Viele Autofahrer zögern beim Wechsel zum Elektroauto. Experten erklären, welche Vorbehalte berechtigt sind – und wo alte Annahmen nicht mehr gelten.
Elektroautos stehen trotz wachsender Modellvielfalt weiter unter Druck. Hohe Preise, Reichweitenangst und Unsicherheiten beim Laden prägen die Debatte. Zwei Fachleute ordnen ein, wie belastbar diese Vorurteile noch sind.
Nach Einschätzung von Jens Dralle von der Zeitschrift «Auto, Motor und Sport» sind Elektroautos weiterhin teurer als vergleichbare Verbrenner. Eine Preisparität werde sich nicht kurzfristig einstellen. Auch der Wertverlust liege derzeit höher, könne sich jedoch ändern. Constantin Hack vom Auto Club Europa bewertet die Lage anders: Mit der aktuellen Kaufprämie gebe es bereits eine Preisannäherung, und künftige Wertverluste dürften sich den Verbrennern angleichen. Die Förderung beträgt bis zu 6.000 Euro – abhängig vom Einkommen.
Viele moderne Modelle bieten laut Dralle Reichweiten um 400 Kilometer, vereinzelt auch über 800 Kilometer. Ladeleistungen zwischen 200 und 400 kW seien üblich und machten Elektroautos langstreckentauglich. Hack sieht nur bei älteren Fahrzeugen Reichweitendefizite. Neue Modelle könnten innerhalb von zehn Minuten Energie für rund 200 Kilometer nachladen.
Das höhere Gewicht vieler Elektroautos beeinträchtige die Fahrdynamik nicht zwingend. Akkus und Antrieb zwischen den Achsen sorgten für einen niedrigen Schwerpunkt, betont Dralle. Hack verweist auf elektrische Sportwagen als Beleg für hohen Fahrspaß.
Eine private Wallbox sei nicht zwingend notwendig, so Dralle. Rund 193.000 öffentliche Ladepunkte stünden zur Verfügung. Allerdings sei Schnellladen teurer, teils zwischen 55 und 85 Cent pro kWh. Hack betont, dass das Fahren mit eigener Wallbox oder PV-Anlage deutlich günstiger werde.
Kleinere E-Modelle eignen sich laut Dralle vor allem für den Stadt- und Pendelverkehr. Mittelklassefahrzeuge mit mindestens 200 kW DC-Ladeleistung seien dagegen langstreckentauglich.
Hack hält E-Autos nur dann für weniger klimafreundlich, wenn sie mit großem Akku und geringer Jahresfahrleistung genutzt werden. Der CO₂-Rucksack gleiche sich nach einigen Zehntausend Kilometern aus, da der Anteil erneuerbarer Energien wachse. Dralle betont, dass moderne Akkus im Winter voll nutzbar seien, wenngleich Reichweiten sinken könnten.
Viele neuere E-Autos ziehen schwere Anhänger – Mittelklassemodelle bis 1,8 Tonnen, große bis 3,5 Tonnen. Hack sieht zudem keine höhere Brandgefahr gegenüber Verbrennern, wenngleich das Löschen komplizierter sei. Die Förderprämie richte sich ausdrücklich an Haushalte mit geringerem Einkommen und steige mit Kinderzahl.
Dralle betrachtet Elektromobilität als langfristige Antriebsalternative, deren endgültige Dominanz jedoch offen sei. Für Hack eignet sie sich schon heute für fast alle Nutzer – ausgenommen Vielfahrer, die täglich rund tausend Kilometer zurücklegen. (dpa)