Neue Transporter, weniger Standzeiten und vielfältige Antriebe: Ein Überblick über Lösungen auf der IAA Transportation, die für Fuhrparks wichtig werden.
Auf der IAA Transportation 2026 wurde greifbar, wie schnell Zukunftsvisionen im Nutzfahrzeugbereich Realität werden. Mehr als 150 Weltpremieren und Neuheiten standen für neue Antriebe, digitale Dienste und automatisierte Lösungen. Für Fuhrparks wird dabei das Zusammenspiel aus Fahrzeug, Energie, Daten und Service entscheidend. Diese Aussteller und ihre Lösungen sind dabei:
Ford Pro zeigte auf der IAA den Transit City erstmals in mehreren Aufbauvarianten, darunter als Pritsche, mit Kofferaufbau und als Kastenwagen mit Regal-Innenausbau. Beim E-Transit erweitert Ford das Angebot um eine 96-kWh-Batterie. Sie ermöglicht laut Ford bis zu 432 Kilometer Reichweite. Mit bis zu 180 kW Ladeleistung soll sich der Akku in 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden lassen.



Neben den Fahrzeugen rückt Ford Pro die Verfügbarkeit stärker in den Mittelpunkt. Beim Dealer Uptime Service überwacht der Händler die Daten vernetzter Fahrzeuge und meldet proaktiv Wartungsbedarf. Für größere Flotten kommen Uptime Services und Uptime Insights hinzu. Ford Pro koordiniert dabei Werkstatttermine und lässt benötigte Teile vorbestellen.
„Eine weitere Telematik-Anwendung allein entlastet keinen Fuhrparkmanager. Mit den Uptime Services übernehmen wir die Überwachung der Fahrzeugdaten, erkennen Handlungsbedarf frühzeitig und leiten daraus konkrete Maßnahmen ab, bis hin zur Koordination von Wartung und Reparaturen“, sagt Wilhelm Buchmüller, Ford Pro Direktor für die DACH-Region.
Mit dem vollelektrischen BOW zeigte Stellantis Pro One ein autonomes Logistikkonzept für die letzte Meile. Der Demonstrator fuhr auf der IAA ohne Fahrer über das Messegelände und soll zeigen, wie autonome Fahrzeuge bei urbanen Lieferaufgaben eingesetzt werden könnten. Entwickelt wurde das Konzept gemeinsam mit UQI Robotics.
„Die Technologie ist da. Jetzt geht es vor allem darum, die regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Gerade in der Logistik können autonome Fahrzeuge dazu beitragen, Betriebskosten zu senken und gleichzeitig dem Fahrermangel entgegenzuwirken“, sagt Eric Laforge, Senior Vice President Stellantis Pro One. In China seien solche autonomen Logistikfahrzeuge bereits deutlich weiter verbreitet und teils schon im regulären Einsatz, erklärte Laforge weiter.



Daneben feierte der neue Smart Compact Van seinen ersten Live-Auftritt. Das Modell wird bei Citroën, Fiat, Opel und Peugeot unter unterschiedlichen Namen angeboten und soll mit verschiedenen Innenraumlösungen und Antrieben möglichst viele gewerbliche Einsätze abdecken.
Mit Pro One Next richtet Stellantis den Blick ebenfalls stärker auf die Fahrzeugverfügbarkeit. Das System verknüpft Fahrzeugdaten, Konnektivität und KI, um Probleme frühzeitig zu erkennen und Fälle proaktiv zu bearbeiten. Die Lösung ist für die rund 800.000 vernetzten Stellantis-Pro-One-Fahrzeuge ausgelegt. Erste Leitstellen sind bereits in Großbritannien und den USA in Betrieb, weitere sollen schrittweise in Europa folgen.
Mit „The BOuLDER“ gab Mercedes-Benz Vans auf der IAA einen ersten Ausblick auf die nächste Sprinter-Generation und einen künftigen mittelgroßen Van. Beide sollen auf der neuen modularen und antriebsflexiblen Van-Architektur basieren. Das erste Serienmodell auf dieser Architektur ist der elektrische VLE, der in Hannover als Shuttle-Fahrzeug Messepremiere feierte.
„Unsere Kunden setzen zunehmend auf elektrische Vans. Mit der neuen VAN-Architektur schaffen wir die Grundlage, dieses Angebot gezielt über Segmente und Einsatzbereiche hinweg weiterzuentwickeln“, betont Mathias Vaitl, Leiter Marketing & Sales Mercedes-Benz Vans.


Mit Mercedes-Benz PRO bündelt der Hersteller Fahrzeuge, digitale Dienste, Lade- und Finanzierungslösungen sowie Serviceangebote zu einem Gesamtpaket für Gewerbekunden. Beim Thema Fahrzeugverfügbarkeit setzt Mercedes-Benz Vans zudem auf den Van Uptime Monitor. Fahrzeugdaten sollen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und die Abstimmung zwischen Kunde, Werkstatt und gegebenenfalls Aufbauhersteller zu verbessern.
Volkswagen Nutzfahrzeuge ergänzte den ID. Buzz Cargo um eine Version mit langem Radstand. Sie bietet 4,4 Kubikmeter Ladevolumen und bis zu 697 Kilogramm Nutzlast. Parallel baut VWN mit Connect Pro die digitalen Dienste für Flotten weiter aus.
Für künftige autonome Transporte zeigte Volkswagen Nutzfahrzeuge außerdem den ID. Buzz Cargo AD. Das fahrerlose Fahrzeug ist für Anwendungen wie urbane Lieferungen, Ersatzteillogistik oder Lebensmitteltransporte vorgesehen.
Kia feierte mit dem elektrischen PV7 Weltpremiere. Die Cargo-Version soll mit der großen Batterie bis zu rund 460 Kilometer Reichweite schaffen und dank 800-Volt-Technik in etwa 25 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. Der Marktstart in Europa ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant.
Spannend für Flotten ist auch der Ansatz dahinter: Über „Kia Business Solutions“ will der Hersteller Flottenmanagement, Laden, Wartung und vernetzte Fahrzeugdaten zusammenführen. Langfristig soll die PV7-Familie auf 23 Varianten wachsen.
Mit Fleet Insights erweitert Webfleet seine Plattform um Vergleichsdaten und KI-gestützte Empfehlungen. Flotten werden anhand von Kriterien wie Größe, Fahrzeugmix, Branche und Region vergleichbaren Gruppen zugeordnet. So können Fuhrparkmanager beispielsweise erkennen, wie der eigene Verbrauch im Vergleich zu ähnlichen Flotten ausfällt. Über den KI-Assistenten Fleet Advisor können Fuhrparkmanager ihre Flottendaten in natürlicher Sprache abfragen.
„Gerade bei Mischflotten bleibt unabhängige Telematik relevant“, sagt Wolfgang Schmid, Head of Central Region bei Webfleet. Zwar verfügten Fahrzeughersteller über besonders tiefe Daten ihrer eigenen Modelle, bei mehreren Marken müsse ein Fuhrpark die Informationen jedoch übergreifend zusammenführen.
Zu den Neuheiten von Geotab auf der IAA gehörte der MCP Connector. Er verbindet Live-Daten aus MyGeotab mit KI-Anwendungen wie ChatGPT, Claude oder Microsoft Copilot. „KI hilft uns dabei, die Daten aus dem Fuhrpark so aufzubereiten, dass sie verständlich und direkt nutzbar werden.
Daten sind nur dann wertvoll, wenn sie rechtzeitig ankommen und sich auch verwerten lassen“, sagt Ralf Urlings von Geotab. „Ich kann das System etwa fragen, welche Fahrer die höchsten Leerlaufzeiten haben. So lassen sich gezielt Kraftstoffverbrauch und Kosten senken“, führt Urlings als Beispiel an.
Zusätzlich baut Geotab den Sicherheitsbereich aus. Neue Kameralösungen sollen Risiken früher erkennen und Video- mit Telematikdaten verknüpfen.
Mit dem ETT 44 zeigte BYD in Hannover seinen schweren Elektro-Lkw für Europa. „Der ETT 44 wird ab dem vierten Quartal 2026 verfügbar sein. Anfang 2027 werden wir das Nutzfahrzeuggeschäft in Europa dann weiter hochfahren“, sagt Baris Akyalcin, Head of E-Truck Department Europe bei BYD Europe.
Die Fahrzeuge werden zwar in China produziert, seien laut Akyalcin aber speziell für den europäischen Markt entwickelt worden. BYD will dabei nicht nur das Fahrzeug liefern, sondern auch Ladeinfrastruktur, Service, Wartung und langfristige Garantieangebote einbinden.
Auf die Frage, warum europäische Fuhrparks auf BYD setzen sollten, antwortet Akyalcin: „Für Flottenmanager ist die TCO entscheidend. Wir glauben, dass wir hier wettbewerbsfähiger sein können, weil zentrale Technologien wie Batterie, Elektromotor und Antrieb von BYD selbst kommen.“
Neben BYD erhöht auch Tesla den internationalen Wettbewerbsdruck im schweren Nutzfahrzeugsegment. Die ersten Semi sollen 2027 an europäische Kunden übergeben werden. Für den Fernverkehr setzt Tesla auf Megawattladen. Produziert wird der Semi in einer neuen Fabrik nahe der Gigafactory Nevada, die auf eine Kapazität von bis zu 50.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt ist.


Cespira, ein Joint Venture von Volvo Group und Westport Fuel Systems, setzt mit HPDI (High Pressure Direct Injection) auf eine Technik, bei der ein Dieselmotor zu rund 95 Prozent mit LNG beziehungsweise Bio-LNG betrieben wird. Bio-LNG ist verflüssigtes Biomethan aus erneuerbaren Rohstoffen und die klimafreundlichere Alternative zu fossilem LNG, also verflüssigtem Erdgas. Eine kleine Menge Diesel dient als Zündquelle. So sollen Leistung, Drehmoment und Verbrauch eines Dieselmotors erhalten bleiben, während sich mit Bio-LNG die CO₂-Emissionen senken lassen.
„Batterieelektrische Antriebe werden Teil der Dekarbonisierung sein. Bei schweren Anwendungen bleiben aber Reichweite, Nutzlast, Kosten und Ladezeiten Herausforderungen. Mit HPDI können wir diese Einsatzbereiche mit alternativen Kraftstoffen adressieren und gleichzeitig die Eigenschaften eines Dieselmotors erhalten“, sagt Scott Baker, Chief Technology Officer bei Cespira.


Als weiteren Vorteil nennt Baker die kurze Betankungszeit: LNG ließe sich innerhalb weniger Minuten tanken, ähnlich wie Diesel. Auch beim TCO sieht er dank des geringen Verbrauchs und günstiger Kraftstoffpreise Potenzial. Zum Jahresende plant Cespira die nächste HPDI-Generation. Injektoren und Druckregler sollen dabei bereits für weitere Kraftstoffe ausgelegt sein, darunter Wasserstoff.