Best Practice: Die Sparkasse Bremen spart mit Corporate Carsharing von Cambio Kosten und Aufwand. Zudem profitieren die Mitarbeitenden auch privat vom Shared-Mobility-Angebot.
In den vergangenen Jahren kommt immer mehr Bewegung in den Mobilitätsmarkt im betrieblichen Kontext. Spätestens seit der pandemiebedingten Stärkung von Homeoffice und anderen Arbeitsmodellen weichen Unternehmen zunehmend auf Angebote abseits der eigenen Fahrzeugflotte aus. Viel früher schon, lange bevor das Coronavirus ab 2020 weltweit wütete, hat die Sparkasse Bremen auf alternative Mobilität für ihre Mitarbeitenden gesetzt. Denn seit 2016 bietet die Bank in der Hansestadt Corporate Carsharing an und hat die eigenen Poolwagen abgeschafft.
Michael Hilbers, Prokurist im Kernteam Facility Management bei der Sparkasse Bremen hat den gesamten Prozess begleitet und ist als Einkäufer auch heute noch für das Corporate Carsharing in dem Finanzhaus verantwortlich. „Betriebswirtschaftlich war das eine Eins mit Sternchen“, sagt Hilbers zu den Erfahrungen, die die Bremer nun im achten Jahr machen. „Wir hatten damals 14 eigene Pool-Fahrzeuge. Irgendwann hat dann mal ein Vorstand, der heute nicht mehr aktiv ist, aus dem Fenster geschaut und festgestellt, dass da ein Haufen Fahrzeuge rumstand“, erzählt Hilbers. Als der Vorstand daraufhin gefragt hatte, „Wann werden die denn mal bewegt?“, kam das Thema bei der Sparkasse ins Rollen: Wie könnte man den enormen Kostentreiber dieses Pool-Fuhrparks verringern, bei dem tatsächlich die Fahrzeuge zu oft ungenutzt auf dem Parkplatz standen?
„Einige der Fahrzeuge waren auch gewissen Einheiten fest zuwiesen“, erinnert sich Hilbers. „Gefühlt wurde jedes zweite Fahrzeug zwei Mal am Tag bewegt, in der Regel einmal vormittags und vielleicht nachmittags. Obwohl wir viele Mitarbeitende am Standort hatten, die auch auswärtige Termine hatten.“ Wie teuer genau die Nutzung war, das zeiget dann eine genaue Analyse. Denn die Sparkasse hatte einen sehr guten Datenpool ihrer Fahrzeuge zur Verfügung, konnte im Detail alle Kostenfaktoren der Fahrzeuge auswerten und hatte die Kosten realistisch berechnet. „90 Cent hat uns damals jeder gefahrene Kilometer gekostet“, sagt Hilbers. Und heute? „Die Sparkasse Bremen liegt nach der Umstellung auf Corporate Carsharing bei netto 30 Cent pro Kilometer“, erläutert Lasse Schulz, Geschäftsführer beim Carsharing -Anbieter cambio Bremen.
„Wir haben die gesamten Fahrtenbücher der Sparkasse zur Auswertung bekommen und konnten in unserer Software exakt analysieren, wie genau eigentlich der Bedarf an Fahrzeugen ist. Und dabei ist herausgekommen – und so konnten wir die Sparkasse auch schnell davon überzeugen –, dass Corporate Carsharing in ihrem Fall einen enormen Vorteil bietet“, sagt Schulz.
Die Sparkasse hatte bis dahin nicht nur die 14 Poolfahrzeuge, die dann sukzessive mit dem Ende der Leasing-Laufzeiten ausgemustert wurden, sondern auch eine eigene Fuhrparkverwaltung mit drei externen Mitarbeitern eines infrastrukturellen Gebäudedienstleisters, die sich mit den Fahrzeugen in Gänze beschäftigt hatte.
„Heute haben wir diese Verwaltung nicht mehr. Wir arbeiten mit Dienstleistern, die Aufgaben bei Bedarf übernehmen“, erklärt Michael Hilbers und weist auf den erheblich geringeren Verwaltungsaufwand für die betriebliche Mobilität hin. Vom Fuhrparkmanagement über das Versicherungswesen, die verschiedenen Haftungsfragen oder Schadenabwicklungen, auch wenn Mitarbeitende beispielsweise mit ihren Privat-PKW zu geschäftlichen Terminen gefahren seien – all dieser Aufwand sei nun massiv reduziert worden.
Heute stehen an der neuen Zentrale der Sparkasse Bremen nicht mehr 14 Poolfahrzeuge, sondern mittlerweile sieben Carsharing-Fahrzeuge von cambio. Wie Lasse Schulz erklärt, ist die Station grundsätzlich öffentlich und jeder cambio-Kunde könne dort auch ein Fahrzeug mieten. Und weil es eine Universitätsgegend ist, gebe es auch viele Fremdnutzer. „Allerdings sind diese Fahrzeuge stationsbasiert und müssen auch dort wieder abgestellt werden.“ Und die Sparkasse hat fünf der Fahrzeuge in ihren Hauptgeschäftszeiten gegen eine Gebühr reserviert, um sie auch wirklich den Mitarbeitenden zur Verfügung stellen zu können. Dabei hat cambio mit der Sparkasse einen Vertrag geschlossen, der auch einen Mindestumsatz für die dort bereitgestellten Fahrzeuge beinhaltet. Wird weniger gefahren, bleiben die Kosten dennoch planbar und nur Mehrfahrten werden zusätzlich berechnet.
Da die Bedarfsanalyse jedoch sehr eindeutig ist, halten sich ungeplante Zusatzkosten sehr in Grenzen. Und beispielsweise in Ferienzeiten, wenn klar ist, dass Fahrzeuge von Sparkassen-Mitarbeitenden gar nicht genutzt werden, werden sie aus der Reservierung gelöst und stehen ebenfalls öffentlich zur Verfügung. Die dann von cambio-Kunden getätigten Umsätze durch Miete an dieser Station werden gegen den Mindestumsatz der Sparkasse gerechnet.
Das Buchen der Fahrzeuge für die Sparkassen-Angestellten erfolgt direkt übers cambio-System: Im Web, in einer App oder auch per Telefon. „Damit tragen wir auch dem Rechnung, dass nicht alle Kolleginnen und Kollegen gleichmäßig digitalaffin sind“, erläutert Michael Hilbers. Dabei meldet sich jede Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter, der eine Fahrberechtigung für die Corporate Carsharing Fahrzeuge benötigt intern beim Team von Michael Hilbers. Nach einem entsprechenden Antrag, in dem schon noch nachgewiesen werden muss, dass wirklich dienstliche Fahrten erforderlich sind, werden die Mitarbeitenden bei cambio unter der Sparkassen-Kundennummer gelistet und erhalten einen cambio-Zugang, mit dem sie die Fahrzeuge buchen können. Das funktioniere reibungslos, sagt Hilbers.
Für die Fahrberechtigten der Sparkasse hat das Corporate Carsharing auch noch einen privaten Vorteil: Sie können Cambio-Fahrzeuge an allen Stationen privat zu einem vergünstigten Tarif buchen und zahlen keine Anmeldegebühr. „Wir haben hier ja keinen zusätzlichen Aufwand im Kundenmanagement“, erklärt Lasse Schulz. Dabei steuert die Sparkasse keinen Extra-Beitrag dazu und somit ist der günstige Tarif für die Mitarbeitenden auch nicht steuerlich relevant.
Wie bei jedem Umstieg von gewohntem, bequemen auf Neues hatte auch der Wechsel von Pool-Fahrzeugen hin zum Modell des Corporate Carsharing mit cambio ein paar Reibungspunkte bei der Sparkasse. „Aber der Widerstand hielt sich sehr in Grenzen. Natürlich gab es den einen oder anderen, der um sein direkt zugeordnetes Poolfahrzeug zur ausschließlichen Nutzung trauerte.“ Die Denke damals sei vielleicht auch noch etwas anders gewesen. Heute sei das jedoch kein Thema mehr.
Schließlich habe die Sparkasse mit dem Modell auch gezeigt, dass sie kostenbewusst agiert. Das scheint auch bei der Kundschaft gut angekommen zu sein.
Heute stehen den Mitarbeitenden an der Zentrale zwei Elektroahrzeuge, ein VW ID.3 und ein Renault Zoe sowie verschiedene Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum Kompaktkombi mit Verbrennungsmotoren zur Verfügung. Zwei Wallboxen sind an den cambio-Stellplätzen für die batterieelektrischen Fahrzeuge installiert. Die Kosten für die Infrastruktur trägt die Sparkasse über ein Betreibermodell des Energieversorgers. „Wir haben heute in Summe zehn Ladepunkte an unserer Zentrale – für Mitarbeitende, für Kunden und für Cambio“, sagt Hilbers. Den derzeitigen Bedarf könne man damit gut decken.





Bei cambio plant man damit, die gesamte Flotte weiter zu elektrifizieren. „Wir haben an dieser Station nun das zweite Fahrzeug als Elektrofahrzeug platziert und mit Sicherheit werden wir in den kommenden Jahren diesen Weg grundsätzlich weitergehen. Die nächsten Schritte stimmen wir mit der Sparkasse ab“, sagt Lasse Schulz zum Bremer Standort „Campus Sparkasse“.
Für die Sparkasse Bremen spielt das Corporate Carsharing mittlerweile auch eine bedeutende Rolle bei der Nachhaltigkeitsberichtersttatungspflicht gemäß der CSRD der EU. „Viele Unternehmen sind davon betroffen, die sich damit bisher noch nicht befasst haben. Und in der Zukunft werden das immer noch mehr werden“, sagt Lasse Schulz. „Der Vorteil beim Carsharing oder vor allem mit Cambio ist jetzt, dass wir in unseren Fahrtenarchiven für jede gefahrene Strecke detaillierte CO2-Werte ausgeben können. Man hat diese Angaben transparent im System, muss sie nicht selbst erheben oder extern beauftragen. Es steht einfach im Fahrtenarchiv. Wir wissen also genau, wieviel Kilogramm CO2 ein Kunde durch die betriebliche Mobilität mit unseren Fahrzeugen erzeugt hat“, sagt Schulz. Das sei ein Riesenthema, bestätigt auch Hilbers. „Ab einer gewissen Umsatzgröße ist man nun mal berichtspflichtig.“ Die Nachhaltigkeit sei selbstredend auch in der Unternehmensstrategie der Sparkasse verankert
Carsharing wird also sowohl beliebter als auch zunehmend interessanter für Unternehmen. Die profitieren dabei vom insgesamt deutlich wachsenden Markt in Deutschland und damit von der Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Anbietern. Laut Bundesverband CarSharing (bcs) hat sich die Zahl der von Carsharing bereitgestellten Fahrzeuge mit Stichtag 1. Januar 2024 um 27,1 Prozent zum Vorjahr erhöht – auf mehr als 43.100 Fahrzeuge. Mehr als 5,5 Millionen Fahrberechtigte zählen die Anbieter laut bcs (nicht überschneidungsfrei).
cambio ist, an der Flottengröße gemessen, der viertgrößte Anbieter in Deutschland hinter Miles, Share Now (beide ausschließlich mit Free-Floating-Flotten ohne Stationsbindung) und stadtmobil (wie cambio kombiniert mit Free-Floating und Stationsbindung).
… Lasse Schulz, Geschäftsführer cambio Carsharing Bremen
Herr Schulz, Wie hat sich der Markt für Corporate Carsharing in den vergangenen Jahren entwickelt und wie glauben Sie, wird die Entwicklung in den kommenden Jahren sein?
Lasse Schulz: Unser Geschäft hat sich durchaus positiv entwickelt. Das Feld ist definitiv ein Wachstumsmarkt. Wir haben beständig betriebliche Kunden dazugewonnen und sind bei knapp unter 30 Prozent der Kunden, die uns betrieblich nutzen. In Zahlen heißt das: Von deutlich mehr als 200.000 Personen, die bei uns ein Kundenkonto haben, sind es etwa 60.000, die Carsharing betrieblich nutzen. cambio ist in den vergangenen Jahren jeweils zwischen zehn und 20 Prozent gewachsen. Da gehe ich davon aus, dass wir das auch in den kommenden Jahren tun und ich gehe fest davon aus, dass diese Wachstumsraten auch im Corporate Carsharing zu sehen sein werden. Denn, ganz ehrlich, ich sehe für kaum eins der vorhandenen Poolfahrzeuge in Betrieben im Geschäftsgebiet von Carsharing-Organisationen wirklich einen ökonomischen und organisatorischen Sinn.
Der größte Teil ist besser durch Carsharing-Fahrzeuge zu ersetzen. Und das ist das große Wachstumspotenzial von Corporate Carsharing. Es sind viele Anbieter auf dem Markt dazugekommen, einige bieten Corporate Carsharing ganz exklusiv als Insellösung an, andere bieten es wie wir in ein großes Netz öffentlicher Carsharing-Stationen eingebettet an. Auf der anderen Seite steigt die Nachfrage enorm, da es für viele Anwender die supersmarte Lösung ist, die einfach funktioniert.
Worin sehen Sie die Hauptgründe, dass Unternehmen Carsharing-Angebote nutzen?
Schulz: Zum einen ist es natürlich die ökonomische Denke. Am Beispiel der Sparkasse Bremen sieht man das sehr deutlich: Wir liegen bei den realistischen Gesamtkosten bei einem Drittel pro gefahrenem Kilometer im Vergleich zu den Poolfahrzeugen von früher.
Ein weiterer großer Treiber ist die Digitalisierung, die ermöglicht hat, dass die betriebliche Mobilität mit Carsharing in vielen Belangen deutlich einfacher geworden ist. Es gibt nicht mehr den Hausmeister oder die Mitarbeiterin am Empfang, die die Schlüssel in der Schublade verwaltet und rausgibt. Die Mitarbeitenden müssen nicht nach jeder Fahrt das Fahrtenbuch aus Papier ausfüllen. Durch die Entwicklung von Buchungssoftware und Zugangstechnik mittels Telematik-System und Zugriff via App ist das Thema sehr agil und anwenderfreundlich geworden. Mitarbeitende können selbst entscheiden, wann sie ein Auto brauchen und buchen das schnell mit ihrem Smartphone, verschieben die Buchung, verkürzen oder verlängern sie. Softwarebasiert verteilen wir das auf die Fahrzeuge und optimieren die Auslastung und dadurch die Verfügbarkeit. Das ist ein attraktives Paket für betriebliche Mobilität.
Und ein weiterer Treiber wird immer bedeutender für Unternehmen: Ich kann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern genau wie den Kundinnen und Kunden zeigen, dass verantwortungsvoll mit Ressourcen umgegangen wird.
Wie sieht die Tarifstruktur für Corporate Carsharing bei cambio aus? Erhält jedes anfragende Unternehmen einen eigens ausgehandelten Tarif?
Schulz: Wir haben zwei B2B-Tarife und einen davon hat auch die Sparkasse Bremen. Einen mit einer Grundgebühr und einem geringeren Nutzungspreis und auch einen für wenig fahrende Unternehmen ganz ohne Grundgebühr, dafür mit etwas höheren Nutzungskosten. Heißt: Selbst für Unternehmen, die gar nicht wissen, ob ihre Mitarbeiter die Fahrzeuge nutzen, entstehen null Grundkosten. Den kann ich auch einfach so als Mobilitätsversicherung nebenbei haben und habe dann immer die Möglichkeit, ein Auto zu nehmen, wenn es mal sein muss. Bei dem Tarif mit den monatlichen Kosten wird es aber auch günstiger, je mehr Fahrberechtigte ich anmelde. Insofern findet eigentlich jedes Unternehmen den richtigen Tarif unter den beiden Angeboten.
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