Der Weg zur emissionsarmen Logistik: Wie ein Logistiknetzwerk seine Flotte elektrifiziert und eigene Ladepunkte schafft.
Lange Wartezeiten in Häfen, strenge Emissionsvorgaben und zunehmender Termindruck prägen den Güterverkehr zwischen den großen Seehäfen und dem europäischen Hinterland. Angesichts steigender Umweltanforderungen steht die Logistikbranche unter Druck, Transportprozesse nachhaltiger zu gestalten. Ein Beispiel, wie das gelingen kann, liefert das Logistikunternehmen Contargo mit seinem Partner Shell. Elektrifizierung im laufenden Betrieb
Contargo betreibt eines der größten Container-Hinterlandnetzwerke Europas mit Sitz in Mannheim und einer Transportleistung von über zwei Millionen TEU jährlich. Um die CO2-Emissionen im Straßenanteil seiner Transporte zu senken, setzt das Unternehmen zunehmend auf batterieelektrische Lkw.
Bis Ende des Jahres 2025 sollen rund 90 der knapp 250 firmeneigenen Fahrzeuge elektrisch fahren – darunter 20 Mercedes-Benz eActros 600 mit 600 kWh Batteriekapazität und etwa 500 Kilometern Reichweite.
Für die Versorgung der E-Flotte hat Contargo gemeinsam mit Shell Business Recharge Solutions (SBRS) eine eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut. An 16 Standorten entstanden bislang 90 Ladepunkte mit einer Leistung von jeweils 250 kW, ergänzt um Energiemanagementsysteme und Batteriespeicher. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um die derzeit größte private Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge in Deutschland.
Der Aufbau erfolgte während des laufenden Terminalbetriebs – eine Herausforderung, da die Anlagen in bestehende Abläufe integriert werden mussten. Neben den Tiefbauarbeiten umfasste das Projekt auch die Installation von Trafostationen, Energiespeichern und intelligenter Steuerungstechnik. Ein zentrales Element ist das Energiemanagementsystem, das den Strombedarf zwischen Krananlagen, Bürogebäuden, Kühlcontainern und Ladepunkten verteilt. An mehreren Standorten wird zusätzlich Strom aus Photovoltaikanlagen und Energierückgewinnungssystemen genutzt.
„Eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur stellt eine zentrale Stellschraube für die übergreifende Transformation zur Flottenelektrifizierung dar“, betont Kristin Kahl, Leiterin Nachhaltigkeit bei Contargo. Deutschland habe als Transitland mit großen Entfernungen besondere Anforderungen an Ladeleistungen und Netzabdeckung, so Kahl weiter.
Mit dem modularen Lade- und Energiemanagementsystem kann Contargo seine E-Lkw flexibel einsetzen – sowohl im Hafenhinterlandverkehr als auch auf regionalen Strecken. Zwischenladungen während kurzer Standzeiten oder im Schichtbetrieb sollen eine hohe Fahrzeugverfügbarkeit sicherstellen. Im Konzept „econtargo“ kombiniert das Unternehmen den Einsatz von E-Lkw auf der Straße mit Transporten per Binnenschiff und Bahn, die mit Ökostrom betrieben werden. Nach Unternehmensangaben lassen sich dadurch CO2-Emissionen um bis zu 94 Prozent im Vergleich zu konventionellen Dieseltransporten reduzieren.
Die Ladeinfrastruktur ist auf weiteres Wachstum ausgelegt. Aktuell steht sie ausschließlich Contargo-eigenen Fahrzeugen zur Verfügung, perspektivisch sollen auch externe Nutzer einbezogen werden. Das Projekt zeigt, dass der Aufbau von leistungsfähigen Ladepunkten im Schwerlastbereich auch in komplexen Betriebsumgebungen realisierbar ist. Für diese Umsetzung wurde SBRS im April 2025 mit dem Innovations- und Nachhaltigkeitspreis IP2025 ausgezeichnet.
In der Logistikbranche sieht Kristin Kahl noch weiteres Potenzial für die Elektrifizierung, betont aber, dass es wichtig sei, dass beim Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur kompetente Unternehmen beteiligt sind, die eine gezielte und schnelle Umsetzung ermöglichen können.