Die Werkstattkette erweitert das Angebot für Businesskunden. Im Fokus von ATU stehen überdies Anforderungen der Elektromobilität sowie die Qualifizierung der Techniker.
ATU kommt klassisch aus dem Reifengeschäft. Heute halten sich das Reifen- und das Kfz-Service-Geschäft in etwa die Waage. Über die Jahre standen außerdem insbesondere Endkunden und damit das klassische B2C-Geschäft im Vordergrund, erklärt Georg Thoma. Wie der ATU-Manager, zuständig für den Geschäftskundenbereich, erklärt, habe man Dienstleistungen für B2B-Kunden aber deutlich ausgebaut und konzentriere sich noch mehr auf die Bedürfnisse von Fuhrparkmanagern. Auch an der Außenwirkung arbeitet das ATU-Flottenteam verstärkt, wie Georg Thoma im Gespräch mit unserer Redaktion ausführt. „Wir arbeiten schon seit über zwanzig Jahren mit gewerblichen Kunden zusammen.“ Das sei vielen im Markt gar nicht klar. Thoma will den B2B-Bereich sichtbarer machen. Daher gibt es u.a. einen eigenen Webauftritt mit den ATU-Flottenlösungen.
Die Marke zu „pushen“ sei „ein sehr großer Hebel“ gewesen und habe zum Wachstum des Flottengeschäfts in den letzten drei Jahren beigetragen, ist er sich sicher. Die Servicespezialisten aus dem ostbayerischen Weiden profitieren hier auch von der Mobivia-Zugehörigkeit. Die deutsche Werkstattkette ist, wie im Übrigen die französischen und spanischen Pendants Midas sowie Norauto auch, Teil der französischen Unternehmensgruppe. So gelinge die Ansprache von international ausgerichteten Flotten.
Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Elektromobilität und der damit verbundenen Anpassung der Werkstätten. ATU baut Expertise in der Hochvolttechnik in den eigenen rund 530 Filialen auf und investiert in Equipment, um eine umfassende Betreuung der Stromer-Fuhrparks zu gewährleisten. Man beschäftigt sich im Netzwerk schon lange mit alternativen Antriebstechnologien. Eine wesentliche Grundlage ist das Know-how und die geforderten Zertifizierungen: „Wir haben Hochvolttechniker der Stufe 1 und der Stufe 2 in jeder Niederlassung“, betont Georg Thoma.
Kein Schaden ist die HV-Erfahrung sicherlich hinsichtlich der Kooperation mit Flotten. Aufgrund steuerlicher Vorteile sind viele Dienstwagen mit Elektromotoren ausgestattet. Und auch bei der Partnerschaft mit ausländischen Herstellern , die beim Markteintritt in Europa bzw. Deutschland den Aufbau eines eigenen Kundendienst-Netzwerks scheuen, sind Kompetenzen im Umgang mit Elektroantrieben förderlich. Denn: Kein Kunde kauft ein Fahrzeug und auch kein gewerblicher Anbieter nimmt Autos in den Fuhrpark, wenn Wartung bzw. Kfz-Service unsicher sind. Aus diesem Grund gehen manche E-Auto-Hersteller eine Partnerschaft mit ATU ein und steuern Kundenfahrzeuge ins ATU-Netzwerk. Gemeinsam etablieren die Partner im Vorfeld Serviceprozesse, arbeiten an der Ersatzteilversorgung und definieren den für Elektroautos wichtigen Datenaustausch für Diagnose und Systemupdates, verrät Georg Thoma.
„Gerade bei der Flottenverwaltung erreicht uns von Geschäftspartnern häufig der Wunsch nach mehr Effizienz und Transparenz. Die Lösung dafür liegt in der durchgängigen Digitalisierung von Prozessen“, schreibt Georg Thoma im Vorwort zu den Fuhrparktrends von ATU. Hierbei unterstützen seinen Worten zufolge die digitalen Servicelösungen von ATU. In dem Trendpapier identifizierte das Unternehmen im Übrigen die Themen Elektromobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit als wichtige Handlungsfelder für Fahrzeugflotten.
Während das Papier die Metaebene behandelt, greift Georg Thoma im Gespräch wichtige Details des B2B-Geschäfts auf: Beim Blick größeren Flotten gestalten sich mitunter Freigabeprozesse und Kostenvoranschläge herausfordernd. „Wir bieten Automatismen an, die diese Prozesse unterstützen.“ Auch seien Bühnenplanung intern und Terminvergabe extern vollständig digitalisiert. Zudem ist die einheitliche Rechnungsstellung wichtig. Das bedeutet, es gibt eine Rechnung aus einer Hand, und das Pricing ist kalkulierbar. Wichtig ist die Anwendung des mit dem Kunden vereinbarten Regelwerks in allen Filialen: Alles, was man mit dem Kunden vereinbart, ist maßgeblich – egal welche Filiale der Fahrer anfährt, ob in Hamburg, München, Berlin oder Zwickau.
Nicht nur die großen, auch die kleinen Flotten nimmt ATU eigenen Angaben in den Blick. Diese haben teils besonderen Bedarf: Bei kleineren Handwerksbetrieben, deren Fuhrparks bspw. zwischen fünf und fünfzehn Transporter umfassen, müssen Serviceprozesse und Wartungen laut Georg Thoma so getaktet sein, dass die Downzeit des Fahrzeugs und damit die Immobilität des Handwerkers überschaubar bleibt. ATU hat sich auf diese Herausforderung beispielsweise mit dem Angebot offener Samstage eingestellt. „Es ist besonders für Handwerker spannend, wenn die Fahrzeuge samstags gebracht werden können. Wir können die Wartung so terminieren, dass das Fahrzeug am Montag oder Samstag wieder bereitsteht – so bleiben die Zeiten, in der das Fahrzeug nicht genutzt wird, sehr gering.“ Fahrer oder Disponenten können den Angaben zufolge über die ATU Online-Terminvergabe ihren Termin selbst buchen, um rechtzeitig zum Reifenwechsel oder zur Inspektion in der Filiale zu sein. „Diese Terminplanung ist vollständig in unser Werkstattsystem integriert und garantiert, dass alles funktioniert“, so Thoma. (mas)