Gespräch über Ladeinfrastruktur, Batteriebewertung und Restwerte mit dem Energie- und Mobilitätsexperten Markus Emmert.
Für viele Unternehmen ist die Elektrifizierung der Flotte ein erklärtes Ziel – doch beim Aufbau der Ladeinfrastruktur stockt es. Markus Emmert kennt die Gründe: „Der größte Denkfehler ist, dass Ladeinfrastruktur als Kostenfaktor betrachtet wird. Ja, sie kostet Geld, aber eigentlich ist sie ein Produktivfaktor. Sie schafft Flexibilität, erhöht die Versorgungssicherheit und kann langfristig sogar Einnahmen generieren – etwa durch intelligentes Lastmanagement oder Stromverkauf.“
Viele Firmen planen außerdem zu groß und zu teuer, sagt Emmert: „Man sollte klein, aber strukturiert anfangen. Entscheidend ist, dass das System skalierbar ist. Wer die zweite Ausbaustufe nicht mitdenkt, zahlt später doppelt.“ Ein weiteres Problem seien die internen Silos in Unternehmen: „Der Fuhrparkleiter, der Energiemanager und der Facility Manager arbeiten oft nebeneinander her. Dabei liegen die größten Synergien zwischen Mobilität, Energie und Infrastruktur.“
Auch die Finanzierungswelt sei in Bewegung. Banken, Leasinggesellschaften und Energieversorger entwickelten zunehmend neue Modelle. „Wir sehen, dass sich der Markt öffnet. Energieversorger bieten inzwischen Komplettpakete an – von der Netzertüchtigung bis zur Ladesäule, teilweise als Full-Service-Modell.“ Ein Konzept, das Emmert für zukunftsweisend hält: „Charging as a Service wird sich durchsetzen. Unternehmen kaufen dann keine Hardware mehr, sondern beziehen Ladeinfrastruktur als Dienstleistung – inklusive Wartung, Betrieb und Energieoptimierung.“
Ein weiteres Thema, das Emmert auf der Nationalen Konferenz für betriebliche Mobilität (NaKoBeMo) aufgreift, ist die Batteriebewertung bei gebrauchten E-Fahrzeugen.
„Die Batterie macht 30 bis 50 Prozent des Fahrzeugwerts aus – trotzdem fehlt uns heute ein durchgängiger Datensatz zu ihrem Zustand. Wir wissen vielleicht, dass sie aktuell noch 92 Prozent Kapazität hat. Aber was in den vier Jahren davor passiert ist, ist in der Regel unbekannt. Genau diese Historie ist aber entscheidend.“
Er fordert deshalb regelmäßige Zustandsanalysen: „Ein State of Health-Check alle sechs bis neun Monate sollte selbstverständlich sein. Damit schaffen Flottenbetreiber Vertrauen und Transparenz – und können im Zweifel frühzeitig auf Garantiefälle reagieren.“
Auch bei der Diagnostik tue sich viel. „Neue Telemetrie-Systeme können Ladeverhalten, Temperaturzyklen und Belastungsprofile erfassen. So entsteht ein echtes ‚Lebensbuch‘ der Batterie. Nur wenn wir diese Daten offenlegen und verstehen, können wir fair bewerten, was ein Fahrzeug wirklich wert ist.“
Einheitliche Standards existierten bislang nicht: „Heute wird mal gemessen, mal geschätzt – und beide Verfahren liefern offizielle Dokumente. Das ist unhaltbar. Wir brauchen eine einheitliche Bewertungslogik, die für Hersteller, Leasinggesellschaften und Betreiber gleichermaßen gilt.“
Am Ende führt für Emmert alles auf einen Begriff zurück: Transparenz. „Wir müssen uns ehrlich machen – mit realen Daten, klaren Bewertungen und offener Kommunikation. Nur dann können wir Vertrauen schaffen: bei der Finanzierung, in der Leasingkalkulation, im Gebrauchtwagenmarkt. Elektromobilität ist die effizienteste Technologie, die wir derzeit haben. Aber sie wird nur ökonomisch nachhaltig sein, wenn wir sie transparent gestalten.“