Mit der Neuauflage des Master wappnet sich Renault für kommende Transporter-Rennen. Vielseitigkeit, eine Multi-Antriebsplattform, Design und Komfort sind Trumpf.
Nutzfahrzeuge sind von Haus aus praktisch und naturgemäß auf die anstehenden Arbeitseinsätze ausgerichtet. Da bleibt wenig Platz für Äußerlichkeiten und Schnickschnack. Die Arbeitstiere sollen schließlich anpacken und müssen nicht gefallen. So war es zumindest früher einmal. Heutzutage putzen sich selbst ausgewiesene Schwerstarbeiter heraus. Die Eitelkeit kennt eben keine Grenzen und macht nicht einmal vor der Baustelle halt. Wobei man da dem neuen Renault Master nicht ansatzweise gerecht würde. Präsentiert sich doch die Neuauflage durchaus ansehnlich und vor allem höchst vielseitig.
Der Variantenvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt: Bus, Kastenwagen, Fahrgestell, Auf- und Umbauten, verschiedene Längen und Höhen, bis zu 22 Kubikmeter Ladekapazität, Diesel- oder Elektromotor, Front- oder Heckantrieb – aus einer ganzen Armada an Konfigurationen lässt sich nahezu jede nur erdenkliche Branchenlösungen maßgeschneidert zusammenstellen. Bei so viel Möglichkeiten dürfte selbst ausgewiesenen Nutzfahrzeugexperten in einem der vielen Renault-Pro-Center ein wenig der Kopf rauschen.
Wir sind sowohl den Verbrenner als auch den Stromer beim internationalen Testdrive in Bordeaux gefahren. Deshalb gleich so viel vorweg: Müsste sich der Autor zwischen den beiden Antriebsvarianten entscheiden, würde er ohne Umschweife den Elektro-Master wählen. Die komplett elektrifizierte französische Arbeitsbiene hat voll überzeugt und in puncto Fahrkomfort, Fahrspaß, Handling, Straßenlage und Manövrierfähigkeit in engen südfranzösischen Gässchen die Nase vorn. Auch auf Landstraße und Autobahn konnte der Stromer punkten und insbesondere beim Handling und Überholen den Verbrenner ausstechen.
Fokussieren wir uns deshalb auf den Master E-Tech. Während in der Verbrennerabteilung nun die vierte Generation antritt, hat Renault mit der zweiten Stromerauflage einen wirklichen Schritt nach vorne gemacht. Man könnte sogar sagen, der Master E-Tech ist jetzt erwachsen geworden. Konkurrenzfähig ist er mit einer Reichweite von bis zu 460 Kilometern (WLTP) allemal. Beim Start der Testfahrt war der Akku, es werden zwei Versionen mit entweder 40 oder 87 kWh angeboten, mit 100 Prozent geladen und es standen 413 Kilometer Reichweite im Digitaldisplay. Der Laderaum wurde, wie auch beim Diesel, mit einer 400 Kilogramm schweren, festverzurrten Palette als Transportgut bestückt. Rund 90 Minuten später hatte der Master E-Tech auf 128 Kilometern 25 Prozent der Batteriekapazität und 25,6 kWh durchschnittlich verbraucht – Daumen hoch.
Und noch ein paar Koordinaten: 1.625 Kilogramm maximale Nutzlast (für die Version L2H2 E-Tech, 4t und 87 kWh) und laut Renault satte 27 Prozent weniger Stromverbrauch als der Vorgänger, der ohnehin etwas schwach auf der Brust war. Gemäß Hersteller soll das Nachzapfen für bis zu 80 Prozent innerhalb von 38 Minuten vonstattengehen. Zudem wurde ein neues 9-Gang-Automatikgetriebe sowie ein optimiertes Bremssystem für schnelles und dynamisches Bremsen unabhängig von der Ladung, verbaut.
Des Weiteren fällt sofort das ansprechende Outfit ins Auge, im Renault-Marketingsprech ein wenig hochtrabend „Aerovan-Design“ genannt. Damit konnte der französische Lademeister bereits bei der Weltpremiere im November 2023 glänzen, als der neue Master speziell für seinen außergewöhnlichen Look gepriesen wurde, der sich darüber hinaus durch seine besondere Aerodynamik und einen sehr guten Cw-Wert auszeichnet. Letzterer liegt nach Renault-Angaben mehr als 20 Prozent unter dem Wert der Vorgängergeneration und sei somit auch deutlich niedriger als bei den aktuellen Wettbewerbern.
Auch bei den inneren Werten kann der neue Master überzeugen. Das Interieur orientiert sich an Pkw-Standards: Der S-förmig geschwungene, fahrerorientierte Instrumententräger sorgt für ein großzügiges Raumgefühl. Wertige Materialien und das serienmäßige 10-Zoll-Display verleihen dem Interieur einen zeitgemäßen Touch. Das Lenkrad ist in Höhe und Tiefe verstellbar. Bei den Automatikversionen befinden sich die Wählhebel jetzt am Lenkrad, wodurch mehr Platz in der Mittelkonsole frei wird. Insgesamt 135 Liter Stauvolumen im Innenraum – ein Zuwachs von 25 Prozent – markieren einen neuen Bestwert für den Transporter.
Zudem lässt sich der neue Renault Master mit wenigen Handgriffen in ein Büro auf Rädern verwandeln: Die Rückenlehne des mittleren Sitzes ist umklappbar und wandelt sich dadurch zu einer Schreibunterlage. Zusätzlich ist eine Halterung für einen Laptop und USB-C-Anschlüsse für die Stromversorgung elektrischer Geräte vorhanden. Die Orderbücher sind bereits geöffnet, der Marktstart ist für den Sommer vorgesehen. Die Preise sollen sich an den französischen Beträgen orientieren. Im Nachbarland geht die Liste für den Einstiegsdiesel bei 40.000 Euro, für den Stromer bei 50.000 Euro netto los.




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