Elektroautos im Carsharing legen zu, doch Ladeinfrastruktur und Kosten bremsen. Cambio‑Fuhrparkleiter Markus Funke erklärt die Strategie hinter der E‑Flotte.
Carsharing entwickelt sich weiter: Immer mehr Elektroautos kommen in die Flotten. Doch Ladeinfrastruktur, Kosten und Nutzung stellen Betreiber wie Cambio vor große Herausforderungen. Fuhrparkleiter Markus Funke erklärt im Interview, wie sich Flotten verändern und welche Rolle E‑Mobilität künftig spielt.
Markus Funke: Zum Jahresende 2025 lag unser E-Anteil deutschlandweit bei knapp elf Prozent – das sind etwas unter 300 Elektrofahrzeuge bei insgesamt knapp 2.700 Autos. An einzelnen Standorten sind wir schon deutlich weiter: Aachen liegt bei über 20 Prozent, Flensburg bei knapp 19 Prozent. Was die absoluten Zahlen angeht, hat Bremen gerade die Marke von 100 E-Autos geknackt.
Funke: Wir wollen die Flotte schrittweise vollständig elektrifizieren – aber wirtschaftlich tragfähig, Station für Station. In Bremen treiben wir beispielsweise gerade ein Innovationsprojekt voran, das eigene Ladeinfrastruktur mit intelligenter, netzdienlicher Steuerung verbindet. Das ist unser Modell für die Zukunft.
Funke: Die drei größten Themen sind: Ladeinfrastruktur an den Stationen aufbauen, die noch geringere Auslastung der E-Fahrzeuge steigern und die höheren Anschaffungskosten in der Tarifstruktur abbilden, ohne Carsharing teurer zu machen.
Funke: Privatkunden greifen im Alltag zu Kleinwagen, buchen aber für Umzüge oder Urlaube gezielt Transporter sowie Kombis und Hochdachkombis. Geschäftskunden nutzen vor allem kompakte Fahrzeuge für Dienstfahrten – oft direkt von einer Station in der Nähe des Homeoffices oder Unternehmensstandorts.
Funke: Ja, die Bereitschaft, E-Fahrzeuge zu buchen, wächst – besonders bei kürzeren Stadtfahrten. Die Nachfrage nach Transportern bleibt stabil hoch, wobei ein höheres Transportvolumen nachgefragt wird. Das können wir mit der Einführung unserer Preisklasse-XL-Fahrzeuge bedienen. Eine derartige Breite deckt kein anderes Mobilitätsangebot ab.
Funke: Homeoffice hat die Nutzung verändert. Unsere Geschäftskunden buchen zunehmend dezentral – nicht am Firmenstandort, sondern nah am jeweiligen Wohnort. Das stärkt unser dichtes Stationsnetz. Unsere Privatkunden nutzen unsere Autos häufiger für längere Fahrten, meist in den Urlaub.
Funke: In den Großstädten sind die Fahrten kürzer und spontaner, die Auslastung höher. In kleineren Städten wird länger gebucht und weiter gefahren – dort ersetzt Carsharing oft bewusst den Zweitwagen.
Funke: Transporter sowie Kombis und Hochdachkombis sind im Frühjahr und Sommer besonders gefragt. Unter der Woche dominiert vormittags die geschäftliche Nutzung, am Wochenende die private.
Funke: Ein Cambio-Auto ersetzt im Schnitt etwa elf private Pkw. Das bedeutet weniger Autos, weniger Flächenverbrauch, weniger CO2. Wer Carsharing nutzt, fährt bewusster und kombiniert es mit ÖPNV und Fahrrad. Für Städte ist das ein konkreter Hebel, um die Ziele der Verkehrswende zu erreichen.
Funke: Bremen ist ein Vorreiter – als erste Stadt mit kombiniertem stationsbasiertem und Free-Floating-Angebot aus einer Hand, mit 198 Stationen und enger Kooperation mit Stadt, ÖPNV und Wohnungswirtschaft. Köln zeigt, wie stationsbasiertes Carsharing in einer der größten Städte Deutschlands skaliert werden kann. Aachen hat den höchsten E-Anteil und ist damit bei der Elektrifizierung vorne dabei.
Funke: Nachfrage, Erreichbarkeit und Sichtbarkeit. Wir schauen, wo bestehende Stationen ausgelastet sind, wo Kunden oder Unternehmen anfragen und wo neue Quartiere entstehen. Über Entwicklungspartnerschaften können Unternehmen und Kommunen Stationen am eigenen Standort ermöglichen.
Funke: Stark. Stellplätze sind eine knappe Ressource. Um zukunftsfähig zu bleiben, prüfen wir bei jeder neuen Station auch die Möglichkeit eines Netzanschlusses für Ladepunkte.
Funke: Durch die Neuausrichtung seit Januar 2026 haben wir unsere Verantwortlichkeiten noch klarer gebündelt. Ziel war, das operative Geschäft in Deutschland effizienter zu steuern, aber gleichzeitig die zentralen Funktionen so aufzustellen, dass wir das nationale und internationale Wachstum gut abbilden können.