Neue Marken, neue Technik, neue Anforderungen – wie Fuhrpark- und Mobilitätsmanager in Zeiten des Wandels die richtigen Entscheidungen treffen.
Fahrzeuge sind längst mehr als nur Betriebsmittel – sie sind Kostenfaktor, Nachhaltigkeitsindikator, Teil der Arbeitgebermarke und zunehmend strategisches Steuerungsinstrument. Doch wie gelingt es Unternehmen, ihre betriebliche Mobilität zukunftssicher aufzustellen?
Beim FORUM mobility & work am 14. Mai 2025 in Zusmarshausen diskutierten Experten und Praktiker auf Einladung der Handwerksmedien über konkrete Herausforderungen, strategische Weichenstellungen und notwendige Veränderungen in der betrieblichen Mobilität.
Wo liegen die Trends der betrieblichen Mobilität und was muss sie heute leisten? Wo liegen die konkreten Hebel der Betriebe, sich dahingehend zukunftssicher aufzustellen? Diese und weitere spannende Fragen rund um das Fuhrparkmanagement stellte Clemens Noll-Velten, Chefredakteur Handwerksmedien und FORUM mobility & work den Mobilitätsverantwortlichen und Handwerkern beim FORUM mobility & work am 14. Mai in Zusmarshausen. Beim Paneltalk diskutierten Andreas Reichert (Mobiko), Thomas Unger (Sortimo), Christian Lochner (Mitsubishi & Great Wall Motors), Malte Schuler (Holman) und Dominik Stark (GBS Kühlanlagen).
Die zentrale Erkenntnis des Panels: Mobilitätsverantwortung lässt sich nicht mehr verwalten – sie muss gestaltet werden.
Ob Großflotte oder kleiner Betrieb: Der Rollenwandel im Fuhrpark ist spürbar. „In vielen KMU übernehmen Assistenzen oder Geschäftsführer nebenbei das Fuhrparkmanagement – ohne strategischen Fokus“, so Andreas Reichert. Das sei nicht zukunftsfähig. Der Unternehmer empfahl, weniger zu verwalten und stattdessen mehr Ideen einzubringen, wie sich bestehende Konzepte anpassen lassen. Dazu gehöre, den Dienstwagen anhand seiner tatsächlichen Nutzung auszuwählen und beispielsweise die Größe des Fahrzeugs daran anzupassen.
Für Christian Lochner liegt die Zukunft der betrieblichen Mobilität klar in der Elektrifizierung beziehungsweise zumindest in der Hybridtechnik. „In den nordischen Ländern sind fast 100 Prozent der Fahrzeuge elektrisch zugelassen. Hier in Deutschland haben wir noch viel Nachholbedarf“, betonte er beim Paneltalk. Wie das gelingen kann? „Es muss ein Umdenken in der Geschäftsführung stattfinden, um offen für alles zu sein. Fuhrparkverantwortliche dürfen neue Marken, die nach Europa oder Deutschland kommen, häufig nicht in die Carpolicy aufnehmen. Alle aktuellen Fahrzeuge auf dem Markt sind nicht schlecht, und man sollte allen eine Chance geben“, empfahl er den Anwesenden. Dennoch gelte es, die Sinnfrage zu stellen: „Wenn ein Mitarbeiter auf dem Land ohne Ladeinfrastruktur wohnt, sollten auch Hybride oder Diesel zugelassen werden.“
Malte Schuler ist nicht ganz so optimistisch bezüglich der E-Mobilität. Bei Holman sei eher ein Trend Richtung Hybrid sehr stark erkennbar. „Viele trauen sich nicht, den Schritt ins Vollelektrische zu gehen. Bei der Diskussion sei die Betrachtung der Flottenbereiche entscheidend. So sei die Anzahl von E-Autos im Nutzfahrzeugbereich gering. Im Motivationsfuhrparkbereich liege der Anteil an alternativen Antrieben bei mehr als 50 Prozent. „Dabei liegt der Löwenanteil bei den Hybriden“, betonte er. Ähnlich sieht es auch Dominik Stark. Die Konzepte seien noch nicht genügend ausgereift: „Wir sind keine Gegner von E-Mobilität. Aber sie ist in unserem Betrieb schwer umsetzbar, vor allem, weil es keine Infrastruktur hierfür gibt. Doch auch bei uns im Service ist es schwierig. Wir fahren teils lange Strecken und ich kann meinen Mitarbeitern nicht sagen ’lade das Auto zwei Stunden und danach machst du Feierabend‘. Es gehört viel Planung dazu und das sehe ich noch nicht als machbar bei uns“, erklärte er.
„Im leichten Nutzfahrzeugbereich müssen die Fahrzeuge produktiv einsetzbar sein. Die größten Hemmschwellen bei E-Transportern sehen wir in der Zeit, die verloren geht oder in Zusatzaufwänden, die betrieben werden müssen. Handwerker werden mehr zum Manager. Sie stellen die Flotte rational sinnvoll auf. Das machen sie genauso wie große Unternehmen mit einer riesigen gewerblichen Flotte“, befand Thomas Unger.
Also wie lässt sich die Akzeptanz für alternative Mobilität in Betrieben steigern, fragte Clemens Noll-Velten in die Diskussionsrunde. Für Andreas Reichert liegt die Lösung klar in der Schaffung von Anreizen statt in Verboten: Die Mitarbeitenden müssen finanziell dafür belohnt werden, dass sie auch mal das Fahrrad nehmen oder sich in den Zug setzen, um zur Arbeit zu kommen.
Für Dominik Stark liegt die Lösung vor allem in der Digitalisierung, genauer, in der Implementierung von KI-gestützter Routenplanung. Zudem brauche es aber auch ein gewisses Maß an Sicherheit, ob nun tastsächlich E-Mobilität die Zukunft ist. Denn sie müssten dafür massiv investieren. Malte Schuler sieht die Hersteller klar in der Verantwortung. „Sie müssen Fahrzeuge entwickeln, die der Markt wirklich braucht. Nicht in Richtung Ideologie oder gesetzliche Vorgaben. Der Markt wird auch weiterhin hocheffiziente Verbrenner brauchen. Zudem benötigen wir alternative Kraftstoffe. Da muss sich auch die Politik bewegen.“ Thomas Unger: „Wenn ich mir was wünschen darf für 2030, dann ist es die Vernetzung als Ecosystem der betrieblichen Mobilität. Wir brauchen Systeme, die vernetzt und einfach zu handhaben sind“. Christian Lochner wünschte sich von der Regierung mehr Beständigkeit. „Es sollen nicht Regulierungen kommen, die kurze Zeit später wieder abgeschafft werden“, betonte er in Zusmarshausen. Andreas Reichert widersprach dem und attestierte eher den Unternehmen, mehr in die Eigenverantwortung zu gehen.
„Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement ist heute mehr denn je strategisch – es geht um Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität. Wer es aktiv gestaltet, sichert seinem Unternehmen echte Vorteile“, resümiert Clemens Noll-Velten.