Energieversorger, Autohersteller und spezialisierte Unternehmen treiben den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran. Welche Anbieter für Fuhrparks infrage kommen.
Wer eigene Ladeinfrastruktur für den Fuhrpark aufbauen möchte, kann mittlerweile aus zahlreichen Anbietern wählen. Neben klassischen Energieversorgern sind auch Automobilhersteller, Mineralölkonzerne und spezialisierte Unternehmen auf dem deutschen Markt aktiv. Dabei unterscheiden sich die Angebote deutlich: Während einige Unternehmen vor allem öffentliche Ladepunkte betreiben, bieten andere komplette Lösungen für betriebliche Ladeinfrastruktur an.
Auch die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur wächst weiter. Zum 1. September 2026 verzeichnete die Bundesnetzagentur 157.762 Normalladepunkte sowie 56.572 Schnellladepunkte. Das sind zusammen mehr als 214.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Die gleichzeitig verfügbare Ladeleistung lag bei 9,38 Gigawatt.
Ein Unternehmen, das zehn Dienstwagen über Nacht laden will, benötigt eine andere Ladeinfrastruktur als ein Logistikbetrieb mit mehreren Hundert oder Tausend Fahrzeugen und hohen Fahrleistungen. Zu den großen Akteuren im deutschen Lademarkt gehören Energieversorger. Sie verfügen über Erfahrung mit Stromversorgung und Infrastrukturprojekten und bieten häufig auch Planung, Installation und Betrieb von Ladeinfrastruktur an. Für Unternehmen spielt dabei insbesondere die verfügbare Netzanschlussleistung eine wichtige Rolle.
EnBW gehört zu den größten Anbietern im deutschen Lademarkt. Über das EnBW HyperNetz erhalten Kunden Zugang zu mehr als 900.000 Ladepunkten verschiedener Betreiber in 17 europäischen Ländern. Auch im Schnelllademarkt ist EnBW stark vertreten und betreibt nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 9.000 eigene Schnellladepunkte.
Der Energiekonzern ist dabei nicht nur Anbieter für öffentliche Ladeinfrastruktur, sondern bietet auch Ladelösungen für Geschäftskunden und Fuhrparks mit Elektromobilität. Je nach Bedarf reicht die Zusammenarbeit von der Planung bis zum laufenden Service. Und es gibt noch ein weiteres Modell: Unternehmen können geeignete Flächen verkaufen oder verpachten, die EnBW dann zu Schnellladestandorten ausbaut.
Auch E.ON Drive gehört zu den wichtigen Anbietern. Für Geschäftskunden werden Ladelösungen von der Planung über die Installation bis hin zum Betrieb sowie digitale Lösungen für das Flottenmanagement angeboten.
Weitere Anbieter sind regionale Energieversorger und Stadtwerke. Sie können für Unternehmen, die ihre Ladeinfrastruktur auf- oder ausbauen wollen, ebenfalls interessant sein. Denn neben der Ladehardware müssen auch Themen wie Netzanschluss, mögliche Anschlussverstärkungen und Leitungsverlegung berücksichtigt werden. Nur die Preise von Wallboxen zu vergleichen, reicht daher nicht aus.
TotalEnergies, Tesla, Aral pulse, Allego, Fastned und Hochtief gehören zu den Unternehmen, die in Deutschland im Bereich Ladeinfrastruktur aktiv sind. Die Anbieter unterscheiden sich dabei sowohl in ihrem Geschäftsmodell als auch in ihrem Leistungsangebot. Nicht alle haben ihren Hauptsitz in Deutschland. Die Aufzählung ist exemplarisch.
Für Unternehmen, die eigene betriebliche Ladeinfrastruktur aufbauen wollen, ist allerdings eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Nicht jeder Betreiber öffentlicher Ladepunkte bietet auch Planung und Installation für Firmenstandorte an. Umgekehrt gibt es spezialisierte Dienstleister, die im öffentlichen Straßenbild kaum sichtbar sind, aber Ladeprojekte für Unternehmen umsetzen. Ihre Leistungen reichen je nach Anbieter von der Planung und Installation der Hardware bis zur Abrechnung, Wartung und technischen Betriebsführung.
Einer der bekanntesten Akteure unter den Automobilherstellern ist Tesla mit seinem Supercharger-Netz. Viele der Supercharger in Deutschland sind mittlerweile auch für Elektroautos anderer Marken zugänglich, sofern diese über einen kompatiblen CCS-Anschluss (Combined Charging System) verfügen. Über die Tesla-App lassen sich die entsprechenden Standorte finden.
Auch die Ladesäulen von Ionity sind im Straßenbild sichtbar. Hinter Ionity stehen mehrere Automobilhersteller sowie ein Finanzinvestor, darunter BMW, Volkswagen, Mercedes-Benz, Ford und Hyundai. Das Unternehmen betreibt ein europaweites Netz für High Power Charging (HPC), also besonders leistungsstarkes Schnellladen. Elli ist die Energie- und Ladelösungsmarke des Volkswagen-Konzerns und bietet neben dem Zugang zu öffentlichen Ladepunkten auch Lösungen für Firmenkunden. Diese reichen von Ladesäulen für den Firmenparkplatz bis hin zur Elektrifizierung ganzer Unternehmensstandorte mit Hardware, Software und Beratung. Die Beispiele zeigen, dass Automobilhersteller nicht nur in Elektrofahrzeuge, sondern auch in passende Ladelösungen investieren.
Bevor Unternehmen sich für einen Anbieter entscheiden, sollten sie zunächst den eigenen Bedarf klären. Entscheidend ist nicht nur der aktuelle Ladebedarf, sondern auch, wie sich der Fuhrpark in den kommenden Jahren entwickelt.
Um den aktuellen Bedarf zu erfassen, müssen einige Fragen beantwortet werden:
Reicht die vorhandene Netzanschlussleistung nicht aus, muss der Anschluss verstärkt oder intelligentes Lastmanagement eingesetzt werden. Das kann die Planung und Umsetzung aufwendiger machen. Wichtige Planungsfragen sind:
Damit nicht nach wenigen Jahren wieder neu geplant und umgebaut werden muss, sollte die Ladeinfrastruktur von Anfang an erweiterbar sein. Das betrifft sowohl zusätzliche Ladepunkte als auch den Netzanschluss, das Lastmanagement und die eingesetzte Software.
Erst wenn diese Fragen beantwortet wurden, lässt sich ein Anbietervergleich sinnvoll durchführen. Wartung, Hardware und Backend der Ladeinfrastruktur Neben der Koordination des Bauprojekts sollten Unternehmen auch Wartung und Entstörung im laufenden Betrieb einplanen. Dazu gehört die Frage, welche Serviceleistungen ein Anbieter übernimmt und wie schnell technische Störungen behoben werden können.
Welche Ladehardware geeignet ist, hängt unter anderem von den baulichen Gegebenheiten und dem Ladebedarf ab. Wallboxen können an Wänden oder auf einem Standfuß montiert werden. Je nach Standort und Nutzung bieten sich auch freistehende Ladesäulen an.
Wichtig ist außerdem das Backend der Ladelösung. Damit lassen sich Ladevorgänge überprüfen und auswerten, Nutzergruppen verwalten und Abrechnungen abwickeln. Je nach System können auch Funktionen des Lastmanagements darüber gesteuert werden.
Beim Vergleich verschiedener Anbieter sollten Unternehmen nicht nur die einmaligen Kosten für Hardware und Installation betrachten. Auch laufende Ausgaben für Software, Wartung, Abrechnung und Serviceverträge beeinflussen die Wirtschaftlichkeit der Ladeinfrastruktur. Wichtig ist zudem, welche Leistungen bereits im Angebot enthalten sind und welche zusätzlich berechnet werden.
Bei Dienstwagen spielt zudem die Abrechnung von Ladevorgängen zu Hause und unterwegs eine Rolle. Unternehmen sollten daher prüfen, welche Lösungen der jeweilige Anbieter hierfür bereitstellt. Gerade bei größeren Fuhrparks lohnt sich deshalb ein Vergleich der Gesamtkosten über mehrere Jahre.