Der kriselnde Autohersteller Ford plant offenbar den Verkauf von Teilen des Produktionswerkes am Standort Köln. Der Betriebsrat warnt vor schlechteren Arbeitsbedingungen.
Nach Angaben des Betriebsrats von Ford Deutschland und der IG Metall gibt es derzeit konkrete Gespräche über den möglichen Verkauf von Werksteilen am Standort Köln. Das Management beabsichtige demnach, einen Teil der Belegschaft über sogenannte Betriebsübergänge in andere Unternehmen zu überführen. Daran übt der Betriebsrat deutliche Kritik: Die Beschäftigten müssten nach einem solchen Wechsel mit schlechteren Arbeitsbedingungen rechnen. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens zu den Plänen gibt es derzeit nicht.
Bereits Ende 2024 war bekannt geworden, dass Ford in Deutschland rund 2.900 Stellen in den kommenden drei Jahren abbauen will. Derzeit arbeiten noch über 12.000 Menschen am Standort Köln – vor wenigen Jahren waren es noch fast 20.000. Europaweit ist ein Abbau von 4000 Stellen geplant, darunter 800 in Großbritannien und 300 in weiteren EU-Ländern. Die Fläche des Werks blieb trotz der schrumpfenden Belegschaft unverändert.
Die Lage bei Ford ist angespannt. Zwar brachte der Konzern mit viel Kapital zwei neue Elektrofahrzeuge – den Explorer und das SUV-Coupé Capri – auf den Markt, doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück. Auch der neue vollelektrische Puma gilt als vergleichsweise teuer und hat es schwer, sich durchzusetzen. Hinzu kommt, dass mit dem Ford Focus ein langjähriger Bestseller bald eingestellt wird. Ein Nachfolgemodell ist nicht geplant.
Im März kündigte die US-Zentrale des Autobauers eine milliardenschwere Finanzhilfe für den deutschen Ableger an, um bestehende Schulden abzubauen. Gleichzeitig zog Ford jedoch eine Zusage aus dem Jahr 2006 zurück, die Schulden des deutschen Standorts zu übernehmen. Künftig steht die deutsche Tochtergesellschaft damit in finanziellen Fragen weitgehend allein da. Der Automobilhersteller Ford steht an seinem traditionsreichen Standort in Köln vor einem möglichen tiefgreifenden Umbruch.
Gegründet hat Ford das Produktionswerk in Köln im Beisein des damaligen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer bereits im Jahr 1930. In den letzten Jahren investierte der Konzern Milliardenbeträge, um die Produktion auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Dennoch bleibt der erhoffte wirtschaftliche Erfolg bislang aus. Die Situation verdeutlicht den zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf den Traditionsstandort Köln und wirft Fragen über die langfristige Perspektive von Ford in Deutschland auf. Der Ausgang der aktuellen Gespräche dürfte für die Beschäftigten wie auch für die gesamte Region von großer Bedeutung sein. (ja)