeugkameras die gesamte Umgebung und den Innenraum auf. Das entsprechende Bildmaterial kann in der App heruntergeladen und angesehen werden. Diese Funktion ist allerdings nur in Verbindung mit weiteren Sonderausstattungen (Diebstahlwarnanlage, Parking Assistant Plus, Innenraum-Kamera) erhältlich. Ebenfalls neu ist die Funktion Calendar Locations. Sie ermöglicht es, den Kalender samt geplanter Fahrten mit der „My BMW“-App zu synchronisieren.
Zur Optimierung der digitalen Vernetzung ist das „Ford Pass Connect“-Modem serienmäßiger Bestandteil nahezu aller Nutzfahrzeuge des Kölner Herstellers. Mit dazu gehören kostenfreie Datendienste sowie mobile Over-the-Air-Updates (OTA-Updates). Zielgruppe der seit rund zwei Jahren verfügbaren App-Lösung „Ford Pass Pro“ sind Fuhrparks mit bis zu fünf Autos. Über das Smartphone (iOS und Android) können zum Beispiel Tankstand samt Restreichweite, Adblue-Füllstand, Reifendruck, Öl-Lebensdauer und Tachostand abgefragt werden. Etwaige Probleme wie eine defekte Leuchte werden ebenso gemeldet. Zudem sind Standort-Ortung, Buchung von Wartungs- und Serviceterminen sowie der Download von Wartungsplänen, Bedienungsanleitungen und Garantie-Informationen möglich. Hilfreich ist auch der sogenannte Guard-Mode. Dieses Feature bietet eine Fahrzeugüberwachung in Echtzeit inklusive einer Warnfunktion, wenn der Dienstwagen entriegelt oder mit einem (entwendeten) Schlüssel gestartet wird.
Ford Commercial Solutions wiederum richtet sich an Betreiber größerer Fuhrparks. Das kostenpflichtige Angebot bietet über ein Web-basiertes Portal eine umfassende Telematik-Funktionalität und ist für Flotten jeder Größe skalierbar. Es kann allerdings nur über einen PC gesteuert werden. Eine App dazu plant Ford nicht, da die Funktionalitäten laut Hersteller zu umfangreich seien.
Beim koreanischen Autobauer heißt das elektronische Helferlein Bluelink. Die App richtet sich Hersteller-Aussagen zufolge zwar vor allem eher an Privatfahrer, ist jedoch auch für Fuhrparkkunden nützlich und hat sogar Kapazität für eine Mini-Flotte von wenigen Autos. Zudem beherrscht Bluelink die gängigen Standards wie die ferngesteuerte Türver- und Entriegelung, erkennt die verbleibende Reichweite und ob Fenster beziehungsweise Kofferraum offen oder geschlossen sind. Per Ferndiagnose kann auch der Fahrzeugzustand (unter anderem Reifendruck, Bremsen) abgefragt werden.
Sehr nützlich ist die Funktion „Meine Fahrten“. Darüber lassen sich Monat oder Tag, Fahrt, Fahrzeit, zurückgelegte Strecken, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit der jeweiligen Tour für den betreffenden Zeitraum anzeigen. Wird die Alarmanlage ausgelöst, gibt’s zudem eine Push-Nachricht, dass sich Langfinger am Wagen zu schaffen machen. Und wer ein Hyundai-Elektroauto fährt, kann über die App außerdem zeitgesteuert laden und festlegen, mit welchem Tempo frische Energie gezapft werden soll.
Bei Mercedes werden gesonderte Fuhrparklösungen und professionelle Flottensteuerung nicht als App, sondern ausschließlich von Mercedes-Benz Connectivity Solution über das webbasierte Portal „Connect Business“ samt einem umfangreichen Portfolio für modell- und markenübergreifende Konnektivitätsdienste angeboten. Über die Basisdienste der „Mercedes Me“-App können jedoch alle gängigen Standards und Funktionen (zum Beispiel Fahrzeugferndiagnose, Wartungsmanagement, OTA-Updates, Statusfernabfrage) abgerufen werden. Weitere Features und Angebote werden unter „Mercedes Me Connect“ gebündelt und größtenteils kostenpflichtig über den „Mercedes Me“-Store angeboten.
Über die „My Opel“-App erhalten Userinnen und User Zugang zur den digitalen Opel-Angeboten „Opel Connect“ und „Opel Connect Store“. Speziell die App bietet bereits etliche nützliche Infos für Flottenkunden, wie zum Beispiel Statusnachrichten oder modellabhängig den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch. E-Remote-Control-Funktionen ermöglichen es, via Smartphone den Batterieladestatus von Elektroautos zu kontrollieren oder Ladezeiten per Fernbedienung zu programmieren. Zudem sind Routen- und Fahrtinfos (Dauer, Distanz, Durchschnittsgeschwindigkeit) abrufbar. Für Geschäftskunden gibt es zudem spezielle aufpreispflichtige Flottenservices. Die Pakete liefern unter anderem Analysen zu Verbrauch und Fahrverhalten oder übermitteln Echtzeit-Warnmeldungen des Autos sowie Wartungsintervalle.
Die kostenfreie „My Renault“-App wendet sich explizit an Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos oder Plug-in-Hybriden. Via Smartphone lassen sich zum Beispiel Ladezustand und Restreichweite kontrollieren. Ob bei Bullenhitze oder Eiseskälte kann sich der Dienstwagenfahrer vorab quasi vom heimischen Sofa dank der Vollklimatisierungsfunktion remote die gewünschte Wohlfühltemperatur im Innenraum des Wagens einstellen. Hilfreich ist auch die Funktion „Zielort an mein Fahrzeug senden“. Einfach über die App das auf dem Handy ausgewählte Ziel ans Renault-Navi senden und fertig. Wer vergessen hat, wo sein Auto steht, dem hilft die Auswahl „Mein Fahrzeug finden“. Laut Renault soll es 2024 sogar eine spezielle App für Flottenmanager geben.
Mit der „My T“-App bietet Toyota via Smartphone Zugang zu einer Reihe interessanter konnektiver Services. Üppig ist bereits die Funktionalität der „My T“-App. Über sie lassen sich bis zu zehn Fahrzeuge verwalten. Alle Laufleistungen und Fahrgewohnheiten werden protokolliert und sind mittels des Features Statistiken abrufbar. Als da wären: Strecke, Standzeit, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit, Bremsen und Beschleunigen, Autobahn- oder Nachtfahrten. Praktisch für den Dienstwagenfahrer und nützlich fürs Fahrtenbuch ist die Möglichkeit, zwischen privaten und geschäftlichen Fahrten zu unterscheiden. Darüber hinaus bietet die Toyota-App einen sogenannten Hybrid-Coach, der anhand der Analyse zurückgelegter Strecken helfen soll, so effizient wie möglich im reinen Elektro-Modus zu fahren. Zudem können die Daten für eine Hybrid-Versicherung genutzt werden. Ferner gibt es eine Ladestationssuche inklusive Angaben zu Echtzeit-Verfügbarkeit, Ladegeschwindigkeit und Steckertypen.
Auch VW stützt sein digitales Fuhrparkmanagementsystem „Connect Fleet“ über ein webbasiertes Portal. Die nur über Registrierung erreichbaren Anwendungen bieten einfache Lösungen für gewerbliche Kunden von kleinen und mittleren Fuhrparks. Flottenverantwortliche können darüber alle wichtigen Daten effizient und unkompliziert verwalten. Für Dienstwagenfahrer steht wiederum die „Connect Fleet“-App zur Verfügung, über die sie einfach Belege einreichen oder digital Fahrtenbuch führen können. Belege (unter anderem für Fahrzeugwäschen, Tanken, Werkstattbesuche, Parken oder Maut) können abfotografiert und direkt in der App hochgeladen werden. Laut VW ist „Connect Fleet“ zudem mit vielen Modellen anderer Hersteller kompatibel. Bei den Konzern-Töchtern Škoda und Seat können über „Skoda Connect“ oder „Seat Connect“ ebenfalls nahezu alle Standard-Funktionen und Anwendungen abgerufen werden.



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