Handwerksbetriebe in Deutschland sind bereit für Elektromobilität, stoßen jedoch auf strukturelle Hindernisse wie Ladeinfrastruktur, Kosten und fehlende Flexibilität.
Laut einer repräsentativen Befragung von MHC Mobility nutzen 42 Prozent der deutschen Handwerksbetriebe bereits E-Fahrzeuge. Weitere 28 Prozent planen den Einstieg oder beschäftigen sich intensiv damit. Damit signalisiert die Branche grundsätzlich eine hohe Bereitschaft für Elektromobilität. Gleichzeitig zeigt die Studie deutliche Barrieren:
Interessant ist: Ein knappes Viertel der Betriebe (24 Prozent) berichtet, keinerlei Hindernisse wahrzunehmen. Für diese Gruppe scheint der Umstieg bereits reibungslos möglich zu sein – etwa, weil sie über eigene Flächen für Ladepunkte verfügen oder von kommunalen Förderprogrammen profitieren.
Laut MHC Mobility stellen Lade- und Parkplatzprobleme das größte Hindernis dar. Aus der Umfrage geht leider nicht hervor, was genau an der Lade- und Parkplatzsituation problematisch ist. Haben die Betriebe keinen eigenen Parkplatz und können deshalb keine Ladestationen aufstellen? Sind die Ladesäulen den Unternehmen zu teuer? Ist das Laden an den öffentlichen Stationen zu teuer oder sind diese zu weit entfernt?
Fakt ist: Öffentliche Ladepunkte in Deutschland sind durchschnittlich nur 2,3 Stunden am Tag belegt. Natürlich gibt es bestimmte Zeiten, in denen die Auslastung höher ist. Es braucht beim Laden an öffentlichen Ladesäulen also eventuell eine Strategie, um diese Zeiten zu umgehen. Beim Laden an öffentlichen Säulen sind auch Blockiergebühren zu beachten, die nach einer bestimmten Zeit an der Ladesäule anfallen können.
„Viele Handwerksbetriebe stehen unter zunehmendem Nachhaltigkeitsdruck ihrer Auftraggeber“, sagt Rainer Thies, Geschäftsführer bei MHC Mobility Deutschland. „Öffentliche Ausschreibungen, aber auch private Bauherren fragen immer häufiger nach umweltfreundlichen Anfahrten zur Baustelle. Gleichzeitig rechnen die Betriebe sehr genau – ein E-Transporter, der nicht zuverlässig aufgeladen werden kann, ist schlicht nicht praxistauglich. Es ist nicht Technikfeindlichkeit, sondern Pragmatismus“
Neben der Ladeinfrastruktur sind auch die Anschaffungskosten ein Hemmnis. Denn Elektro-Transporter liegen preislich noch deutlich über vergleichbaren Verbrennern. Gerade kleine Betriebe kalkulieren sehr genau. Ein Fahrzeug, das im Einsatz ausfällt oder nicht ausreichend Reichweite bietet, gefährdet unmittelbar die Auftragslage. Deshalb zögern viele, auch wenn die Betriebskosten von E-Fahrzeugen langfristig niedriger sein können.
Die MHC Mobility-Umfrage zeigt auch eine Beratungslücke auf. So fühlen sich elf Prozent der befragten Betriebe unsicher bei der Auswahl geeigneter Fahrzeuge und der Planung der Infrastruktur. „Hier wird oft unterschätzt, wie komplex der Umstieg tatsächlich ist“, sagt Thies. „Es geht nicht nur um das Fahrzeug selbst, sondern um Ladeplanung, Routenoptimierung, Backup-Strategien für Notfälle.“
Laut MHC Mobility sind besonders kleinere Betriebe oft überfordert mit der Vielfalt der Optionen und den langfristigen Bindungen klassischer Leasingverträge. „Ein Zwei-Mann-Betrieb kann sich keine Fehlentscheidung über 36 Monate leisten. Wenn das E-Fahrzeug nicht funktioniert, ist das existenzbedrohend“, so Thies.
Diese Unsicherheit führt dazu, dass trotz grundsätzlicher Bereitschaft der Umstieg verzögert wird. Dabei wären viele Betriebe durchaus bereit, sofort zu handeln – wenn sie die nötige Sicherheit hätten.
Die Nachfrage nach flexiblen Vertragsmodellen wächst. 17 Prozent der Betriebe wünschen sich kürzere Laufzeiten oder Testphasen, um Risiken zu minimieren. Anbieter reagieren darauf zunehmend mit flexibleren Leasing- und Mietmodellen, die den Einstieg erleichtern sollen.
Trotz der bestehenden Hürden deutet die Entwicklung auf eine kontinuierliche Elektrifizierung hin. Sinkende Kosten, technische Verbesserungen und steigender Kundendruck werden den Umstieg beschleunigen. Die Transformation erfolgt jedoch schrittweise und setzt voraus, dass Infrastruktur und Beratungsangebote mitwachsen.