Der Nissan Ariya will im Flotteneinsatz und auf Langstrecken als vielseitiger E-SUV punkten. Doch seine Reichweite und Ladezeiten stellen Fuhrparkmanager vor Herausforderungen.
Nissan will mit dem Ariya einen starken Akzent im Segment der vollelektrischen SUVs setzen– aber wie schlägt sich der E-Crossover auf langen Dienstreisen? In unserem Praxistest zeigt sich: Der Ariya bietet viel, doch nicht ohne gewisse Unbequemlichkeiten im Alltag.
Mit einer Reichweite von bis zu 397 km nach WLTP (kleine 63-kWh-Batterie) bei optimalen Bedingungen, könnte der Ariya in Sachen Langstreckenfahrt auf den ersten Blick überzeugen. Doch die Realität sieht für Vielfahrer im Berufsalltag anders aus: Bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn und kühlen Temperaturen sinkt die Reichweite bei unseren Testfahrten auf rund 200 km. Hier wird der Ariya schnell zu einem unzuverlässigen Partner auf langen Dienstreisen.





Die Ladezeiten können den stringenten Zeitplan eines Außendienstmitarbeiters weiter durcheinanderbringen. An einem Schnelllader mit 130 kW erreicht der Ariya in 40-50 Minuten etwa 80 % Ladeleistung. Durchschnittlich werden hier auch nur 75 kW erreicht. Für Fuhrparkmanager bedeutet das: Wer oft weite Strecken fährt, wird längere Ladepausen einplanen müssen. Zwar laden viele E-Autos ähnlich langsam, aber das regelmäßige Stoppen kann den reibungslosen Ablauf von Geschäftsterminen stören. Auf Dienstreisen, bei denen jede Minute zählt, fühlt sich das ein wenig an wie der Versuch, einen Anzug mit Adiletten zu kombinieren. Kann man machen, aber vielleicht sollte man lieber zweimal darüber nachdenken.
Was den Nutzwert betrifft, punktet der Ariya vor allem mit seinem großzügigen Platzangebot und seinen modernen Features. Außerdem überzeugt der Nissan Ariya (wie für E-Autos typisch) mit sofortiger Beschleunigung, die ohne Verzögerung anliegt. Besonders positiv fallen die ausgezeichnete Geräuschdämmung und der Fahrkomfort auf. Die Lenkung reagiert präzise, neigt jedoch in Kurven leicht zum Untersteuern. Dafür ist der Bremspunkt sehr gut abgestimmt. Dank des tiefen Schwerpunkts – die Batterien sitzen im Fahrzeugboden – liegt der Ariya satt auf der Straße. Beim Platzangebot merkt man, dass Nissan den Ariya auf einer reinen Elektro-Plattform entwickelt hat. Die Batterien sind tief verbaut, was nicht nur den Schwerpunkt, sondern auch den Innenraum beeinflusst: Fahrer und Beifahrer sind nicht getrennt, der Mitteltunnel entfällt. Mit 468 Litern Kofferraumvolumen bietet der Japaner zwar genug Stauraum für den Alltag, dennoch könnte das Platzangebot auf der Rückbank etwas großzügiger ausfallen. . Diese Kombination aus Platz und Technologie macht den Ariya für viele Firmenflotten interessant, insbesondere für Unternehmen, die Wert auf ein faires Preis-Leistungsverhältnis legen. Nissan bietet zusätzlich attraktive Leasingangebote für Großkunden an. Unser Testwagen ist (inkl. Batteriekauf und Mehrwertsteuer) ab 50.490 Euro erhältlich.
Der Nissan Ariya bietet durchaus Argumente für eine Integration in die Firmenflotte. Bei kürzeren Strecken oder den gemischten Stadt-Land-Einsatz kann er seine Stärken voll ausspielen und auch das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Doch auf langen Dienstreisen, wo Effizienz und Zeitmanagement entscheidend sind, kann er aufgrund der Reichweitenbegrenzungen und Ladezeiten leider nicht überzeugen. Nach unseren Testfahrten, haben wir das Gefühl nicht ganz die perfekte Wahl getroffen zu haben. Denn wer den ganzen Tag auf den Beinen ist, braucht Schuhwerk das belastbar ist und nicht drückt – sonst wird es schnell ungemütlich. (ja)