Deutscher Pkw-Markt schwächelt weiterhin enorm. Der Relevante Flottenmarkt muss herben Rückgang verkraften. Stromer sind ebenfalls schwer unter Druck.
Lange Flaute und schmerzliche Verluste. Die jüngsten Dataforce-Erhebungen für den Juli 2024 bringen große Ernüchterung und eine weiter anhaltende Stagnation hierzulande mit sich. Somit setzt der deutsche Pkw-Markt seinen negativen Trend der letzten Monate fort. Gesamt wurden 238.263 Neuzulassungen erfasst – das sind laut Dataforce 2,1 Prozent weniger als im Juli 2023. Dies beunruhigt umso mehr, weil im Vergleichszeitraum des Vorjahres der Einfluss von Halbleiterkrise und Pandemie erstmals abebbte. Deswegen müsse das negative Wachstum in diesem Jahr noch kritischer bewertet werden. Dabei sah die Welt im Juni 2024 noch ganz anders aus. Das werde Dataforce zufolge besonders deutlich beim Blick auf den saison- und arbeitstäglich bereinigten Trend (SAAR): Mit knapp 3,15 Millionen Fahrzeugen lag dieser merklich über den Vormonaten. Nun habe dieser Wert im Juli 2024 spürbar nachgegeben, sei auf 2.7 Millionen gesunken und reihe sich somit wieder in das gewohnte Muster ein. Die Analyse ist laut Dataforce klar, denn der Juni war durch Sondereffekte (Inkrafttreten der EU-Cybersecurity Richtlinie und vorgezogene Zulassungen von chinesischen Elektroautos vor den Zöllen) künstlich erhöht. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass die vorgezogenen Zulassungen zum Teil nun im Juli fehlten und den Markt zusätzlich belasteten.
Bei den Verkaufskanälen sticht gemäß der aktuellen Dataforce-Erhebung sofort der herbe Rückgang im Relevanten Flottenmarkt heraus. Der Kanal verlor prozentual am stärksten mit -12.6 Prozent. Allerdings, geben die Dataforce-Analysten zu bedenken, müsse bei der Einordnung der Zahlen berücksichtigt werden, dass der Kanal im Vorjahr besonders gut lief. Das habe vor allem am Kaufförderungsende von gewerblich genutzten E-Autos im September gelegen. Im Juli und August des vergangenen Jahres nutzten viele Firmen die letzte Chance, um sich vergünstigt mit Stromern einzudecken. Im Gesamtjahr (YTD: Jan-Jul) liege der Kanal zum Vergleich nur etwa drei Prozent im Minus. Viel entscheidender seien für den Markt jedoch die Rückgänge von -5,3 Prozent im Vermieterkanal gewesen. Im YTD zeigte sich der Kanal als nicht ganz unwichtig mit einem Wachstum von 10 Prozent und fällt deshalb im Juli deutlicher ins Gewicht. Aber auch der Fahrzeughandel verlor laut Dataforce mit einem Wachstum von nur 2,8 Prozent gegenüber seiner YTD-Performance von +15 Prozent. Lichtblick im Juli 2024 sei dagegen der Privatmarkt mit einem Wachstum von 7,3 Prozent gewesen, der in letzter Zeit wieder an Relevanz gewonnen habe und stellvertretend für ein „Zurück-zu-Normal“ sei – nämlich eine Situation in der Privatkunden Dataforce zufolge wieder vermehrt (mit Rabatten) von den Herstellern adressiert werden.
Eines der triftigsten Gründe für die Flottenflaute im Juli 2024 sei der starke Rückgang bei den Stromerzulassungen. Minus 39 Prozent von Stromern wirkten drastisch, allerdings sei das nur eine Seite der Wahrheit. Denn Elektroautos erreichten mit 16,2 Prozent im Juli ihren bisher höchsten Marktanteil im Relevanten Flottenmarkt in diesem Jahr überhaupt. Werden Plug-In-Hybride noch addiert, so kommen Dataforce zufolge beide Kraftstoffarten auf 25,4 Prozent, wodurch mehr als ein Viertel des Marktes ernsthaft elektrifiziert ist. D.h.: prozentual gehe es zwar nach unten, die reale Entwicklung sehe allerdings anders aus – zumindest im Flottenmarkt, wo sich der Elektro-Marktanteil langsam wieder normalisiere. Im Privatmarkt lasse sich indes eine andere Entwicklung erkennen. Seit Wegfall der Förderung im Dezember 2023 ist der Rückgang nicht zu leugnen. Hohe zweistellige Verluste sind seitdem weiterhin an der Tagesordnung. Im Juli 2024 war es gemäß Dataforce-Erhebung ein Minus von satten 30 Prozent. Deutlich erfreulicher entwickelt sich hingegen der Transportermarkt, der im vergangenen Monat um vier 4 Prozent leicht zulegen konnte. Das lag vor allem an einem deutlichen Anstieg im Privatmarkt um 17 Prozent. Auch der Fahrzeugbau wuchs um 32 Prozent deutlich, während der Fahrzeughandel mit einem Plus von vier Prozent leicht zulegen konnte. Mit einem Minus von 11 Prozent mussten wiederum die Autovermieter spürbar Federn lassen. Während die Diesel-Nachfrage um 13 Prozent deutlich wächst, geben die Neuzulassungen von E-Autos mit -51 Prozent kräftig nach. (MN)