Chinesische Automarken gewinnen im deutschen Neuwagengeschäft an Bedeutung. Wachsende Händlernetze und steigende Exporte treiben die Entwicklung.
Hersteller aus China kommen im deutschen Pkw-Markt zunehmend aus der Nische. Zwar bleibt ihr Anteil niedrig, die Dynamik nimmt jedoch spürbar zu.
Im ersten Quartal entfielen rund 3,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland auf chinesische Marken, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht. Im Gesamtjahr 2025 lag der Anteil bei 2,4 Prozent, im Jahr 2024 bei 1,7 Prozent. Besonders stark vertreten sind BYD und MG Roewe, die zusammen deutlich mehr als die Hälfte der chinesischen Neuzulassungen stellen. Europäische Marken in chinesischem Besitz wie Volvo oder Smart sind nicht berücksichtigt.
Auf EU-Ebene sind chinesische Anbieter weiter. Laut Branchenverband ACEA kamen BYD im Januar und Februar auf einen Marktanteil von 1,8 Prozent, die SAIC-Gruppe mit MG und Maxus auf 1,9 Prozent. Zahlen für März liegen noch nicht vor.
Im Fahrzeugbestand bleibt der Einfluss gering. Von 49,5 Millionen in Deutschland zugelassenen Autos entfielen zum 1. Januar lediglich 131.000 auf chinesische Marken, was rund 0,26 Prozent entspricht.
Nach Einschätzung von Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft treiben vor allem ausgebaute Händlernetze den Absatz. MG Roewe verfüge über rund 180 Standorte, BYD über etwa 155. Leapmotor komme durch eine Kooperation mit Stellantis auf rund 120 Standorte. „Die Marken haben erkannt, dass es für Erfolg in Deutschland ein Händlernetz braucht“, sagt Reindl.
Auch große Handelsgruppen setzen auf chinesische Hersteller. Burkhard Weller von der Wellergruppe bietet BYD an 12 Standorten und MG Roewe an 10 Standorten an. „Der Absatz läuft gut“, sagt Weller. Kunden kämen meist gezielt und gut informiert.
Reindl geht dennoch davon aus, dass sich nicht alle Marken etablieren werden. Langfristig erwartet er fünf bis sechs Anbieter mit insgesamt acht bis zehn Prozent Marktanteil.
In China steigt der Wettbewerb, Preiskämpfe belasten die Margen. Umso stärker wächst das Exportgeschäft. Im März verschifften chinesische Hersteller laut dem Branchenverband CPCA rund 349.000 Elektro- und Hybridfahrzeuge, knapp 140 Prozent mehr als im Vorjahr.
Zusätzlichen Rückenwind sehen Berater durch steigende Energiepreise infolge der Unruhen im Nahen Osten. Zugleich gelten seit 2024 EU-Zusatzzölle auf E‑Autos aus China, die den Marktausbau bislang aber nicht gestoppt haben. Einige Hersteller treiben ihre Produktion in Europa voran. (dpa)