Steigende Kraftstoffkosten stärken Elektroautos, doch der Ausbau von Ladeinfrastruktur und Stromnetzen hält laut Studie nicht Schritt.
Eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade zeigt, dass steigende Ölpreise die Nachfrage nach Elektroautos in Europa beschleunigen. Gleichzeitig drohen Engpässe bei Ladeinfrastruktur und Energieversorgung.
Seit Beginn des Irankriegs ist der Ölpreis laut Studie um rund 30 Prozent gestiegen. Kraftstoffpreise von teils über zwei Euro pro Liter sowie steigende Ausgaben für Wartung, Ersatzteile und Reparaturen – seit 2021 ein Plus von 20 bis 37 Prozent – erhöhen den finanziellen Druck. Haushalte in Deutschland verwenden demnach sieben bis acht Prozent ihres Einkommens für Mobilität mit dem Auto, bei einkommensschwächeren Gruppen mehr als elf Prozent.
Elektroautos bieten laut Analyse Kostenvorteile. Die Energiekosten liegen um ein Vielfaches niedriger. Für Durchschnittsfahrer entspreche dies einem Kaufkraftgewinn von vier bis fünf Prozent.
Die steigende Nachfrage zeigt sich in den Zulassungen. Im ersten Quartal 2026 lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge EU-weit bei rund 19 Prozent, in Deutschland bei 23 Prozent. Im April erreichte der Anteil hierzulande rund 25 Prozent.
Die Studie sieht jedoch Defizite beim Ausbau der Infrastruktur. Die EU-Kommission strebt bis 2030 rund 3,5 Millionen öffentliche Ladepunkte an, derzeit sind es etwa 1,1 Millionen. Rund 65 Prozent befinden sich in vier Ländern, darunter Deutschland.
Auch Stromnetze und Energieerzeugung müssten schneller ausgebaut werden. Zusätzlicher Bedarf könnte durch energieintensive Rechenzentren entstehen.
„Entscheidend sei das Zusammenspiel aus verlässlichem CO2-Kostenpfad, gezielten Förderinstrumenten, industrieller Batteriefertigung in Europa, Ladeinfrastruktur und einer schnellen Dekarbonisierung des Strommixes“, sagt Hazem Krichene, Klimaökonom bei Allianz Research.
Zudem steigt der Wettbewerbsdruck. Chinesische Hersteller erreichen rund sieben Prozent Marktanteil in Europa. Gleichzeitig bleibt die Branche anfällig für Lieferkettenprobleme, etwa bei Halbleitern.
Langfristig sehen die Autoren Elektroautos im Kostenvorteil. Sinkende Batteriepreise könnten bis 2030 auf 60 bis 70 Dollar pro Kilowattstunde fallen. Das EU-Ziel eines Elektroauto-Anteils von 79 Prozent bis 2030 werde jedoch voraussichtlich verfehlt. (SP-X)