Alltag und Abenteuer im Avenger jetzt endlich auch mit Allradantrieb. Mit der Version 4xe komplettiert die US-Marke aus dem Stellantis-Konzern ihre erfolgreiche B-SUV-Baureihe.
Matsch more Jeep? Zumindest bei dem stylischen B-SUV Avenger suchten Stock und Stein affine Geländergänger sowie insbesondere Anhänger des ikonischen nordamerikanischen Offroadlabels bisher vergeblich einen All Wheel Drive (AWD). Ist doch Allrad quasi ein Must have für Jeep und gehört gewissermaßen zur Grundausstattung, zur Kernkompetenz beziehungsweise zur Marken-DNA. Das galt bislang alles nicht für den Avenger, der sich eigenen Angaben zufolge seit seiner Markteinführung 2023 trotzdem vorzüglich verkaufte. Inzwischen sollen es rund 200.000 Bestellungen europaweit sein. Kein Wunder also, dass Jeep sein kerniges B-SUV als strategischen Eckpfeiler für die Marke abfeiert – führt das Modell doch laut Unternehmensmitteilung sogar die Top 10 der meistverkauften B-SUV in Europa an. Nun sollen eben auch noch die zahlreichen Allradfans hinzukommen, die explizit auf den 4xe abfahren werden, so die Hoffnungen der Strategie und Marketingabteilung.
Wer sich allerdings für den Allradantrieb entscheidet, legt gegenüber der Frontantriebsvariante etwa 4.790 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) zusätzlich drauf, bekommt dafür aber ein cleveres 48V-Hybrid-Setup geboten. Neben dem bekannten 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 136 PS treten zwei kompakte, je 29 PS starke Elektromotoren auf Vorder- und Hinterachse ihren Dienst an – gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 145 PS.
Mit diesem Setup fährt der Avenger 4xe je nach Laune der Fahrbahn – und des Fahrers – mal als wendiger Fronttriebler, mal als bergtauglicher Allradler vor. Die zentrale Elektronik orchestriert automatisch, welche Achse wie viel Power bekommt. Wer mit Tempo auf die Autobahn geht, findet die Hinterachse komplett entkoppelt – Energieeffizienz steht dann im Fokus. Im Gelände? Dann wird zugeschaltet, was nötig ist, ob bei schlammiger Strecke, Steigung oder kniffligem Untergrund.
Wenig überraschend legten die Entwickler beim 4xe den Fokus ohnehin verstärkt auf die Offroad-Fähigkeiten: Die Böschungswinkel wachsen auf stolze 22 Grad vorne und 21 Grad hinten, und die maximale Wat-Tiefe verdoppelt sich im Vergleich zum Standardmodell auf stattliche 40 Zentimeter. So dürfte eigentlich kaum ein Terrain unerobert bleiben mit dem Versprechen: Nasse Füße gibt’s nicht, solange Du nicht aussteigst.
Im Alltag bleibt der große Technik-Sprung diskret: Das Zusammenspiel sorgt für etwas stärkere Beschleunigung und lässt die Tachonadel auf bis zu 194 km/h schnellen – zehn Stundenkilometer mehr als beim Fronantrieb. Mit Allrad fühlt sich der Avenger noch agiler und präziser an. Doch ob dieses Plus an Dynamik den Aufpreis rechtfertigt, müssen passionierte Jeep-Fans selbst abwägen.
Auch das restliche Erscheinungsbild strahlt mehr Robustheit aus. Die Stoßfänger sind kratzresistent konzipiert, der Unterboden verstärkt und die neuen Sitzbezüge trotzen nicht nur Wasser, sondern auch lästigen Flecken und Schlamm mit ihrer abwaschbaren, widerstandsfähigen Polsterung. Komfort trifft Abenteuer, und der Avenger 4xe ist bereit für alles, was kommen mag.
Bei der ersten Ausfahrt zeigt der Avenger 4xe, dass er naturgemäß mehr sein will als ein City-SUV mit Jeep-Logo. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht unkomfortabel, die Lenkung arbeitet präzise, wobei die Rückmeldung bei höheren Geschwindigkeiten angenehm direkt ausfällt. Auf der Autobahn liegt er satt auf der Straße, auch wenn starker Seitenwind den kompakten Aufbau etwas angreift. Wer jedoch den Tempomat einschaltet und die mildhybride Effizienz wirken lässt, profitiert im kombinierten Zyklus fahrstilabhängig von sechs bis sieben Litern pro 100 Kilometer – ein Wert, der den Avenger 4xe konkurrenzfähig und auch für Flotten und Fuhrparks interessant macht. Die Bremsenergierückgewinnung arbeitet unauffällig, trägt ihren Teil zur Effizienz mit bei.
Immerhin prognostiziert Jeep beim Gesamtmix einen Gewerbeanteil von bemerkenswerten 60 Prozent, denn der Avenger 4xe soll insbesondere Kleingewerbetreibende, wie z.B. Gärtner, Landschaftsarchitekten, Jäger oder Förster, ansprechen, da die Auswahl an Fahrzeugen mit Allrad im B-SUV Segment nicht eben üppig ist. Auch für Dienstwagenfahrer mit Kundenbesuchen im ländlicheren Raum, Tierärzte, Landschaftsbauer und Bauern sowie für staatliche und öffentliche Flotten (Waldförster, Feuerwehr, Bundeswehr) bis hin zu Autovermietern könnte der Avenger 4xe durchaus interessant sein.
Selbst beim Fahrcharakter schafft der Avenger 4xe den Spagat: Er ist kernig genug, um das Jeep-Erbe zu transportieren, aber auch geschmeidig, um auf langen Autobahnetappen nicht anzustrengen. Der Verbrenner arbeitet im Hintergrund, die beiden E-Motoren übernehmen immer wieder kurze Lastspitzen. So bleibt als Fazit: Der Jeep Avenger 4xe ist nicht das kompromisslose Arbeitsgerät für schweres Gelände und auch nicht der reine Effizienz-Champion unter den Hybriden. Er ist die goldene Mitte. Ein SUV, das sich nicht verbiegen will, aber dennoch den Spagat schafft zwischen Dienst und Vergnügen, Stadt und Land, Kostenbewusstsein und Fahrspaß.

