Die wachsende Zahl an E-Auto-Ladestationen kann zu teuren Lastspitzen führen. Das Berliner Start-up Urban Energy hat hier eine Lösung.
Von Christina Rath
Die Idee klingt einleuchtend: Eine IoT-Plattform, die Energieerzeugung und -verbrauch miteinander vernetzt und mit Hilfe von Prognose-Algorithmen die bestmöglichen Ladezeitpunkte für Elektroautos errechnet. Grundlage dafür sind kontinuierlich erfasste Kennzahlen wie Verbrauchsdaten und Energieeinspeisung aus dem "Urban Energy Data Hub".
Ziel ist es, das Netz zu entlasten und Kosten zu sparen, was Netzbetreibern und Verbrauchern zugute kommt. Mit dieser Idee hat das junge Team von Urban Energy aus Berlin im vergangenen Jahr den Elevator Pitch der Start-ups beim bfp Fuhrpark-FORUM 2019 gewonnen.
Urban Energy wendet sich an "alle, die eine intelligente, selbststeuernde Ladeinfrastruktur benötigen", sagt Paul Dittrich, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Das sind zum Beispiel Stadtwerke oder Betreiber von Wohn-, Gewerbe- oder Industrieimmobilien, die ihren Mitarbeitern oder den Mietern günstige, zeitabhängige Ladetarife anbieten wollen.
Viele Gewerbekunden verfügen über Strom aus Eigenerzeugung etwa aus Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerken. Und hier kommt Urban Energy ins Spiel: "Wir starten den Ladevorgang genau dann, wenn besonders viel Energie im Netz ist. Das spart nicht nur erheblich Energiekosten, sondern auch CO2", sagt Dittrich.
Wird der Data Hub bereits bei einer neuen Ladesäule installiert, kann Urban Energy durch zeitlich verlagerte Ladevorgänge Netzanschlussprobleme umgehen. Daher interessieren sich gerade Netzbetreiber für solche Lösungen.
"Wir bieten keine teure Lösung an, sondern ein schlankes Energiemanagement, das im Hintergrund läuft", sagt Paul Dittrich. "Die Plattform muss niemand umfangreich bedienen, sondern das macht alles die künstliche Intelligenz." Diese intelligente IoT-Plattform lässt sich für unterschiedliche Geschäftsmodelle nutzen und vor allem in bestehende Systeme integrieren, das ist auch für das Lademanagement von Fahrzeugflotten interessant.
Über ein Dashboard können Anlagen verwaltet und die Datenauswertungen eingesehen werden. Der Endverbraucher, zum Beispiel der Mitarbeiter, bekommt eine App an die Hand, über die er sich Ladesäulen aussuchen und diese reservieren kann. Das System bietet ihm auf Basis der verfügbaren Daten neben anderen Informationen dynamische Ladestromtarife an.
Die Idee zu dem Urban Enery Data Hub entstand bereits vor drei Jahren im Rahmen eines Pilotprojektes beim Dortmunder IT-Dienstleister Adesso. Letztes Jahr wurde Urban Energy dann als Beteiligung von Adesso, des Venture Arms des Elektrotechnik-Konzerns Phoenix Contact und der drei Gründer Paul Dittrich, David Stolz und Stephan Thies gegründet.
Derzeit entwickelt Urban Energy im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojektes "5Gain" gemeinsam mit den Stadtwerken Dortmund eine umfangreiche Quartierslösung. "Wir werden nicht nur ein ganzes Stadtquartier mit unserem Data Hub ausstatten", erklärt Dittrich. "Das Spannende ist, dass wir dafür auch 5G-Kommunikation und Blockchain zur Energieabrechnung nutzen."
Nach und nach möchte Urban Energy seinen Data Hub weiterentwickeln, um neue Anforderungen auf Kundenseite einbauen und so Flottenbetreibern eine möglichst effiziente E-Mobility-Lösung anbieten zu können.


