Ford legt seinen Erfolgs-Transporter Transit Custom neu auf. Viel Praktikabilität und Pkw-Nähe verspricht Ford – und damit nicht zu viel.
Auf seinen mittelgroßen Transporter Transit Custom ist Ford mächtig stolz. Seit 2015 seien Kastenwagen und Kombi Marktführer im Ein-Tonnen-Segment, betonen die Kölner. Da soll – nach rund elf Jahren – auch die zweiten Generation des Transit Custom und seiner Pkw-Variante Tourneo Custom anknüpfen – wieder mit zwei Radständen und vielen Varianten, aber auch mit neuen Assistenten und erstmals mit Elektroantrieb.
Erkennbar ist der neue Transit Custom an schmaleren Scheinwerfern, die um 13 Prozent verbesserte Aerodynamik soll für mehr Effizienz sorgen. Ansonsten geht es beim Transporter-Design aber vor allem um Praktikabilität, und da – Stichwort Park- und Tiefgaragen – unterstreicht Ford die um sechs Zentimeter auf jetzt knapp unter zwei Meter geschrumpfte Höhe. In der Länge misst der Transit Custom nun 5,05 (L1) oder 5,45 Meter (L2).
Auch im Interieur setzt der neue Transit Custom moderne Akzente. Auch, weil sein komplett neues Cockpit deutlich digitaler wird. Serienmäßig spendiert Ford das Infotainmentsystem Ford Sync 4 (13-Zoll-Monitor, kabelloses Apple Carplay und Android Auto), das Online-Navi gibt es für 600 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.). Zunächst verbaut Ford im Transit Custom digitale 7-Zoll-Instrumente mit analoger Temperatur- und Tankanzeige, im zweiten Halbjahr 2024 folgt dann eine volldigitale 12-Zoll-Version. Pfiffig: Für mehr Platz in der Transit-Custom-Kabine wanderte der Beifahrerairbag ins Dach, das Lenkrad lässt sich im Mobile-Office-Paket für 580 Euro zum Arbeits- oder Pausentisch umklappen.
Als Arbeitstier ist der Transit Custom – seinen Pkw-Zwilling Tourneo Custom lassen wir hier einmal außen vor – äußerst wandelbar. Kasten, Doppelkabine und Kombi gab es schon beim Vorgänger, neu ist ab 2024 der sogenannte Multicab. Die Mischung aus Kasten und Doppelkabine bietet mehr Flexibilität, denn aus drei Sitzplätzen in Reihe zwei werden zwei, dafür verlängert sich der Stauraum links für lange Transportgüter bis zum Fahrersitz. Und wie sind die Transit Custom grundsätzlich konfiguriert?
Immer gleich sind die Öffnungsmaße: 1,03 mal 1,30 Meter messen die Schiebetüren, bei den Flügeltüren sind es hinten 1,40 (Breite) mal 1,31 Meter (Höhe). Noch mehr Zahlen gefällig? Das Ladevolumen des Kastens beträgt 5,8 (L1) bis 6,8 Kubikmeter (L2), die Laderaumlänge – inklusive der Durchlademöglichkeit unter den Vordersitzen 3,45 Meter. Und die maximale Nutzlast liegt je nach Variante bei 1,35 Tonnen, die Zuglast bei 2,5 Tonnen.
Unter der Haube des Transit Custom werkeln ein Diesel, ein Plug-in-Hybrid (ab Frühjahr 2024) oder erstmals ein Elektromotor (ab Sommer 2024). Und das sind die Details:
Generell soll der Transit Custom deutlich effizienter geworden sein, so Ford. Dafür soll zusammen mit der optimierten Aerodynamik auch die 100 Kilogramm Gewichtsreduktion sorgen.
Möglichst Pkw-nah soll sich der Transit Custom fahren, formuliert Ford. Ziel erreicht, sagen wir nach der ersten Fahrt mit dem Kasten L1 mit 150 PS und Handschaltung sowie 400 Kilogramm Ballast im Laderaum. Tatsächlich fährt sich der Transporter wie von den Entwicklern formuliert, Lenkung und Fahrwerk (mit neuer Einzelradaufhängung hinten) erreichen auch praktisch Pkw-Niveau. Das Getriebe arbeitet ebenfalls äußerst geschmeidig.
Der Motor ist – wie das gesamte Auto – auch bei hohen Drehzahlen sehr leise. Allerdings gehört er nicht zu den elastischsten Vertretern seiner Zunft. Bei niedrigeren Drehzahlen geht kaum was, selbst wenn man das Gaspedal voll durchtritt. Erst bei höheren Touren wird der Custom agiler. Apropos Gaspedal: Gefühlt bis zur 60-Prozent-Marke passiert kaum was, danach aber schießt der Custom mit voller Energie voran. Mit 8,5 Litern im Praxisverbrauch (Bordcomputer) kann der Ford auch angesichts der Beladung im Frachtabteil bei der Effizienz gut mithalten. Wir sind, in der Langversion der Pkw-Variante Tourneo, auch den stärkeren 170-PS-Diesel gefahren. Unser Urteil: Den braucht man nicht unbedingt, so groß ist die Leistungs- und Dynamik-Differenz nicht. Auch hier lag der Verbrauch laut Bordcomputer bei 8,5 Litern.
Und das sind die Start-Preise der einzelnen Transit-Custom-Versionen:
Grundsätzlich kommen die Transit Custom zum jeweiligen Basispreis mit 110 PS und der schlicht Transit Custom genannten Basis. Zwei Ausnahmen bestätigen die Regel: Der Multicab startet in der nächsthöheren Linie Trend und mit 136 PS, der lange Kombi ebenfalls als Trend, aber mit 110 PS.
Apropos Ausstattungslinien: Für Kasten und Doppelkabine gibt es die fünf Varianten Basis, Trend, Trial, Limited und Sport. Den Multicab liefert Ford ausschließlich als Trend, der Kombi verzichtet auf die Linie Sport. Welche Ausstattung sinnvoll ist, hängt bei Transportern natürlich noch mehr als bei Pkw vom individuellen Fahrzeugeinsatz ab. Nur so viel: Trial und Sport liefern aufbauend auf Trend (Trial) beziehungsweise Limited (Sport) auch viele optische Gimmicks, die eher der Transporter-Individualisierung dienen. Immerhin, der Trial kommt motorenabhängig mit mechanischem Sperrdifferenzial.
Und auch wenn wir an dieser Stelle gar nicht im Detail auf die einzelnen Optionen eingehen möchten, zwei Dinge wollen wir doch hervorheben. Zum einen ist auch der Transit Custom in die Ford-Pro-Welt eingebunden, für ihn sind also zahlreiche digitale und Telematik-Services verfügbar. Zum anderen feiert im neuen Ford Transit Custom ein sehr nutzfahrzeugspezifisches Assistenzsystem Premiere: Mit dem Delivery Assistant will Ford je Auslieferung 20 Sekunden Zeit sparen, indem das System automatisch die Handbremse anzieht, den Motor stoppt, die Fenster schließt, den Warnblinker aktiviert und das Auto verschließt. Erstmalig zu haben: wie die digitalen Instrumente im zweiten Halbjahr 2024.
Übrigens: Der neue Transit Custom gibt schon direkte Hinweise auf die neuen mittelgroßen Transporter von VW. Denn der T7 als Nachfolger des T6.1 zählt zu den Gemeinschaftsprodukten der Kölner und der Wolfsburger und entsteht erstmals auf Ford-Basis.




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