Der Ioniq 5 N ist der jüngste Spross in Hyundais Stromer-Familie. Gleichwohl ist er keine bloße Ergänzung, sondern ein Statement – alltagstauglich und eine lokal emissionsfreie Rennsemmel zugleich.
Good bye Turboloch. Bereits die Performancedaten beeindrucken: Bis zu 650 PS Systemleistung und 770 Newtonmeter unmittelbar verfügbares Drehmoment, in nur 3,4 Sekunden von null auf Tempo 100, in unter acht auf 200 km/h und erst bei satten 260 km/h Spitze bleibt die Tachonadel stehen. Als Sahnehäubchen obendrauf lockt noch eine dicke rote Performance-Taste am oberen Rand des Sportlenkrads: der sogenannte N Grin Boost. Motto: Wenn zehn Sekunden den Unterschied machen…
Bei dem Ioniq-5-Derivat hat sich Hyundais Entwicklungsabteilung wirklich ins Zeug gelegt und einen alltagstauglichen Kurvenräuber geschaffen, der auch im Wortsinne auf der Überholspur fährt. Er kombiniert die rohe Kraft eines Hochleistungsfahrzeugs mit der Präzision eines modernen E-Autos und zeigt, dass Elektromobilität nicht nur effizient, sondern auch emotional sein kann. Schon beim ersten Blick fällt das markante Design ins Auge: Der Ioniq 5 N wirkt wie ein futuristischer Crossover, der die Pixel-Designsprache des Standardmodells aufgreift und mit sportlichen Akzenten wie Diffusoren und breiteren Radkästen ergänzt. Doch das wahre Highlight verbirgt sich unter der Karosserie: Die E-GMP-Plattform mit 800-Volt-Technologie ermöglicht nicht nur ultraschnelles Laden (20-80 Prozent in 18 Minuten), sondern auch eine beeindruckende Leistung auf der Straße und Rennstrecke.
Trotz seines Gewichts von mehr als zwei Tonnen überrascht der Ioniq 5 N mit einer Agilität, die man so nicht erwarten würde. Dank eines ausgeklügelten Allradantriebs und spezieller Pirelli P-Zero-Reifen meistert er Kurven mit beeindruckender Präzision. Die Gewichtsverteilung und der tiefe Schwerpunkt sorgen dafür, dass er sich förmlich in die Straße „verbeißt“. Dabei bleibt die Lenkung direkt und vermittelt dem Fahrer stets ein Gefühl der Kontrolle. Selbst auf engen Passagen oder bei schnellen Richtungswechseln zeigt sich der Ioniq 5 N erstaunlich stabil.
Ein besonderes Highlight ist der „N Drift Optimizer“. Die Funktion ermöglicht gezielte Drifts – ein Feature, das vor allem auf abgesperrten Strecken für Freude am Fahren sorgt. Ergänzt wird dies durch den „N Grin Boost“, der für zehn Sekunden die volle Leistung freisetzt und das Fahrzeug förmlich nach vorne katapultiert. Achtung und Empfehlung des Autors: Bitte nur auf tatsächlich freier Bahn, noch besser auf eigens dafür gemachten Rennstrecken und passendem Wetterbedingungen verwenden.
Hyundai hat es geschafft, den Übergang von Verbrenner- zu Elektrofahrzeugen nahtlos zu gestalten. Der „eShift“-Modus simuliert ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, während drei Soundmodi – darunter ein futuristisches Jet-Triebwerk-Geräusch – den Fahrspaß akustisch untermalen. Diese Features sind nicht nur als Spielereien angelegt, sondern sollen dazu beitragen, auch eingefleischte Verbrenner-Fans für die Elektromobilität zu begeistern.
Wer sich nun fragt, was soll ich mit so einem Stromer-Boliden anfangen, außer sonntags immer mal wieder auf die Piste zu fahren, dürfte überrascht feststellen: Die E-Rennsemmel kann tatsächlich auch Alltag. Im Eco-Modus lässt sich der Ioniq 5 N entspannt und effizient bewegen. Die Reichweite liegt realistisch bei etwa 300 bis 350 Kilometern, abhängig von Fahrweise und Wetterbedingungen. Klar ist indes: Wer das volle Potenzial des Fahrzeugs ausschöpft, muss antriebsbedingt mit einer deutlich reduzierten Reichweite rechnen.
Das Interieur des Ioniq 5 N ist eine Mischung aus Hightech und Sportlichkeit. Zwei große 12,3-Zoll-Displays dominieren das Cockpit und bieten alle notwendigen Informationen auf einen Blick. Die Sportschalensitze sorgen für ausgezeichneten Halt, während Details wie das N-Logo am Lenkrad den sportlichen Charakter unterstreichen. Praktische Features wie eine ferngesteuerte Einparkhilfe runden das Gesamtpaket ab. Wie bei seinem vergleichsweise artigen Baureihen-Bruder Ioniq 5 verwendet Hyundai auch im Innenraum des N-Modells umweltfreundliche, nachhaltig gewonnene Materialien, darunter recycelbare Türdekore aus Pappe, Bio-PET-Garn aus Zuckerrohr, Garn aus recycelten PET-Flaschen, Bio-TPO aus Zuckerrohr und reines Leder. Zudem sind recycelte Poly-Alcantara-Sitzbezüge mit an Bord.
Fazit: Der Hyundai Ioniq 5 N ist ein elektrischer Alleskönner. Er bietet atemberaubende Performance, imposante Agilität und alltagstaugliche Effizienz in einem scharf geschliffenen Gesamtpaket. Für Fans dynamischer Fahrzeuge ist er eine echte Alternative zu herkömmlichen Sportwagen – mit dem Bonus einer lokal emissionsfreien Antriebstechnologie und zu relativ moderaten Preisen ab 62.941 Euro netto. Ob derartiger Stromschnellen werden wohl auch notorische Petrolheads Abbitte leisten müssen. Denn selbst ihnen dürfte der Ioniq 5 N ein kleines N-Grinsen ins Gesicht zaubern. Aber braucht es so einen Elektroboliden überhaupt? Nein. Ist er vernünftig? Nein. Macht er Spaß? Eindeutig Ja. Allerdings, wie für alle Supersportwagen gilt auch hier: Verantwortungsvolles Fahren sollte stets vor dem schier unbegrenzten Fahrspaß stehen, denn: Übermut tut selten gut! (mn)