Die aktuelle Allianz Trade Global Survey zieht ein düsteres Resümee über den Stand des internationalen Handels. Insbesondere die Verkündung hoher US-Zölle hat den Ausblick von Exporteuren deutlich verschlechtert.
Welthandel in der Krise: Deutsche Exporteure sorgen sich deutlich mehr um geopolitische Risiken und Protektionismus als Exporteure aus anderen Ländern. Zu diesem Ergebnis kam die aktuelle Allianz Trade Global Survey, in der 4.500 Exporteure aus neun Ländern zu den aktuell größten Chancen und Risiken im Welthandel befragt wurden. Auch hohe Energiekosten, Lieferkettenstörungen und Zahlungsrisiken machen den Befragten zu schaffen. In Deutschland erwartet fast jedes vierte Unternehmen eine sich verschlechternde Zahlungsmoral und ein Drittel mehr Zahlungsausfälle. Weltweit rechnet fast die Hälfte der Exporteure mit einem erhöhten Zahlungsausfallrisiko.
Mit dem Amtsantritt Donald Trumps spitzten sich die Sorgen um eine Eskalation der internationalen Handelspolitik zu. Schon während seines Wahlkampfs sprach er vermehrt von Zöllen, mit denen er die Wareneinfuhren nach Amerika erschweren will. Ende März 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump dann ein Dekret, mit dessen Inkrafttreten die Zölle auf Automobilimporte in die USA auf 25 Prozent stiegen. Mit der Verkündung von weltweiten, individuell ausfallenden Zöllen am darauffolgenden „Liberation-Day“ eskalierten die Zölle dann völlig, mit massiven Folgen für Exporteure: „Die positiven Exportprognosen haben sich weltweit halbiert, von 80 Prozent auf 40 Prozent“, sagt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade. „Der Liberation Day hat die Schwachstellen von Unternehmen mit stark konzentrierten Lieferketten und Exportmärkten offenbart. 42 Prozent der Unternehmen rechnen nun mit einem Rückgang ihrer Exportumsätze zwischen 2 Prozent und 10 Prozent. Vor dem US-Liberation Day waren das gerade mal 5 Prozent.“ Trotz der jüngsten Handelsabkommen mit Großbritannien und China schätzen die Studienautorinnen und Studienautoren den weltweiten Exportverlust für das Jahr 2025 auf 305 Milliarden Euro.
Bei deutschen Unternehmen haben sich die Wachstumsaussichten bei den Ausfuhren stark eingetrübt. Lediglich 40 Prozent der deutschen Exportunternehmen rechnen jetzt mit steigenden Umsätzen. Davor waren es noch gut 80 Prozent. Wenig überraschend rechnet jedes vierte deutsche Unternehmen mit einem Rückgang des eigenen Exportumsatzes. Die Auswirkungen gehen dabei über das reine Handelsvolumen hinaus: Rund ein Drittel der befragten Unternehmen in Deutschland erwägt aufgrund der Kombination aus Zöllen und Währungsschwankungen eine vorübergehende Einstellung der Produktion.
Um die Auswirkungen des Handelskriegs zu kompensieren, greifen Unternehmen zu unterschiedlichen Methoden. Nur jedes fünfte Unternehmen weltweit plant, die gestiegenen Kosten aufzufangen. Die Weitergabe der gestiegenen Kosten an Kundinnen und Kunden ist hingegen bei rund 38 Prozent der weltweiten Unternehmen geplant. Deutsche Exporteure sind bei Preiserhöhungen mit etwa 32 Prozent zurückhaltender. Hierzulande planen rund 17 Prozent der Unternehmen sogar, ihre Preise zu senken, um Marktanteile zu halten – das ist mehr als der globale Durchschnitt. „Die Mehrkosten sind nicht zu leugnen. Um diese stemmen zu können, setzen die deutschen Exporteure jetzt massiv auf Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen in der eigenen Produktion“, sagt Dr. Jasmin Gröschl, Senior Volkswirtin von Allianz Trade. (ks)
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