Samsara sammelt jährlich über 10 Billionen Datenpunkte. Christina Dennstedt (Senior Sales Manager DACH bei Samsara) erklärt, welche Daten erfasst werden, wie sie Flottenmanagern helfen können und welche Rolle Künstliche Intelligenz dabei spielt.
Seit der Gründung im Jahr 2015 wächst Samsara rasant. Jetzt will das IoT-Unternehmen Samsara mit seinen KI-gestützten Dashcams Telematik enger mit dem Thema Sicherheit verbinden. Doch obwohl Samsara an der Spitze der Entwicklung von KI-Dashcams steht, bringt deren Einsatz auch eine kontroverse Debatte mit sich: den Datenschutz.
Dennstedt: Insbesondere moderne Fahrzeuge, vom Pkw bis hin zum Lkw, produzieren große Datenmengen. Unsere Systeme sammeln diese Informationen, darunter GPS-Koordinaten, Reifendruck, Tachostand, Tankfüllung, Informationen über das Gewicht des Fahrzeugs oder ob der Fahrer angeschnallt ist usw. Da sind sehr viele Sensoren in einem Fahrzeug, sodass es sehr viele Informationen ausspucken kann.
Dennstedt: Bei uns geht es immer wieder zurück auf die drei Säulen Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit. Effizienz bedeutet Spritverbrauch. Und ein Klassiker gerade im Bereich Spritverbrauch wäre eine ökonomisch freundliche Fahrweise. Benutze ich den Tempomat, fahre ich zu schnell, solche Sachen. Oder lasse ich den Motor laufen, während ich beim Kunden stehe und die Beladung oder Entladung mache. Diese Leerlaufzeiten verursachen Kosten. Beim Thema Sicherheit könnte man gucken, ob ein Fahrer zu wenig Abstand hält und deshalb viel öfter bremsen muss. Das geht auf Achslast und Verschleiß und sowas kann ich als Flottenmanager dann auch optimieren. Und beim Thema Nachhaltigkeit: Wenn man heute auf eine Flotte mit z.B. 100 Lkw schaut, gucken wir verschiedene Kriterien an, ob und welches Fahrzeug als Nächstes ersetzt werden könnte. Oft haben Unternehmen eine Strategie und müssen z.B. bis 2030 den Fuhrpark auf 100 Prozent e-Fahrzeuge umstellen und sie wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen. Wir geben ihnen dann die Daten und zeigen ihnen, wo sie ansetzen könnten.
Dennstedt: Jeder unserer Kunden bekommt den Zugang zum persönlichen Dashboard und dieses kann er dann nutzen, um die jeweiligen Daten auszuwerten. Das heißt, jeder Kunde kann auf seine eigenen Daten zugreifen und kann sie verwenden, um an nötigen Stellschrauben zu drehen. Die Plattform übermittelt viele Diagnosedaten. Zum Beispiel gibt es eine Kartenansicht. Dort kann der Fuhrparkleiter einsehen, wo die Fahrzeuge gerade unterwegs sind und das in Echtzeit. Außerdem kann er einsehen, welche Fahrzeuge gerade den Motor laufen haben, sich aber nicht fortbewegen. Auch kann man sehen, wie schnell ein Fahrzeug fährt und ob es die Geschwindigkeitsbegrenzung einhält oder den Fahrtenverlauf.
Dennstedt: Momentan spielt Künstliche Intelligenz für die Dashcams eine große Rolle. Unsere KI-Dashcams sollen gefährliche Situationen erkennen und erklären. Im Idealfall wollen wir diese Situationen erkennen und Fahrer warnen, bevor etwas passiert. Ein Klassiker ist zum Beispiel das Smartphone. Wenn ich als Fahrer mal zwei Sekunden auf das Smartphone gucke, dann fahre ich im Blindflug. In diesem Fall kann KI erkennen, dass der Fahrer gerade auf sein Handy schaut oder auch grundsätzlich erkennen, ob der Fahrer abgelenkt ist. Dann kann der Fahrer in der Kabine unmittelbar gewarnt werden.
Dennstedt: Was die KI ausmacht, ist die detaillierte Erkennung von „Problemen“ in der Fahrerkabine und auch die Verpixelung von Nummernschildern und Passanten außerhalb. Die KI arbeitet immer mit und erkennt zum Beispiel, wo ein Kennzeichen ist. Aber auch Passanten erkennt sie. Wenn Sie z.B. mit Ihrem Fahrzeug an einer Ampel stehen und ein Passant am Auto vorbeigeht, dann wird das Gesicht verpixelt. Wir haben auch Busunternehmen als Kunden, die die Funktion nutzen, weil viele Kinder einsteigen. Dann verpixelt das System die Gesichter der Kinder. DSGVO, Datenschutz, das spielt hier eine große Rolle.
Dennstedt: Wir laden fünf Sekunden vor und fünf Sekunden nachdem G-Kräfte geflogen sind als Videos auf die Plattform hoch. Teilweise sind die Videos sogar noch kürzer. Wenn die Kamera im Innenraum zum Beispiel Handynutzung erkennt und der Fahrer sein Handy nur 3 oder 4 Sekunden in der Hand hält, dann kann es sein, dass das Video nur 3 oder 4 Sekunden lang ist. Wir wollen eine Datenminimierung erreichen und nichts hochladen, was am Ende des Tages nicht gebraucht wird. Sie müssen sich das so vorstellen: Sie steigen in ein Fahrzeug mit unseren KI-Dashcams ein. Wenn sie den Motor anschalten und anfahren, dann geht die Kamera an und filmt im Hintergrund. Es wird aber kein Video hochgeladen, außer es passiert irgendetwas Auffälliges. Und was auffällig ist, das entscheidet das jeweilige Unternehmen. Zum Beispiel bei Fliehkräften, auch hier kann ich einstellen, wie sensibel das System reagieren soll. Das kommt daher, dass manche Lkw-Fahrer sehr viel sensibler fahren sollten, wenn sie z.B. besondere Fracht transportieren. Wenn ich den Motor am Ende der Fahrt wieder ausschalte, dann läuft die Kamera noch 10 Minuten weiter. Auch das kann ich ausschalten oder ich kann es verlängern.
Alle Kalkulationen werden direkt auf der Kamera gemacht, damit man in Echtzeit gewarnt werden kann. Und erst, wenn ein Vorfall geschehen ist, dann wird das Video sichtbar, also dann wird es erst in die Plattform, auf die die Fuhrparkleiter zugreifen können, hochgeladen. Wenn Videos erst in die Cloud hochgeladen werden und anschließend wird erst gewarnt, ja dann ist es meistens schon zu spät.
Dennstedt: Grundsätzlich haben wir viel in Richtung Datenschutz gemacht. Einmal die Verpixelung. Man muss aber auch dazusagen: Man weiß sowieso schon, welcher Fahrer in welchem Fahrzeug sitzt, und das ohne Kamera. Lkw-Fahrer haben ihre Fahrerkarte und man bekommt auch so schon relativ viele Informationen darüber, wie lange Pause gemacht wurde usw. Aber klar, hier kommt jetzt das Bild- und Videomaterial dazu. Wichtig ist für die Unternehmen, dass sie einen Grund haben, warum sie diese KI-Dashcams einführen wollen. Und diese Gründe sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. In der Regel geht es um das Sicherheitsthema, also Unfallaufklärung oder Unfallvermeidung. Wir persönlich reden mit vielen Fahrern und das ist echt wichtig. Die meisten denken: „Mein Chef kann mir jetzt immer zuschauen und das live!“ Wenn man den Fahrern aber erklärt, wann die Kamera filmt und wann sie Videos hochlädt, dann ist das für sie ok. Wichtig sind die positiven Aspekte. Man muss da sehr viel Aufklärungsarbeit leisten. Wir kommunizieren mit den Fahrerinnen und Fahrern transparent. Man kann nicht einfach eine Kamera installieren und sagen: „So ist das jetzt!“
Dennstedt: Aktuell ist es so, dass die Kamera im Hintergrund anfängt zu filmen, sobald das Fahrzeug anfährt. Dabei werden nicht relevante Daten automatisch überschrieben, da wir einen internen Ringspeicher nutzen. Nur Auffälligkeiten werden gespeichert. Videos werden nur dann hochgeladen, wenn das System Auffälligkeiten, wie wir sie besprochen haben, erkennt, und erst dann lädt das System auch nur diesen Abschnitt hoch. Diese Videos sind dann in der Plattform gespeichert, standardmäßig für sechs Monate. Sechs Monate sind, was die DSGVO erlaubt. Danach werden Videos automatisch gelöscht, außer, der Kunde braucht sie länger und speichert sie selbst ab. Das kann z.B. bei einem Streitfall vor Gericht sein. (ks)
Das könnte Sie auch interessieren: