Der Renault Twingo Electric startet mit kleinem Akku und günstigem Preis. Was der Elektro-Kleinwagen im Alltag kann und für welche Fuhrparks er sich eignet.
Eine Batterie mit nur 27,5 Kilowattstunden, bis zu 263 Kilometer Reichweite und ein Einstiegspreis von 19.990 Euro: Der neue Renault Twingo Electric setzt auf überschaubare Technik statt große Reichweitenversprechen. Für Unternehmen könnte der elektrische Kleinwagen damit eine interessante Alternative für kurze, planbare Fahrten sein. Doch wie alltagstauglich ist das Konzept, und wo liegen seine Grenzen?
Braucht ein Elektroauto für den Stadtverkehr tatsächlich eine Reichweite von 500 Kilometern? Renault beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Der neue Twingo kommt mit einer nutzbaren Batteriekapazität von 27,5 Kilowattstunden aus. Damit erreicht der Kleinwagen nach WLTP bis zu 263 Kilometer. Für den Einsatz in der Stadt soll das ausreichen.
Zur Begründung verweist der Hersteller auf die Auswertung anonymisierter Fahr- und Ladedaten von 18.000 Twingo-Kunden. Demnach legen die Fahrer durchschnittlich nur 26 Kilometer am Tag zurück. Lediglich vier Prozent ihrer Fahrstrecken entfallen auf Autobahnen. Im Schnitt wird der Twingo 1,6-mal pro Woche geladen, rund 80 Prozent der Ladevorgänge finden zu Hause statt. Bei 95 Prozent der Fahrten war kein Zwischenladen erforderlich.
Für Fuhrparks mit planbaren Kurzstrecken könnten solche Nutzungsprofile interessant sein. Allerdings stammen die Daten aus der allgemeinen Fahrzeugnutzung und lassen sich nicht ohne Weiteres auf gewerbliche Einsatzprofile übertragen.





Im Berliner Stadtverkehr zeigt sich der kleine Renault von seiner praktischen Seite. Bei gemäßigten Temperaturen erscheinen dort Reichweiten um 250 Kilometer durchaus realistisch. Häufiges Bremsen ermöglicht die Rückgewinnung von Energie. Bei längeren Autobahnfahrten dürfte die Reichweite dagegen deutlich geringer ausfallen.
Das bestätigen auch unabhängige Messungen des ADAC. Im Test erreichte der Twingo eine Reichweite von 176 Kilometern bei einem Stromverbrauch von 17,8 kWh pro 100 Kilometer.
Geladen wird mit bis zu 11 kW Wechselstrom. Optional ist Gleichstromladen mit bis zu 50 kW möglich. Damit soll sich die Batterie innerhalb von 28 Minuten von 15 auf 80 Prozent laden lassen. Für Poolfahrzeuge, die regelmäßig längere Standzeiten auf dem Betriebsgelände haben, könnte insbesondere das AC-Laden interessant sein.
Mit einer Länge von 3,79 Metern eignet sich der Twingo vor allem für enge Straßen und Parkplätze. Sein Elektromotor leistet 60 kW (82 PS) und entwickelt ein maximales Drehmoment von 175 Newtonmetern. Im Stadtverkehr kommt der Kleinwagen zügig voran. Die Lenkung arbeitet leichtgängig, das Fahrwerk bietet angenehmen Komfort.
Praktisch sind die beiden einzeln verschiebbaren Rücksitze. Je nachdem, ob mehr Beinfreiheit oder Stauraum benötigt wird, lassen sie sich nach vorn oder hinten bewegen. Das Kofferraumvolumen beträgt nach VDA-Messung 305 Liter und wächst bei umgeklappten Rücksitzen auf bis zu 966 Liter. Auch der Beifahrersitz lässt sich in der höheren Ausstattungslinie umklappen.
Für den gewerblichen Einsatz gibt es allerdings Einschränkungen. Der Twingo bietet lediglich vier Sitzplätze. Zudem ermittelte der ADAC eine Zuladung von 359 Kilogramm. Wer regelmäßig mehrere Personen samt Gepäck oder umfangreiche Arbeitsmaterialien transportiert, dürfte mit einem größeren Fahrzeug besser bedient sein.
Preislich positioniert Renault den Twingo am unteren Ende des Elektroautomarktes. Die Basisversion Evolution startet bei 16.798 Euro netto (19.990 Euro brutto). Zur Ausstattung gehören unter anderem eine manuelle Klimaanlage, eine Einparkhilfe hinten und ein digitales Kombiinstrument.
Für 18.143 Euro netto (21.590 Euro brutto) gibt es die höherwertige Version Techno. Sie bietet unter anderem eine Klimaautomatik, Google-Navigation und eine One-Pedal-Funktion. Auch ein umklappbarer Beifahrersitz gehört zu den zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen. Optional ist ein Glasdach für 600 Euro erhältlich.
Für Unternehmen dürfte neben dem Anschaffungspreis vor allem die Wirtschaftlichkeit über die gesamte Haltedauer entscheidend sein. Dazu zählen Leasingraten, Stromkosten, Wartung und die vorhandene Ladeinfrastruktur. Ein niedriger Einstiegspreis allein macht den Twingo noch nicht automatisch zum günstigsten Flottenfahrzeug.
Seine Stärken spielt der elektrische Kleinwagen vor allem dort aus, wo kurze Strecken, häufige Stopps und begrenzter Parkraum den Alltag bestimmen. Damit könnte sich der Twingo beispielsweise für ambulante Pflegedienste, kommunale Verwaltungen oder Unternehmen mit innerstädtischen Serviceeinsätzen eignen. Auch als Poolfahrzeug für kurze Dienstfahrten kommt er infrage. Voraussetzung sind planbare Fahrstrecken und geeignete Lademöglichkeiten.
Weniger geeignet ist er für regelmäßig wechselnde Langstrecken, hohe tägliche Fahrleistungen oder Transporte mit größerem Platzbedarf. Hier können die begrenzte Reichweite und die geringe Zuladung zum Nachteil werden.
Für Fuhrparks mit kurzen, planbaren Strecken kann der Twingo somit eine kostengünstige Alternative zu größeren Elektroautos sein. (SP-X/iz)