Nach dem Zusammenschluss von ALD und Leaseplan startet Ayvens auch in Deutschland. Geschäftsführer Martin Kössler und Stefan Koch über Kultur, Kundenfokus, Leasingtrends, Elektromobilität und datenbasierte Services.
Nach mehr als zwei Jahren intensiver Integrationsarbeit ist die neue Marke Ayvens auch in Deutschland offiziell gestartet. Der Zusammenschluss von ALD Automotive und Leaseplan zählt zu den größten Transformationen im europäischen Mobilitätsmarkt. Clemens Noll-Velten sprach mit Martin Kössler und Stefan Koch über Teamgeist, Digitalisierung, neue Services – und darüber, wie man aus zwei starken Unternehmen eine gemeinsame Kultur formt.
Martin Kössler: Es war ein bewegender Moment – ein echter Meilenstein. Wenn man zwei Jahre lang an einem Ziel arbeitet, dann ist es etwas Besonderes, wenn man endlich das Band durchschneidet. Für mich war das pure Freude, Stolz und auch Erleichterung. Wir haben in dieser Zeit unglaublich viel geleistet – strategisch, technisch und menschlich. Und das Schönste ist: Dieser Launch war nicht nur ein Abschluss, sondern zugleich ein Aufbruch in die nächste Etappe.
Stefan Koch: Ganz ähnlich. Viele Monate lang war unsere Arbeit nach außen kaum sichtbar – das ist in Integrationsphasen ganz normal. Umso stärker war das Gefühl, als wir den neuen Namen endlich zeigen konnten. Der Brand Launch hat uns allen vor Augen geführt: Das, woran wir so lange gearbeitet haben, ist jetzt Realität. Für mich persönlich war das ein sehr emotionaler Moment – und gleichzeitig ein echter Motivationsschub. Jetzt geht’s richtig los.
Koch: Für mich gab es keinen einzelnen Aha-Moment, sondern viele kleine. Immer dann, wenn Teams aus beiden Häusern gemeinsam an Themen gearbeitet und diesen besonderen „Wir-Spirit“ entwickelt haben. Das war nicht von Anfang an überall gleich – aber genau das war das Schöne: zu sehen, wie aus zwei Organisationen nach und nach ein gemeinsames Unternehmen entsteht.
Kössler: Ich bin ja erst im Laufe der Integration dazugekommen und habe das von außen erlebt. Für mich war beeindruckend zu sehen, wie engagiert und offen die Teams diesen Prozess angenommen haben. Es gab viele Etappen – interne Meilensteine, abgeschlossene Projekte, erfolgreich verhandelte Vereinbarungen. Jedes Mal war das ein Moment, an dem man gespürt hat: Wir kommen voran. Entscheidend war dabei immer der Teamgedanke.
Kössler: (lacht) Abgesehen davon, dass ich heute weniger Haare habe? Ernsthaft: Die Branche hat sich grundlegend gewandelt. Früher war Leasing ein überschaubares Geschäft – ein paar Kernmodelle, ein klar definiertes Kundensegment, vor allem große Unternehmen. Heute ist alles viel komplexer. Wir sprechen über neue Antriebsformen, Digitalisierung, Nachhaltigkeit. Was gleichgeblieben ist: Der Kunde steht im Mittelpunkt. Unsere Aufgabe ist es, ihm das Leben leichter zu machen – mit Lösungen, die funktionieren. Aber diese Lösungen sind heute viel digitaler, individueller und datengetriebener als früher.
Koch: Ganz klar die Komplexität. Zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, IT-Systemen und Strukturen zusammenzuführen, ist kein Selbstläufer. Dazu kam die geografische Distanz: unsere Standorte in Düsseldorf und Hamburg liegen über 400 Kilometer auseinander. Trotzdem war uns von Anfang an wichtig, den Blick für den Kunden nicht zu verlieren.
Kössler: Genau. Wir haben oft gesagt: Wir wollen das Beste aus beiden Welten schaffen. Das heißt aber auch, dass man Gewohnheiten hinterfragt, Prozesse verändert und offen bleibt für Neues. Diese Integration war nur möglich, weil viele Menschen über Standorte und Kulturen hinweg an einem Strang gezogen haben.
Koch: Da prallen zunächst zwei starke Identitäten aufeinander. Beide Unternehmen hatten eine gewachsene Kultur und Mitarbeiter, die sehr stolz auf ihre Historie waren. Das ist etwas Positives – aber es bedeutet auch, dass man Raum für Veränderung schaffen muss. Wir haben viele Formate genutzt, um die Teams zusammenzubringen: Workshops, All-Staff-Calls, gemeinsame Messeauftritte. Der Markenlaunch war dann der symbolische Startpunkt für die neue Identität.
Kössler: Kultur entsteht nicht in PowerPoint-Folien, sondern im täglichen Miteinander. Wir haben bewusst viel kommuniziert – offen, transparent, auch über Unsicherheiten. Entscheidend war, dass wir den Mitarbeitenden Perspektiven gegeben haben. Der Zusammenschluss schafft ja nicht nur Synergien, sondern auch neue Entwicklungsmöglichkeiten.
Kössler: Wir verstehen uns als Komplettanbieter – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum internationalen Konzern. Unsere Unabhängigkeit von Herstellern erlaubt uns, objektiv zu beraten und maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln.
Koch: Hinzu kommt unsere Bandbreite an Dienstleistungen: Leasing, Fuhrparkmanagement, Versicherung, Mietwagen, Abo-Modelle – alles aus einer Hand. Und mit der Stabilität eines regulierten Finanzinstituts im Hintergrund.
Kössler: Wir sehen dort einen klaren Trend zum Leasing. Zwischen 60 und 80 Prozent der Handwerksbetriebe setzen inzwischen darauf. Das liegt an steuerlichen Vorteilen, aber vor allem an der Planbarkeit. Leasing gibt Sicherheit – beim Restwert und bei der Technik.
Koch: Der Handwerker möchte sich auf sein Geschäft konzentrieren. Wir kümmern uns um alles, was mit dem Fahrzeug zu tun hat – von Wartung über Schadenmanagement bis zur Vermarktung. Das spart Zeit und Ressourcen.
Kössler: Wir stehen an einem Wendepunkt. Elektrifizierung, Digitalisierung und kultureller Wandel verlaufen parallel. Fuhrparkmanager werden zu Mobilitätsmanagern, die ganzheitlich denken. In fünf Jahren sprechen wir über Mobilitätsportfolios statt Fuhrparks.
Koch: Leasing bleibt wichtig, aber Abo-Modelle, Carsharing und Mobilitätsbudgets gewinnen an Gewicht. Unternehmen wollen Optionen bieten – nicht nur Fahrzeuge.
Kössler: Verlässlichkeit. Unternehmen brauchen stabile steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen, um investieren zu können.
Koch: Und langfristige Förderprogramme, die Transformation wirklich begleiten – nicht nur kurzfristige Impulse.
Koch: Wir wollen die Integration erfolgreich abschließen und unser Portfolio konsequent weiterentwickeln. Unsere Mission lautet: Einfach, nachhaltig, partnerschaftlich.
Kössler: Wir wollen Partner auf Augenhöhe sein – nicht nur Fahrzeuge managen, sondern Lösungen denken. Wenn unsere Kunden sagen: „Mit Ayvens läuft’s einfach“, dann haben wir unser Ziel erreicht.