Eine neue Marktstudie zeigt, wie es um die Elektrifizierung in deutschen Flotten steht, und was die treibenden Gründe hinter elektrischen Fuhrparks sind.
Die Elektrifizierung gewerblicher Fuhrparks schreitet weiter voran – allerdings zunehmend aus wirtschaftlichen Gründen. Das zeigt die aktuelle Marktstudie „Elektromobilität in Fuhrparks“, die der Mobilitätsdienstleister UTA Edenred im Juni 2025 erneut durchführte. Diesmal wurden 400 Flottenverantwortliche in Deutschland und Polen befragt.
Demnach verfügen sechs von zehn befragten Unternehmen bereits über einen teilweise elektrifizierten Fuhrpark. In Deutschland liegt der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge bei den meisten Flotten zwischen 10 und 30 Prozent, in Polen sogar bei 77 Prozent der befragten Fuhrparks.
Der Trend zur Elektrifizierung ist klar erkennbar: Nur sechs Prozent der deutschen Flotten bestehen bereits zu 90 bis 100 Prozent aus E-Fahrzeugen – dreimal so viele wie noch 2023. Bis 2030 erwarten 31 Prozent der Befragten, dass ein Drittel ihrer Flotte elektrisch sein wird, 18 Prozent rechnen mit einer nahezu vollständigen Umstellung.
Auch in Polen wird mit einer steigenden Elektrifizierung gerechnet: 40 Prozent der Fuhrparkmanager erwarten bis 2030 einen Anteil von rund einem Drittel, zwölf Prozent eine fast vollständige Umstellung.
Während 2023 noch ökologische Motive im Vordergrund standen, rücken nun finanzielle Vorteile in den Fokus. In Deutschland nennen 44 Prozent der Befragten Förderprogramme als Hauptgrund für den Umstieg, 43 Prozent sehen die niedrigeren Betriebs- und Wartungskosten als zentralen Treiber. Die Klimafreundlichkeit bleibt zwar relevant (ebenfalls 43 Prozent), wird aber zunehmend von betriebswirtschaftlichen Erwägungen verdrängt.
Ein deutliches Plus zeigt sich bei den Anforderungen von Auftraggebern: 15 Prozent mehr Unternehmen als 2023 nennen CO2-Vorgaben und Nachhaltigkeitsanforderungen ihrer Kunden als entscheidenden Faktor bei der Fuhrparkstrategie.
In Polen fällt die Motivation anders aus: Dort spielt finanzielle Förderung kaum eine Rolle (11 Prozent). Stattdessen nennen 52 Prozent der Befragten die „Freude an neuer Technologie“ als wichtigsten Beweggrund.
Trotz wachsender Akzeptanz gibt es weiterhin Barrieren. Die Reichweitenangst steht mit 40 Prozent (Deutschland) und 47 Prozent (Polen) an erster Stelle. Auch die Investitionskosten schrecken viele Fuhrparkmanager ab (37 bzw. 45 Prozent). Zudem zweifeln 39 Prozent der deutschen Befragten an der langfristigen Durchsetzung von E-Mobilität im Nutzfahrzeugbereich.
Interessant: Mit zunehmender Praxiserfahrung nimmt die Skepsis ab. Länder, in denen E-Mobilität weiter verbreitet ist, zeigen geringere Reichweitenbedenken – ein Hinweis darauf, dass Erfahrung und Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur eng zusammenhängen. So erzielt Polen heute ähnliche Werte wie Deutschland bei der Befragung in 2023.
Ein Großteil der befragten Unternehmen lädt E-Fahrzeuge bevorzugt auf eigenem Gelände. In Deutschland nutzen 44 Prozent der Pkw-Flotten, 52 Prozent der Transporterflotten und 61 Prozent der Lkw-Betreiber eigene Ladepunkte im Depot oder Betriebshof. In Polen sind die Werte nahezu identisch. Trotzdem bleibt die öffentliche Ladeinfrastruktur ein wichtiger Erfolgsfaktor: Drei Viertel der deutschen und über 80 Prozent der polnischen Flottenmanager sehen sie als Voraussetzung für eine erfolgreiche Elektrifizierung.
Ein weiteres Thema aus Sicht der Praxis: die Bezahlung von Ladevorgängen. In Deutschland bevorzugen 39 Prozent der Befragten die Zahlung per Kreditkarte, 35 Prozent nutzen Vertrags- oder Ladekartenanbieter, 31 Prozent greifen auf unabhängige Anbieter zurück. In Polen liegt die spontane Kartenzahlung noch höher (48 Prozent), doch auch hier sind Anbieter mit gebündelten Abrechnungssystemen auf dem Vormarsch.



Die Studie zeigt, dass Elektromobilität im Fuhrpark längst kein Zukunftsthema mehr ist – aber ihre Treiber sich verschoben haben. Wirtschaftlichkeit, Förderprogramme und Kundenanforderungen bestimmen heute stärker als ökologische Überzeugung, ob Unternehmen ihre Flotten umstellen.
Der Handlungsdruck bleibt hoch: Fuhrparkverantwortliche müssen ihre Strategien an steigende CO2-Vorgaben, verfügbare Ladeinfrastruktur und neue Kostenmodelle anpassen – und dabei Wege finden, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.