Nissan-Vertriebschef Vincent Ricoux über Transporter und Elektroautos als wichtige Bausteine der Flotten- und Gewerbekundenstrategie.
Noch im letzten Jahr stand Nissans Präsenz in Europa auf der Kippe, mittlerweile ist klar: Die Japaner bleiben auf dem alten Kontinent. Was die Neuausrichtung für das Geschäft mit Flotten- und Gewerbekunden bedeutet, erklärt Vincent Ricoux, Sales Director bei Nissan Center Europe, im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT.
Vincent Ricoux: Völlig korrekt. Europa steht für Nissan nicht zur Disposition, wir werden hier weiterhin Autos produzieren und verkaufen. Unser Fokus liegt auf SUVs und Crossover-Modellen sowie Nutzfahrzeugen – gepaart mit einem klaren Bekenntnis zur Elektromobilität. Ab 2023 wird unsere Produktpalette vollständig elektrifiziert sein.
Ricoux: Unser Nutzfahrzeugabsatz hat sich in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr positiv entwickelt. Diesen Trend wollen wir fortschreiben, und der Townstar ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie. Er ist genau das Fahrzeug, das uns für ein komplettes Transporter-Portfolio gefehlt hat. Mit ihm wollen wir wieder ernsthaft im Segment der Kompakttransporter angreifen.
Ricoux: Auch bei den Nutzfahrzeugen besitzt das Thema Elektromobilität bei uns Prio eins. Deshalb werden wir bereits Mitte 2022 einen vollelektrischen Townstar anbieten. Für Kunden, die sich noch nicht für einen Elektro-Transporter entscheiden wollen, bieten wir den Townstar parallel mit einem Benzinmotor an. Für beide Motorisierungen haben die Kunden außerdem die Wahl zwischen dem Kastenwagen und dem Kombi. Den Kastenwagen werden wir mit beiden Motoren auch mit langem Radstand ausliefern.
Ricoux: Wie gesagt, auch im Transporter-Geschäft besitzt der Elektro-Antrieb für uns höchste Priorität. Wir verfolgen sicher nicht den Anspruch, Marktführer unter den Transporter-Anbietern in Deutschland zu werden. Vor diesem Hintergrund sind Elektro-Transporter für uns ein Weg, sich mit einem klaren Profil im Segment zu positionieren. Außerdem sehen wir für elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge auch ein großes Wachstumspotenzial.
Ricoux: Das ist eine Frage, die wir mit der nächsten Generation des Interstar beantworten werden.
Ricoux: Vor allem mit Blick auf die immer schärferen Abgasgrenzwerte wird es in Europa immer schwieriger, einen Business Case für Pick-ups darzustellen. Das ist der Grund, warum wir uns – ausschließlich in Westeuropa – aus diesem Segment zurückziehen.
Ricoux: Richtig, ein Qashqai Plug-in-Hybrid ist auch für die Zukunft nicht geplant. Aber der Qashqai ist bereits heute als Mildhybrid lieferbar und ab Frühsommer 2022 auch als serieller Hybrid ePower. Dieses Modell wird zwar nicht förderfähig sein, ist aber ein sehr effizientes Fahrzeug auch für den Fuhrpark. Was Verbrauch und Preis angeht, nehmen wir mit dem Qashqai ePower vergleichbare Diesel ins Visier.
Ricoux: Genau. Der neue Nissan X-Trail kommt ebenfalls im Sommer nächsten Jahres nach Europa. Und das von Beginn an auch mit ePower-Antrieb inklusive 4x4-Option.
Ricoux: Nein. Was alternative Antriebe angeht, setzen wir komplett auf vollelektrische Modelle oder unseren seriellen Hybridantrieb ePower.
Ricoux: Das Segment der kleinen und erschwinglichen Fahrzeuge im B-Segment schrumpft. Den Grund dafür haben Sie bereits in Ihrer Frage genannt. Der Micra ist weiterhin wesentlicher Bestandteil des Nissan-Portfolios in Europa und wird dies auf absehbare Zeit bleiben. Allerdings sagen wir auch ganz ehrlich: Einen Brutto-Einstiegspreis von unter 10.000 Euro für den Micra werden auch wir in Zukunft nicht mehr darstellen können. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass für die typische Micra-Zielgruppe wie zum Beispiel Pflegedienste auch Modelle aus unserer Elektro-Palette attraktiv sein können.
Ricoux: Der Ariya wird den Blick auf die Marke Nissan generell verändern. Er wird ebenfalls im Laufe des Jahres 2022 nach Europa kommen und auch für Flotten und User-Chooser ein interessantes Angebot sein. Mit 63 oder 87 kWh großen Akkus, bis zu 500 Kilometern Reichweite und 130 kW Ladeleistung im CCS-Standard wird er ein wichtiger Baustein unserer Flottenstrategie. Zumal der Ariya auch an der AC-Ladesäule zu den schnellen Ladern gehört, weil er dort mit bis zu 22 kW lädt.
Ricoux: Qashqai und Ariya, um bei diesem Vergleich zu bleiben, basieren auf unterschiedlichen Plattformen – auf der aktuellen CMF-C- beziehungsweise der CMF-EV-Plattform der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz. Damit unterscheiden sie sich grundsätzlich im Antrieb und Aussehen. Auch auf absehbare Zeit werden unsere Elektroautos bei Design und Namen ein Alleinstellungsmerkmal im jeweiligen Segment für sich beanspruchen können.
Ricoux: Wer sich für einen elektrischen Nissan entscheidet, erwirbt auf Wunsch ein ganzes Komplettpaket. Beispielsweise bieten wir auch eine Leasingrate inklusive Wallbox an.
Ricoux: Bisher gab es das nicht, das ist richtig. Grundsätzlich machen Business-Ausstattungen nur dann Sinn, wenn sie sich in eine passende Flotten- und Gewerbekunden-Strategie einfügen. Die haben wir jetzt, weshalb wir auch über das Thema Business-Ausstattungen nachdenken. Final geschnürt haben wir sie aber noch nicht.
Ricoux: Ja, Anfang November sind wir mit den Nissan-Gewerbewochen 2021 am Markt gestartet. Im Rahmen der Aktion unterbreiten wir Flotten- und Gewerbekunden zum Beispiel spezielle Leasingangebote.
Ricoux: Da haben wir ganz klare Rollenverteilungen. Für Small Commercials und kleinere Flotten sind die Nissan-Händler Ansprechpartner für unsere Kunden. Ab 50 Fahrzeugen im Fuhrpark stehen bei uns zwei Key-Account-Manager als Ansprechpartner für die Kunden bereit. Und parallel dazu unterstützen drei Flotten-Außendienstmitarbeiter vornehmlich unsere Flotten- und Nutzfahrzeug-Kompetenzzentren, aber auch kleinere Händler bei allen Fragen rund um das Großkundengeschäft. Außerdem arbeiten wir im Falle großer Ausschreibungen eng mit unseren Kollegen aus der Europa-Zentrale zusammen, um auch Anfragen von Großflotten bedienen zu können, die ja oft länderübergreifend einkaufen.
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